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Der Israelit · 1896-02-03 · Heft 10 (3.2.1896) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 10 (3.2.1896)
Date
1896-02-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXV». Jahrgang. Beilage j« M 10 des „Israelit". Feuilleton. Nach der Niviera. Neisebriefe von Davy Kahn-Wiesbaden. Nizza, den 20. Januar. Heute, lieber Leser, — der Du mir so oft treulich in die verschiedenen Heilplätze des deutschen Vaterlandes gefolgt bist, — heute führe ich Dich weit weg von den Gefilden der kalten, nordischen Heimath. Das meerbespülte Eden im Süden unseres Welttheils, jenes Paradies mit seinem immerwährenden Lenze, seinem ewigen Blumenduft, seiner ständigen Blüthenpracht, seinem ewig klingenden Vogelfang und seinem stetig leuchtenden Sonnenschein sei das Ziel unserer Wanderung. Wir verlassen die rheinische Metropole um die Mittagsstunde. Saußend fährt das Dampfroß durch die Winterluft, die zahlreichen Städte der hessischen und badischen Gebiete wie im Fluge berührend. In Basel überschreiten wir die deutsche Grenze und weiter gehts, — die himmelanstrebenden, schneebedeckten Gipfel der Schweizerberge zu beiden Seilen, — den wunderbaren Tunellbauten der St. Gotthardgruppe zu, die der Zug in unzähligen Windungen durchfliegt. Schon mit dem ersten Morgengrauen überschreiten wir die Grenze jenes Landes, das wie kaum ein zweites in die Geschichte unserer Vorfahren eingegriffen. Im Waschraum unseres Zuges machen wir Morgentoilette, und von Niemand gestört verrichten wir unser Gebet. Inzwischen hat der Zug das alte Mailand erreicht, wo wir uns von der anstrengenden Fahrt einige Stunden erholen wollen. Mailand besitzt eine der schönsten Synagogen des Continents. Sie ist erst vor kurzer Zeit im Beisein der Munizipalitäten in feierlichster Weise eingeweiht worden. Als besondere „Merkwürdigkeit" zeigt man in diesem Gotteshaus dem Fremden die — Orgel, ein Instrument, welche alle seine Collegen im Lande quantitativ und qualitativ überragen soll. Die Erbauer dieser Orgel sollen von der Ansicht ausgegangen sein, daß, um zum Herzen der Mailänder Juden zu dringen, es geradezu eines Monstrums von Orgel bedürfe. So laut die Or^el jedoch auch schallen mag — zu den Ohren der Gemeindemilglieder vermag sie nicht zu dringen, und die Größe des Instruments stehp.im.Mtzekehrten Verhältniß zur Zahl der regelmäßigen'Synagogen-Besucher." " ' In Mailand finden wir noch jene frostige Temperatur, wie sie zur Zeit auch im deutschen Vaterlande herrscht. Eine schmutzige Schneeschichte bedeckt die Straßen und nichts erinnert an den „Süden." Doch kaum hat uns der Zug dem benachbarten Genua zwei Stunden näher geführt, so vermögen wir schon einen klimatischen Unterschied wahrzunehmen. Die schneebedeckten Tristen machen grünenden, mit duftigen Blumen geschmückten Wiesen Platz, freundlich beschienen von den belebenden Strahlen der Sonne. In Genua erreicht der Zug den Eingangspunkt der Riviera di ponente, jener herrlichen Gegend, die das Ziel unserer Reise bildet. Der Zug wendete sich nach Westen und berührt jene zahlreichen Orte, die sich der Meeresküste anlehnen. Je weiter wir fahren, je milder wird die Temperatur, je üppiger die südliche Vegetation, je romantischer und feenhafter der Ausblick. Hochragende Palmbäume, wie wir sie bisher nur aus den Zeichnungen der Maler und der- Laureolbüchsen kannten, dunkelblättrige Oleanderstauden, düsterfarbige Olivenhaine und reichbehangene Citronen- und Orangenpflanzungen schmücken die Anlagen der zahllosen Villen, die auf einer Seite die Bahnstränge bekleiden; auf der andern Seite der Bahnlinie jedoch braust das weite gigantische Meer und gießt seine schäumenden Wasser über den harten Granit, der sich, als Ueberrest eines stolzen Felsgebirges, aus der Fluth erhebt. Das Herz wird bewegt von den großartigen Bildern, die die Natur vor unseren Blicken entrollt, unwillkürlich lenkt sich das Auge zu jenen Höh'n, wo d e r wohnt, der all diese Dinge geschaffen und von dem es heißt: 'ivv jnNi yrrn “pryo. Die erste bekanntere Station hinter Genua ist „San Nemo." Wehmüthige Erinnerungen durchzucken unser Inneres, da der Schaffner diesen Namen ausruft. Wir gedenken jenes herrlichen Fürsten, der vor wenigen Jahren hier an dieser Stelle von einem tückischen Leiden Heilung suchte, dem er schließlich, trotz der aufopfernden Kunst der Aerzte, doch unterliegen sollte. In langen Reihen stehen die zahlreichen Kurgäste des rasch aufblühenden Ortes auf dem breiten Promenadenwege, der sich der Bahnlinie entlang zieht, und manche schmerzdurchzuckte Gestalt gewahren wir, die unter der gesegneten Sonne Italiens Heilung sucht von der schweren, erbarmungslosen Krankheit. San Remo wird in den letzten Jahren auch zahlreich von den jüdischen Kurgästen ausgesucht, Re' jedoch bedauerlicherweise nur zum geringen Theile in

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