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Der Israelit · 1896-02-03 · Heft 10 (3.2.1896) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 10 (3.2.1896)
Date
1896-02-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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206 bitter der strenggläubigen Israeliten R . . . inon's, von welchem man ihr sagte, daß er ein Fanatiker sei und doch imponirte er ihr durch seine hohe Bildung und seine feinen Manieren derart, daß sie es herzlichst bedauerte, daß er sich ihren Wünschen nicht geneigt zeigte. Von dem Reformrabbiner entwarf sie sich ein womöglich noch bedeutenderes Bild, und jetzt soll dieser ungeschliffene, ungehobelte Bloser jenem Bilde entsprechen! Mit Abscheu wollte sie sich von ihm abwenden. Aber sie berechnete, daß der ungebildete, unmanierliche Rebb Bloser ihrem Zwecke bester dienen könne und sich ihren Wünschen geneigter zeigen werde; vielleicht gelingt es ihr durch Geld und Ueberredung ihn zum blinden Werkzeug ihres Willens zu machen und sie zwang sich daher zu einem Lächeln. „Man sagte mir," fing sie im Tone des Bedauerns an, „ daß der Herr Oberrabbiner abwesend sei, so blieb mir keine andere Wahl als Sie, ehrwürdiger Herr, hierher zu bemühen." „Was sich mir sehr viel Fraid macht, gnädige Frau!" gab Rebb Bloser mit einem süßen Lächeln zu. „Das wird sich zeigen," versetzte die Comteste. „Ihr College, Herr Dr. Marpua zum Beispiel, hat sich wenig über meine Bitte erfreut gezeigt; ja er hat sie fast beleidigend aufgefaßt und sie rundweg zurückgewiesen. Was sagen Sie dazu, ehrwürdiger Herr?" „Was ich mir dam sage?" sagte Rebb Bloser und legte seine Stirn in Falten. „Ro! was ich mir immer sagte? Marpua ist ein Fanatiker. Warum? Weil er sich nebbich keine Bildung besitzt. Warunr besitzt er sich nebbich keine Bildung? Weil er sich nebbich nicht versteht, wie man sich mit Damen umzugehen hat. Und warum versteht er sich mit Danren nicht umzugehen? Weil er sich noch frommer sein will als Rebb Bloser? Und warum will er sich noch frommer sein als Rebb Bloser? — No! — Weil er sich ein Fanatiker ist!" „Halten Sie ein, mein Herr!" wandte die Comteste mit Unwillen und Abscheu ein, „brechen Sie nicht voreilig den Stab über Ihren College», den ich übrigens seiner Gelehrsamkeit und guter Bildung wegen achten und bewundern muß. Noch kennen Sie den Inhalt meiner Bitte nicht; vielleicht werdell Sie diese ebenfalls als unzulässig verwerfen, obgleich ich für die Erfüllung meiner Bitte gerne tausend Francs zahlen möchte?!" „Tausend Franken!" wiederholte Bloser mit andächtiger Stinlme und in seinen Augen blitzte und funkelte es vor Begierde und Verlangen. „Das ist sich viel Geld! Also was bitten sich die gnädige Frau dafür?" „Ich wünsche, daß Frau Judith Pelouse'" erklärte die Gräfin, „ein schönes Begräbniß, wie es sich ihrem Namen und Stand geziemt erhalte. Leider kann ich es nicht hindern, daß sie auf dem jüdischen Friedhofe beerdigt werde; aber sie soll in einfachen, linnenen Gewändern mtb in einem rohen, ungezimmerten Sarge, wie dieses bei den Juden Gebrauch ist, nicht beerdigt werden. Ich will, daß ihre Leiche standesgemäß bestattet werde, in kostbaren Gewändern, in silberbeschlagenem Sarge, mit Blumen und Kränzen! Die Gründe für dieses Verlangen können Ihnen gleichgiltig sein. Herr Dr. Marpua erklärte, eine solche Beerdigung vom religiosgesetzlichen Standpunkt aus für unstatthaft und unzulässig und will seine Einwilligung dazu tu keinem Falle ertheilen. Da rieth man mir, Sie zu befragen und ich war begierig zu erfahren, welchen Standpunkt Sie der Frage gegenüber einehmen werden!" (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Freitag, 7. Februar, 23. Schebat. Sabbat-Anfang in Main; 5 Uhr 5 Min. Samstag, 8. Februar, 24. Schebat, n"3D O'vOlw. Sabbat-AuSgang in Main; 6 Uhr 20 l'im. D«r « r « eltt" erscheint wöchentlich zweimal, Montage und Donnerstag», jede* mal in mtnfc$m* pN* v-gen. Pret» kl Jahrgang» für Deutschland und Orsterreich Ul Reichs-Mark, fftr’S Va»l<r*fe 1» RrichS--Msrk. Man •&9*rarrt ganz< jichrig, haldfilhrig »der vtertcl'Lhrig. LU« Buchhandlungen «nd Poüämter nebmsn Bestellungen an. — March Le» M»chha«L<l M dezdche» Lei E. /. Mlrtnacker. fttnitf, Mo-pintz 1». — Jnirrare 25 Pjrrmig die virrgefpaltcn« Betttxtl« »der deren R«um. — OeSerretchisch« Banknote» laut Eour». — Direkte Franeozusrnduna unter StreNbarrd pro Jahrgang für Deutschland »»d Oesterreich 14 Reichs-Mark »der 8 ft. ßsterr., für'» Ausland iß Reichs-Mark, sn die Expedition franco etnzuf enden. Wkm WWtmtm »»« tu die Redaktion cingkfandte« Manuskripte« findet nicht statt, «»« Mtttt dodhald fich von alle« Ginsendnngen eine lkopie znrürkznbehalten. Inhalt (Hanptblatt): leitender Artikel: Religionsgesetzliche Vorschriften über die Herstellung der MazzoS.— Zeitungsnachrichten u. Corresporderzen: Deutschland °. Gießen. Heldenbergen. Berlin. München. Frankenthal. StadtlengSseld. Karlsruhe. O^sterr.-Ungar. Monarchie: Budapest. Lemberg. Frar kreich: Paris. Rußland: Petersburg. Riga. — Personalien: Bamberg. — Feuilleton: „Der Letzte seines Stammes." Erzählung von Alphonse de la Haye. Inhalt der Beilage: Feuilleton: Nach der Riviera. — Zeitungsnachrichten n. Correipondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Ostrowo. Frankreich: Paris. England: London. Amerika: New-Aark. Türkei: Damaskus. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Scholtstraye Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der J o h. W ir th'schen Hofbuchdruckerei-Act en-Geseäschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.

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