Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 10 (3.2.1896)
- Date
- 1896-02-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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W8WSWWWMWMMKWWWch 204 gorie, die sich vor 15 bis 20 Jahren in den Vorstadtgemeinden des Territoriums uiedergelaffen haben, den Befehl erhalten sich zu entfernen; man will das Gesetz von 1882, das den Juden untersagt, sich in Dörfern niederzulaffen, auf sie anwenden und scheint nicht wissen zu wollen, daß ehemalige Soldaten sich überall niederlassen dürfen. Dem Senat ist die Frage unterbreitet worden; leider werden die armen Juden lange aus ihrem Heim vertrieben sein, ehe ein günstiger Bescheid etntrifft! Riga, 24. Jan. (Zur Juden frage.) Die Gesellschaft zur Verbreitung von Aufklärung unter den Juden hat, wie die Riga'sche Rundschau schreibt, eine lange Reihe inftructiver statistischer Daten über die jüdischen Schulen gesammelt. Auf Grund des gesammelten Materials sollen Kartogramme über die Verbreitung der hebräischen Schulen in den einzelnen Gouvernements und Kreisen des Reiches angefertigt werden. Ferner soll die allmähliche Entwickelung der jüdischen Schulen, deren materielle Lage, Lehrerbestand, Unterrichtsprogramm u. s. w. veranschaulicht werden. Auch bemüht sich die genannte Gesellschaft, die Zahl derjenigen Juden möglichst genau festzustellen, die in den allgemeinen Schulen aller Lehrbezirke Unterricht genießen. Die interessante Arbeit soll bis zum Mai fertig werde': und ist für die Nishny-Nowgoroder Ausstellung bestimmt. Personalien. Bamberg. Dienstag, den 21. ds, wurde dahier eine Frau zu Grabe getragen, die, wie nicht leicht eine andere einen ehrenden Nachruf in Ihrem Blatte verdient hat. Es war dies Frau Babette Dittmann n"y, früher in Aufsees wohnhaft und daselbst gebürtig, welche im 73. Lebensjahre von ihrem segensreichen Wirken abgerufen wurde. Was unsere Weisen 7"? von ’Dp sagen: rmn rus nvr rus min ms mponp N»m trifft hier voll und ganz zu. Die Lücke, welche die Verblichene innerhalb der Gemeinde hinterließ als stets werkthätiges Mitglied der Frauen-,'van, als Trösterin der Armen und unermüdliche Besucherin des Gotteshauses, wo sie niemals weder beim Frühnoch Abendgottesdienste fehlte, wird, wie auch der Herr Rabbiner anerkennend am Grabe hervorhob, unersetzlich sein. Die Verblichene gehörte im vollsten Sinne des Wortes zu den nwpis mw, wie sie leider in unserer Zeit immer sätener werden. •]ÖN JtOBf» DyD HOW nrTDtMD »HW 717*0 " Wien, 21. Jan. Dieser Tage wurde die 64jährige Wittwe Charlotte Merores auf dem Central-Friedhofe zu Grabe getragen. Wie die Oesterreichische Volkszeitung meldet, hinterließ die Verstorbene den Betrag von nahezu Einer Million, den sie zum größten Theile wohlthätigen Zwecken widmete. Frau Merores war die Wittwe eines Prager Eisenhändlers, kam vor 27 Jahren nach Wien und kaufte ldss H««s Hähmagerstraße 24. In ihrem Testamente »er* wachse Fr rwr Svskmr vsiä bEusiiz 800,000 fl. zur Errichtung eines Waisenhauses für israelitische Mädchen, das durch ein Curatorium verwaltet werden soll. Außerdem machte die Verblichene eine Stiftung für Studirende an der Wiener Universität mit 10,000 fl. und andere kleinere Legate. Feuilleton. Der Letzte seines Stammes Erzählung von Alphonsr de la Hayr. 9) (Alle Rechte Vorbehalten.) „Rein, nein!" rief Susanna ärgerlich aus, die sich jetzt über ihre Dummheit, von Deutschland zu sprechen, ärgerte; denn dadurch konnte sie die Feinde Elchonons auf ihre Spur verhelfen. „Ich will ja gar nicht nach Deutschland, ich wüßte nicht, was ich dort zu suchen habe.' Ich will blos nach M . . . . Wollen Sie die Güte haben, mir ein Billet zweiter Claffe zu geben!" „Nach M . . . . wollen Sie!" frug der Beamte, der durch den Widerspruch der Alten aufmerksam wurde und sie mit verdächtigen, prüfenden Blicken betrachtete. „Dann haben Sie keine Zeit zu verlieren! Der Zug geht in zwei Minuten ab!" 13. Kapitel. Reb Bloser. Im Osten fing es schon zu dämmern an; allmählig zerrissen die Sonnenstrahlen die Nebelschichten, die die Erde in einen dichten Schleier gehüllt hatten, und in purpurner Gluth ergoß der junge Tag sein Licht über Berg und Thal. Aus dem Schloßthurm flatterte eine schwarze Fahne in den Lüften und verkündete den Dorfbewohnern, daß auf dem Schlosse Jemand von der Herrschaft gestorben sei. „Ist die gnädige Comteffe gestorben?" frug Pierre, der sein Vieh nach der Stadt trieb, den Francois, der hinter seinem Pfluge ging. Francois blieb stehen, holte seine kurze Tonpfeife aus der Tasche und setzte sie in Brand. „C’est une Jdiotisme, Pierre!“ sagte Francois, indem er einen kräftigen Zug that und eine mächtige Rauchwolke von sich blies. „Ja Blödsinn! Solche Comtessen leben verflucht lang." „Eli bien! Aber warum ist die Trauerfahne aufgezogen? Ist denn sonst Jemand von der Herrschaft gestorben?" „Die gute, liebe Frau Verwalterin ist gestorben," erklärte Francois, nahm unwillkürlich die Pfeife aus dem Munde und blickte fast wehmüthig zu der Fahne empor. „Ja, jeder im Dorfe liebte und schätzte sie hoch; sie war die Wohlthäterin des ganzen Dorfes." „C’est vrai!“ bestätigte Pierre, „aber ihretwegen kann doch die Trauerfahne nicht aufgezogen worden sein; sie ist. doch mit der Herrschaft auf dem Schlosse nicht verwandt!" . •/: „Darüber hat? ich mich wach ichrn ^wundert" räumte Francois ein. „Da wurde mir gesagt, daß sie die Riöce der gnädigen Comtesse sei."