Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1896-02-03 · Heft 10 (3.2.1896) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 10 (3.2.1896)
Date
1896-02-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448608-2448619--41212-2490159
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

202 sollten diejenigen, welche die Juden bekämpfen, von Hause aus besser sein, als die Juden. Da nun, wie es scheint, mit dem „Volksbund" kein Geschäft mehr zu machen war, so probirt man es jetzt mit der Firma einer „Bayerischen Reformpartei" und schämt sich neuestens des Wortes „antisemitisch. Ueber die Reformen, welche von dieser Seite auf wirthschaftlichem Gebiete herbeigeführt werden wollen, kann man jedoch ebenso beruhigt sein, wie über die Leistungen, welche der jetzt selbstverworfene „Volksbund" nicht vollbracht hat." Fraukenthal, im Jan. In der Geschichte der Staaten und Völker ist wiederum ein Jahr dahingegangen. Eine neue Zeit, welche in politischer und commercieller Beziehung für Alle von großer Wichtigkeit ist, hat bereits begonnen. Die Hoffnung, daß für die Gemeinde Israels im künftigen Jahre die Morgenröte einer schöneren Zeit hervorbrechen — und die Vorurtheile der Antisemiten mit ihren Gemeinplätzen von der Bildfläche verschwinden mögen, wird nicht nur von unseren Glaubensgenossen, sondern von allen guten Menschen getheilt. — In frühem Jahren haben sich die Blätter religiöser Tendenz mit Politik wenig befaßt; doch heute ist es bei den mannigfachen Parteiströmmungen zum unabweisbaren Bedürfniß geworden. Es verdient alle Anerkennung, daß die Redaction dieser geschätzten Zeitschrift ihr Augenmerk auf alle Erscheinungen richtet, welche die Genossenschaft in den einzelnen Ländern innig berühren. — Zum Schluffe des alten Jahres brachten alle Blätter der Tages-Literatur die überraschende Mittheilung, daß der frühere Chef-Redacteur der Kreuzzeitung, Freiherr von Hammerstein inhaftirt worden sei und begleiteten diese Kunde mit mehr oder weniger freudigen Genugthuung. Als gesetzestreue Israeliten wollten wir darob nicht in Jubel ausbrechen, da die Schrift sagt: notpn iw Vbjd Freue Dich nicht, wenn Dein Feind fällt! Sie haben vielmehr, entgegen dem Verhalten anderer jüdischer Blätter, diese Thatsache kaum berührt. Doch den erhebenden Gedanken wollen wir festhalten, daß eine gerechte Nemesis über uns waltet, und daß sich das Wort des Dichters hier bewahrheitet: „Die Unschuld hat im Himmel einen Freund." Was hat seit Jahren die viel besprochene Kreuzzeitung uns nicht alles zu erzählen gewußt! Von dem Wahne befangen, die alleinige Trägerin der Fahne für Religion und Moral zu sein, hat sie gegen Juden und Judenthum stets Verleumdungen und Entstellungen auf Lager gehabt, ist sie mit ihrem Anhänge gegen „Talmud und Schulchan Aruch" rücksichtslos zu Felde gezogen. Heißt es doch im ersten Kapitel letzteren Werkes: Der Mensch werde stark wie ein Löwe, mit dem Morgenstern sich zu erheben, den Willen seines Schöpfers zu vollziehen. Er spreche mit dem Psalrnisten : .,Schiwisi Ad. lenegdi tomid“. Den Ewigen habe ich stets vor Augen, steht er mir zur Rechten, so kann ich nicht wanken! So verlangt es das von der Kreuzzeitung so oft geschmähte jüdische Gesetz. Stadtleugsfeld. Am 24. d. M. begingen Herr Landrabbiner Dr. Salzer und Gemahlin hür das Fest der silbernen Hochzeit. Es lieferte dieser Anlaß einen deutlichen Beweis davon, welch großer Beliebtheit und allgemeiner Verehrung sich das Jubelpaar erfreut. Nicht nur von einem großen Kreise von Verwandten und Freunden liefen Gratulationen ein, sondern auch von städtischen und staatlichen Beamten; unter anderen fehlte auch nicht ein Glückwunsch unseres hochverehrten Herrn Schulraths, des Großherzogl. Bezirksschulinspektors Kögler in Darmbach. Auch mit sichtbaren Zeichen der Aufmerksamkeit wurde das Jubelpaar überrascht. Die hiesige israel. Gemeinde ließ durch ihren Vorsteher Herrn Jacob Huhn I. ein Eßservice überreichen, der Litteraturverein, in welchem Herr Dr. Salzer abwechselnd mit dem Unterzeichneten Vorträge hält, verehrte ein Makart-Bouquet. Die Lehrer des Bezirks, welche durch die Wirksamkeit des Jubilars die Ueberzeugung gewonnen, daß ihr Geistlicher die schwierige Arbeit eines gewissenhaften Lehrers wohl zu schätzen weiß, ließen durch den Unterzeichneten ein Album mit ihren Photographien überreichen. Namens des „Vereins israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands", dessen Leitung der Jubilar sich seit Jahren in gewissenhafter und selbstloser Weise unterzieht, gratulierte Herr Lehrer Heilbrun-Gehaud. — So möge es denn dem verehrten Jubelpaare beschießen sein, in gleicher Rüstigkeit, auch das goldene Ehejubiläum zu feiern. I. B. R. Karlsruhe. Kaufmann Michael H o mbur ge r, von hier gebürtig, jetzt in Frankfurt a. M. wohnhaft, hat seiner Vaterstadt ein Kapital von 25,000 M. zu einer Stiftung zugewendet, mit der Bestimmung, daß die Zinsen zur Beschaffung von Lehrmitteln für Schüler der hiesigen Volksschulen ohne Unterschied der Confession verwendet werden sollen. Oester r.-U ngar. Monarchie. ("») Budapest, 24. Jan. Die ungarisch-israelitische literarische Gesellschaft hat beschloffen. anläßlich der Milleniumsfeier in nnserenl Vaterlande sämintliche Urkunden, die sich aus oie ungarischen Juden beziehen und zwar von der Zeit der Arpaden an bis auf das Recipirungsgesetz unserer Tage zu sammeln und in Druck legen zu lassen. Die Uebersetzung der Urkunden soll in ungarischer Sprache erfolgen. Man hofft so, ein stattliches Werk zustande bringen zu können.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.