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Der Israelit · 1896-02-03 · Heft 10 (3.2.1896) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 10 (3.2.1896)
Date
1896-02-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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201 stehen zu bleiben und nicht in der Backstube zu warten, bis die Mazzoth ihnen abgenommen werden, denn bei warmer Temperatur des Zimmers tritt die Säuerung des Teiges (das Chamezwerden) schon vor 18 Minuten ein. § 20.*) Jene Mazzoth, die für den Genuß auf die beiden Seder-Abende bestimmt sinb, werben Mizwoß genannt, und finden bei denselben folgende besondere Bestimmungen statt: g.) bei dem Wafferschöpfen zum Kneten dieser Mizwoß-Teige, sowie beim Kneten derselben und den übrigen Arbeiten dabei, soll erwähnt werden, daß dieses geschehe zur Zubereitung der Mizwoß, die für die Erfüllung der Pflicht des Mazzohgenusses an den bei den Seder-Abenden bestimmt sind (Le'schem Mizwoß Mazo); d) das Wasserschöpfen zum Kneten gedachter Mizwoß, sowie das Kneten derselben und die übrigen Arbeiten dabei, namentlich das Einschießen derselben in den Ofen, soll durch erwachsene isr. Personen geschehen: § 21.*) Sogenannte dicke Mazzoth (Reib-Mazzoth) sollen womöglich gar nicht gemacht werden sollen, jedenfalls aber dürfen sie nicht mehr als fingerdick sein und muß bei denselben die Ofenhitze zum Backen ganz außergewöhnlich stark sein, sonst könnten solche noch im Ofen Chamez werden. Der Ofen muß überhaupt beim Backen sämmtlicher Mazzoth stark durchgeheizt sein, daß die Mazzoth möglichst schnell backen. § 22. Der Ofen muß vor dem Gebrauch glühend gemacht (gekaschert) und so alles etwaige Chamez aus demselben durch die Gluthhitze entfernt werden. Hätte man den Ofen auch wiederholt geheizt, jedoch nicht in der Absicht ihn damit zu kaschern, so genügt dieses nicht. Die glühenden Kohlen müfien über die ganze Ofenfläche ausgebreitet werden. (Bei neueren Heizeinrichtungen mit Steinkohlen, die nur an den Seiten des Bodenfläche des Ofens brennen, dre mittleren Theile des Ofens aber niemals berühren, ist das Kaschern des Ofens durch Holz resp. Holzkohlen vorzunehmen, welche über die ganze Ofenfläche gestreut werden.) § 23. Beim Einschießen der Mazzos in den Ofen ist darauf zu achten, baß die Mazzo keine Falten schlägt und einzelne Theile derselben aufeinander zu liegen kommen; da solche doppelt zusammengelegte Stücke Chomez sind. — Auch soll nicht eine Mazzo die andere beim Backen berühren. Ebenso sind aufgeblasene Mazzos Chomez. Es ist ferner darauf zu achten, daß keine Mazzo aus dem Ofen genommen wird, bevor sie vollständig ausgebacken ist. § 24. Wenn sich im Teige ein Körnchen Pfeffer, Salz oder Kalk eingeknetet findet, so ist derselbe für Mazzo verboten. Finden sich die erwähnten Beimischungen nur an der Außenseite so genügt es sie zu entfernen. Dasselbe gilt von einem WeizenkorN, das mit dem Teige eingeknetet wurde. — Um^derartigen Vorkommnissen vorzubeugen ist es üblich das Mehl vor dem Gebrauche zu sieben. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. R Gietzen. Der Verband deutscher Kriegs- Veteranen zu Leipzig hat den Commerzienrath und Vorstand der hiesigen israel. Gemeinde, Herr S. Heichelheim wegen seiner hochherzigen Gabe von M. 20,000 an die Veteranen der hiesigen Stadt zu seinem Ehrenmitglieds ernannt. R. Heldenbergen. (Oberhessen.) Trotz des Antisemitismus, der sich in unserer Gegend so breit macht, ist Herr Strauß, auch diesmal wieder in den G e m e i n d e r a t h gewählt worden. Berlin, 25. Jan. (Wieder einmal ein antisemitisches Organ weniger!) Der Abgeordnete der deutschsozialen Reformpartei Dr. Paul Förster erläßt folgende Erklärung: „Die Zeitung „Frei-Deutschlanv" ist aus dem Verlage einer Gesellschaft m. b. H., die aus Parteigenoffen bestand, in die Hand eines einzelnen Besitzers übergegangen, der nicht verpflichtet ist, sie im Sinne unserer Grundsätze und Forderungen fortzuführen; die Zeitung darf sich also nicht mehr mit Fug und Recht als unser „Parteiblatt" ausgeben. Aus diesem Grunde habe ich auch untersagt, daß mein Name als der des „Begründers" der Zeitung fernerhin im Kopfe der Zeitung geführt werde; und wenn er dort weiter stehen sollte, so geschieht das durch Mißbrauch." München, 28. Jan. Ein Münchener Blatt, das stark in Antisemitismus macht, deffen Hauptredakteure als enragirte Antisemiten viel von sich reden gemacht haben, bringt heute eine Kritik der Vorgänge im antisemitischen Lager, in der es heißt: „Der vom Kartographen Ludwig Wenng (dem Führer der hiesigen Antisemiten) ins Leben gerufene „Volksbund" scheint so sehr ein Bund ohne Volk gewesen zu sein, daß sein Gründer es für nöthig befunden hat, ihm jetzt einen neuen Namen zu geben und in „Bayerische Reformpartei" umzutaufen. Die Art und Weise, wie die nun wieder schlafengehende antisemitische Bewegung in München von einzelnen Personen zu rein persönlichen Zwecken ausgebeutet worden ist, hat bei selbstloseren Antisemiten eine Verstimmung hervorgerufen, welche zunächst-in ZUkückhalttmtz sich kundgab und selbst einen fküheren Antisemitenführer zu dem Ausspruche veranlaßte, daß gewisse Geschäfts- Antisemiten weit schlimmer und ausbeuterischer seien, als die von ihnen bekämpfen Juden; mindestens

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