Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 9 (30.1.1896)
- Date
- 1896-01-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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179 Jahres immer und überall wo die gemeinsam strebenden Genossen einen Abschnitt der schriftlich fixirten mündlichen Thora beendigt habe». Aber auch diese schließen ihren beendigten Traktat nicht ohne sofort den neuen zu beginnen, ohne es sich freudig zuzurufen, sie sähen das nun Gelernte n'cht als ein oxu8 operatum an, sondern ynn p"in sie kehren wieder und wieder zu dem Gelernten zurück, um sich immer mehr und mehr in dasselbe zu vertiefen. Und nicht nur beim Lernen, auch bei der Verwirklichung des Gelernten und in den zu diesem Zweck gegründeten Vereinen fehlte dieser freudige Grundzug nicht. Da gab es keine Chebra, welche nicht statutengemäß sich alljährlich zu einem Festmahle versammelte. Je ernster die Zwecke und Ziele der Chebra waren, um so weniger konnte sie auf diese Freude verzichten. Deßhalb durfte jenes Bindemittel nicht fehlen, welches die Menschen frei und leicht und freudig bindet, die gesellige Freude, welche bet dem alljährlichen Festmahle zur Geltung kam. Sie wußten, daß es keinen fester» Kitt zur innigen Verbindung von Menschen gibt, als gemeinsame Freude. Das, was sonst der Ernst des Lebens zusammenführt, erhält durch diese freudige Geselligkeit erst seine Besiegelung. — Wenn daher die alten Chebroth für jede Unterlassung einer Pflicht ihren Mitgliedern Geldstrafen auferlegten, so bestimmten sie die höchste Strafe für denjenigen, welcher sich nicht an dem Chebra-Mahle betheiltgte. Auch hier wird dieses Moment heutzutage vielfach verkannt und unterschätzt, gewiß nicht zum Vortheil der Chebroth. Ein d.>s ganze jüdische Leben so tiefdurchdringender Grundzug, kann nicht ohne Gefahr verkannt und beseitigt werden. Er wacht sich mit derselben Bedeutsamkeit bei dem Aleph-Beth-Schützen und seinen Leckerbissen geltend, wie er bei den gesetzien Männern zum Ausdruck kommt, die sonst dem Tode ins Auge blicken, aber dennoch die gesellige Freude Pflegen, die sie in heiterem Frohsinn verbrüdert. Es gibt wohl keine größere npnu, als die, welche derjenige übt, der Kinder mit dem Geiste unserer Thora tränkt. Aber npnan \-x nur -ION *b^ der Lohn jeder Zedaka wird durch die Liebe bedingt, mit der sie geübt wird. Es gibt keinen größeren Gottesdienst als denjenigen, welchen der Lehrer vollzieht, der Schüler um sich sammelt, um sie für die Thora zu gewinnen. Aber wer diesen Dienst nicht mit Freude übt, der verfällt der strafenden Mahnung, die sich gegen jeden richtet nncua 'n dn map xb uw nnn, der Gott dient, ihm aber nicht mit Freude dient. Unserer ernsten, kalten Zeitrichtung thut diese Liebe und diese Freude doppelt noth. Der heraufziehende Strahl der verjüngenden Chamifcho- Osor-Sonne ist im hohem Grade geeignet dieses Bewußtsein zu wecken und auf seine Verwirklichung zu dringen bis sich das Wort bewahrheitet, daß Jakob neue Wurzeln, neue Blüthen und Blumen Israel verheißt, die mit ihrem Ertrag die ganze Menschenwelt füllen. Zeitsmg-uachrichteu stufe Ikorrespoufeeuzeu Oester r.-Ungar. Monarchie. Budapest, 28. Jan. Eine Deputation der Distrikts-Präsidenten hat dieser Tage unter der Führung des Herrn Martin Schweiger dem Kultus- und Unterrichtsminister Dr. Wlassics und dem Ministerpräsidenten Grafen Banffy die Denkschrift eines Landeskongresses der Israeliten, welche am 6. M. festgestellt wurde, überreicht. Sowohl der Ressort Minister als auch der Chef der Regierung erklärten principiell ihre wärmsten Sympathien für die Bestrebungen der ungarischen Judenheit, die Autonomie ihrer nunmehr staatlich anerkannten Religion zu organisiren und zu sichern, versprachen auch die Unterstützung Seitens der Regierung, betonten aber zugleich die unbedingte Nothwendigkeit, daß das Werk unter gewissenhaftester Schonung aller religiösen Anschauungen durchgeführt werden müsse. Der Unterrichtsminister Dr. Julius Wlassics sagte: „Bor Allem erkläre ich, daß ich die Eingabe der Versammlung der israelitischen Distriktsprästdenten zum Gegenstand des Studiums machen und das Resultat meiner Studien Ihnen seinerzeit mittheilen werde. Ich halte nichts für natürlicher, als daß, nachdem die israelitische Religion rec pirt ist, die Anhänger dieser Religion deren Autonomie zu organisiren und zu sichern bemüht sind. Diesem Streben stimmt natürlich auch die Regierung zu; dabei aber kann ich nicht umhin, zwei Gesichtspunkte Ihrer werthen Aufmerksamkeit zu empfehlen. Der eine ist, daß die Einberufung eines CongreffeS für sich allein noch nicht den Erfolg der Autonomie bedeutet. Auch auf anderem Gebiete haben Congreffe stattgefunven und deren Ergebniß wurde nicht das Zustandekommen einer lebensfähigen Autonomie. Ich bin daher der individuellen Ansicht, daß gewisse Vorbereitungen dazu nothwendig sind, damit eine solche Autonomie zustande komme, welche die verschiedenen Interessen befriedigt. (Zustimmung). Und ich füge hinzu, daß ich das Millenniumsjahr zur Einberufung des Congresses nicht für geeignet halte, denn dieses Jahr nimmt die allgemeine Aufmerksamkeit in anderer Richtung sehr in Anspruch; deshalb würde ich eine so bedeutende Frage nicht im Millenniumsjahr verhandeln, umsoweniger lösen. Der zweite Gesichtspunkt, den ich Ihnen, meine Herren, angelegentlichst empfehle und auf welchen auch der geehrte Herr Redner reflectirt hat, ist der, daß, sowie Sie den Octroi nicht wünschen, ja sich direct gegen denselben aussprechen, so erkläre ich auch auf das Entschiedenste, daß die Regierung in dieser Hinsicht keinerlei Zwang auszuüben