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Der Israelit · 1896-01-30 · Heft 9 (30.1.1896) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 9 (30.1.1896)
Date
1896-01-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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■ '■ ->t-v rnmmmmmrnm 180 wünscht und sich in die confesstonellen oder liturgischen Differenzen der CultuSgemeinden verschiedener Schattirung nicht einmengen will. Ist doch gerade das Gesetz über die freie R^ligionsübung uud überhaupt die vollständig liberale Auffassung der Regierung die größte Garantie dafür, daß der Staat und seine Organe in religiösen Dingen keinerlei Zwang oder Octroi auszuüben wünsche. (Zustimmung) Wir wollen immer vor Augen halten, daß die Gewissen» freiheit nicht die geringste Einbuße erleide; dies kann die Aufgabe keiner Regierung sein, am wenigsten aber die einer liberalen Regierung, welche ihren Stolz darein setzt, an der Schaffung dieser l beralen Gesetze mitgewirkt zu haben (Eljenrufe). Ich kann es nicht unterlassen, meine wärmste Aner kennung dafür auszudrücken, daß Sie, indem Sie sich anläßlich der Reception versammelten, es für Ihre erste angenehme Pflicht hielten, einen öffentlichen Fond zu schaffen zur Pflege und Entwicklung des nationalen Geistes. Es ist dies eine That, die würdig Ihrer ist, würdig der Ver gangenheit, in welcher Sie stets so treu an dem Vaterlande hingen, und dies auch in Thaten offenbarten. In dieser Richtung wollen Sie, ich bitte. Ihre Thätigkeit fortsetzen und ich hoffe, daß, wenn eS vielleicht noch hie und da Solche gibt, die das ReceptionSgesetz mit Mißtrauen ausgenommen haben, in Hinkunft auch Jene es mit eben solcher Freude ausnehmen werden, mit welcher Freude ich daran theilgenommen habe, daß dieses Gesetz geschaffen wurde. (Leb hafte Zustimmung.) Ministerpräsident Baron Vanffy crwiederte auf eine Ansprache Folgendes: Sehr geehrte Herren! Als die Regierung einen Haupt- und ich kann sagen, den entschieden ergänzenden Theil der kirchenpolitischen Kämpfe und Schöpfungen, die Reception der Israeliten, in ihr Programm aufnahm und als sie die Verwirklichung der Reception durchführte, hat sie — so glau&e ich — eine Pflicht erfüllt. Sie erfüllte eine Pflicht, als sie jene Bewohner des Vaterlandes in die Reihe der recipirten Confessionen aufnahm, die seit langer Zeit und namentlich in neuester Zeit ihr gesellschaftliches und öffentliches Leben in vollständig nationaler, patriotischer Weise umgestaltet hatten und es mit Recht fordern konnten, daß man sie im Vaterlande als vollkommen gleich anerkenne, als gute Patrioten, als solche, welche die Interessen des Vaterlandes am Herzen tragen, mit den übrigen Confessionen. Und ich glaube, daß eS so ist, wie eS Ihr geehrter Herr Redner sagte, daß die Angehörigen dieser Confesfion in Ungarn heute weder das Gravitiren nach auswärts noch die kosmopolitische Richtung leitet. So habe ich es gefunden und ich hoffe, daß es auch in der Zukunft so sein wird, daß Sie mit uns Urmagyaren zusammen fühlen, zusammen denken und das Vaterland zusammen lieben; und dann ist eS eine natürliche Sache, wenn der Staat und die leitenden Kreise — mit Stolz sage ich eS, daß auch ich daran mitgewirkt habe — ein alter Pflichtversäumniß gut gemacht haben, womit sie nur der Gerechtigkeit Genüge leisteten. (Eljenrufe.) Indem jetzt diese Confessionen als solche, die nunmehr zu den recipirten Confessionen gehört, wie dies auch richtig und nothwendig ist, durch eine gehörige Organisation jenes Verhältniß festzustellen wünscht, welches sie an den Staat und auch an die Krone knüpfen muß, bin auch ich der Meinung, daß man sich hiemit beschäftigen muß, und daß man sich mit Rücksicht auf die Zeit und auf die Umstände mit Umsicht mit dieser Frage befassen mutz. Die Regierung wird eS für ihre Pflicht erachten, auf .Grund des Memorandums, das Sie beim Herrn Cultusminister als der kompetenten Stelle eingereicht haben, sich mit dieser Pflicht zu befassen und zu deren Lösung ihre Unterstützung zu bieten, so daß bei berechtigter Ausgleichung der Interessen die Organisation zustande komme und diese Organisation weder mit dem Staate noch auch mit möglichen GefühlSconflicten in Colliston geraihe. Wollen Sie überzeugt fein, daß mich das volle Wohlwollen, die volle Achtung und Werthschätzung leiten werden, und daß die Regierung Ihre Wünsche, insoweit sie terechtigt sind, unterstützen wird. Eines aber wollen Sie gestatten» daß wir die Frage mit Umsicht, mit Rücksichtnahme der Zeit und der Verhältniffe zum Gegenstand der Erwägung machen und uns innerhalb dieser Schranken mit derselben befassen. (Lebhafte Eljenrufe). Prrffburg, 28. Jan. Vor einigen Tagen gründete sich hier da Verein unter der „Bachurtn" der hiesigen „Jeschiwa" mit dem Zweck, allwöchentlich eine „Charifuß"- und Megidus-Rede" zu halten. Die Zahl des Vereines ist gegenwärtig noch nicht groß, nur bloß 19 Mitglieder, aber es ist zu hoffen, daß die begabtesten „Bachurim" sich anschließen werden, wie schon einige eS thaten. Schweiz. Bern. Der hiesige „Bund" schreibt: „In letzter Zeit will sich der Antisemitismus bei uns regen; auf unfern Redactionstisch flattert ein kleines Fetzchen Papier, auf dem eine sogenannte „Verbrechen- Statistik" steht, die — nicht etwa die Verbrechen — sondern die Anklagen auf die Conffssionen vertheilt und herausfindet, daß die Katholiken procentual verbrecherischer angelegt sind, als die Evangelischen, die Juden aber wahre Scheusale von Delinquenten. Woher dieser Statistik kommt, aus welchem Lande, wie die Gruppirung vorgenommen ist u. s. w. verschweigt das Blättchen sorgfältig. Es wird uns aber versichert — und das veranlaßt uns, die Sache niedriger zu hangen — daß diese „Statistik" von Herisau aus in Tausenden von Exemplaren verbreitet werde. Wir glauben zwar nicht, daß bei dem Bildungsniveau unserer Bevölkerung diese plumpe, aus Norddeutschland tmporttrte Agitation Erfolg haben wird; es liegt aber im Interesse der El Haltung des confesstonellen Friedens auch den Anfängen zu wehren; wir bitten deßhalb alle, an die solche Machwerke gelangen, uns davon Mitcheilung zu machen und womöglich den Absender zu nennen. Im Lichte der O^ffentlichkeit wird man die Gesellen bald erkennen, die dahinter stecken." > Vermischtes. < Mainz, 26. Januar. Bei dem am vorigen Sonntag stattgehabten Festesten der 'Dil p"n nahm Herr Siegmund Moritz Gelegenheit, in schwunghafter Rede das Wirken des sel. Herrn Selig Goldschmidt in Frankfurt a. M. zu schildern und wie er namentlich trotz seiner hohen Stellung die riQN 'fi? n"J nuJD so treu üble. Die Festgenoffen erhoben sich zum Andenken an diesen Mann von ihren Plätzen.

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