Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 9 (30.1.1896)
- Date
- 1896-01-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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173 dte Freiheitskriege in Amerika hin, wo auf beiden Seiten viele jüdische hohe Befehlshaber standen, aus Italien, wo die jüdischen Offiziere l°/o derselben im Heere bilden u. s. w. Berlin, 26. Jan. Durch einen Pistolenschuß in die rechte Seite schwer verletzt wurde der Gerichtsaffessor Wollstein aus Nakel in die hiesige Professor v. Bergmännische Klinik eingeliefert. Wollstein hat die Verwundung in einem Duell erhalten, welches er mit dem Rittergutsbesitzer Ritter aus Gregau im Potulitzer Walde bei Nakel ausgefochten hat. Ritter blieb unverletzt. Ueber die Veranlasiung des Zweikampfes wird Folgendes gemeldet: Anläßlich der Reichs-Jubiläumsfeier fand im Hotel du Nord zu Nakel ein Festesten statt, an welchem auch dte beiden Duellanten theilnahmen. Im Laufe des Gesprächs ließ sich nun Ritter zu der Aeußerung hinretßen daß sein vom Amtsgericht Nakel wegen einer Übertretung zu drei Tagen verurtheilter Knecht diese Strafe nicht erhalten hätte, wenn den Vorsitz in jener Gerichtsverhandlung nicht ein Jude, nämlich Wöllstein, geführt hätte. Als bald darauf sich beide Herren zufälligerweise in einem Nebenzimmer trafen versetzte W. seinem Gegner eine Ohrfeige, welche von Letzterem erwidert wurde, worauf der Assessor vom Rittergutsbesitzer eine Forderung auf Pistolen erhielt. Trotzdem das Befinden des Verletzten ein sehr kritisches ist, hoffen die Aerzte dennoch, ihn am Leben erhalten zu können. Karlsruhe. 26. Januar. Im Badischen Landtage berichtete Namens der Petitionskommission Hofrath Dr. R ümelin über die Bitte des deutschsozialen Reformvereins Mannheim und mehrerer Einwohner von Heidelberg und Hopfenheim um Uebersktzung des Schulchan Aruch. Der Berichterstatter wies darauf hin, daß schon auf dem letzten Landtage daS Haus sich mit dieser Petition beschäftigt habe. Sie habe daher seinen Grund gehabt, auf dieselbe nochmals einzugehen und sie stelle daher den Antrag über die Petition zur Tagesordnung überzugehen. Der Antrag wurde ohne Debatte angenommen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie», 26. Jan. Zum zweitenmal innerhalb weniger Tage haben wir Aeußerungen unseres Kaisers zu verzeichnen, deren Tendenz den Umschwung veranschaulicht, der seit dem Regierungsantritt des Grafen Bad ent langsam aber stetig, sich konstatiren läßt. Nachdem schon durch die Ntchtbestätigung Luegers zum Bürgermeister von Wien die Richtung klar gekennzeichnet ward, welche Badent zum Wohle der Völker Oesterreichs etnzuschlagen gedenkt, folgte die Auflösung des GemeinderatheS, dann längere Pause, bis letzten Mittwoch die bereits bekannte Ansprache des Monarchen an das Präsidium deS Balles zu Gunsten des Schulvereines der Beamtentöchter allgemein als die Verurthetlung deS Antisemitismus angesehen wird, und auch bei dem gestern in den Räumen unseres Rathhauses abgehaltenen Ball der Stadt Wien waren eS wieder die Worte des Kaisers, die allenthalben für «»S günstig gedeutet werden. Nach erfolgter Vorstellung des ehemaligen liberalen GemeinderatheS Dr. Proksch sagte der Monarch: „Sie haben lange dem Gemeinderathe angehört, hoffentlich werden wir bald wieder einen Gemeinderath bekommen, aber einer, der etwas leistet." Wie diese Aeußerung zu verstehen ist, kann doch keinem Zweifel unterliegen. Seit ca. 8 Jahren, noch unter dem Regime Prix, dann unter Grübl, harten wir nur Skandale zu verzeichnen, dte dte Antisemiten unter dem Gejohle ihrer Parteigenosten inscenirten, von ruhiger, sachgemäßer, dem eigentlichen Zwecke dienender Arbeit keine Spur, nur Verdächtigungen und Verunglimpfung. Nun sagt der Kaiser selbst, daß es schon Zeit wäre, wenn wieder gearbeitet werden würde, also, daß die Antisemiten ihre Radaugelüste nicht mehr zur Schau tragen dürften. Daß die Worte des Monarchen seitens der antisemitischen Presse entstellt wieder gegeben und die Bedeutung derselben auch anders zurecht gelegt wird, ändert au der Thatfache selbst nicht. Auch dem Landmarschall, Fürst Abensperg- Traun, bekanntlich Vorsitzender bei den Landtags- Verhandlungen, erklärte der Kaiser, daß er „sehr viel Mühe habe", das heißt, daß es dem Landmarschall schwer falle, gegen diese Hetzer aufzukommen, da keine Sitzung ohne Spektakel verläuft. Zum Besuche des Balles sei bemerkt, daß der Führer Dr. Lueger in einer Freitag äbgehaltenen Antisemiten-Vrrsammlung unter frenetischem Beifall seiner Genoffen bemerkte, daß kein anständiger Mensch den Ball besuchen wird; tags darauf fanden sich sämmtliche Würdenträger, mit Ausnahme der Geistlichkeit im Rathhaufe ein, um Zeugen eines großartigen Festes zu sein! Den Aerger, welchen die Gegner bekunden, ist ein außerordentlicher, der Anfang vom Ende ihrer Herrlichkeit scheint nahe bevorstehend, denn wenn „von obengegen sie, die Taaffe durch 14 Jahre gewähren ließ, vorgegangen wird, dann sind sie wohl bald ein Häuflein Schutt und Asche l Emil Jelinck. Prag, 20. Januar. Der Prager Antisemitismus hat sich heute im Prager Landtag zum Worte gemeldet. Aber so geneigt und bereit sich die Landtagsvertretung gezeigt hat, gegen die von den Abgeordneten Herren Gebier und Iro besprochenen, die Landwtrthschaft schädigenden Ein-