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Der Israelit · 1896-01-30 · Heft 9 (30.1.1896) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 9 (30.1.1896)
Date
1896-01-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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170 «eten B y l dafür, daß er ihre Rechte so tapfer und muthig vertheidigt hatte, bereitete ihm bet seiner Ankunft in die Heimath große Ovationen, veranstaltete in mehreren Städten Bankette, bei denen man aß und trank, und toastete auf den Polenclub, aus den Dr. Byk, auf die polnische Gastfreundschaft und Toleranz, auf die gegenseitige Verbrüderung, alles war eitel Freude und Jubel. Hurrah! Es gab schon damals einige „klüzer sein wollende" Leute, die behaupteten, das Ganze sei purer Schwindel, das neue Gesetz sei viel schlimmer für die Juden, wie das frühere. Denn während bisher den Juden der ganze Sonntag Vormittag zur Arbüt blieb, sollte es ihnen fortan verwehrt sein, am ganzen Vormittag zu arbeiten, sie durften nur zwei Stundm ihrem Gewerbe nachgehen, dagegen wären die 3 Nachmittagsstunden nichts nütze, denn man hätte sich gewöhnt, zu dieser Zeit seinen Vergnügungen nachzugehen und das Publikum dächte nicht daran, in diesen Stunden Einkäufe zu besorgen. Außerdem verursacht die Unterbrechung eine Zersplitterung, welche eine gedeihliche, nutzbringende Arbeit unmöglich macht. So wurde die ganze „Begünstigung" nicht nur illusorisch, sondern verwandelte sich in eine harte Beschränkung. Natürlich traf diese Beschränkung am härtesten die Aermstcn der Armen, denn die reichen Kaufleute oder Großhändler haben thcils einen festen Kundenkreis, thetls besitzen sie überhaupt keine öffentlichen Handlungen, können also ganz leicht die Bffchränkungen ertragen — Gottlob nur sehr wenigen, feigen, geldgierigen Renegaten, war das neue Gesetz ein willkommener Vorwand, um sich von der bis dahin aus Scham beobachteten Sabbathruhe zu emanziptren. Man donnert und wettert md zieht los gegen die „Großjuden" und erzählt mit scheinheiliger Miene, daß man dem arbeitsamen, redlichen Juden wohlwolle, und nun fabricirt man ein- Gesetz, welches eben diesen arbeitsamen, redlichen Juden mitten ins Herz trifft und ihm die Lebensadern uurerbindet. Der reiche, auch geschäftsti erbende Jude kann den Ausfall eines zweiten Arbeitstages in der Woche leicht verwinden, nicht so aber der Handwerker, die Hökerin oder der Kleinhändler, bei dem der Gewinnst des einen Tages Mrift den Lebensunterhalt für den nächstkommenden bedeutet. Diese Klaffe von Gewerbetreibenden und Handwerkern ist durch das neue Gesetz dem unentrinnbaren Ruin anheimge^eben. Der ganze Segen dieses Fahr kats unserer Legislatoren zeigte sich handgre.stich, als dasselbe ins Leben trat. Da gab es Jammern und Wehklagen von allen Seiten. Aber vergebens, denn diesmal hatten uns unsere „bewährten Führer" einen gründlichen „Retnfall" denket. Das Gesetz war einmal da, die Handhabung desselben war den administrativen Landesbehörden, d. h. der Statthalterei in Lemberg überlassen. Nun galt es für die Juden wenigstens den Status quo ante zurück zu erobern und die Härten der neuen Fassung des Ges.tzes aufzuheben, will sagen, daß ihnen gestattet werde, jetzt so wte früher, ihre Handlungen und Werkstätten den ganzen Sonntag Vormittag geöffnet zu haben. Zur Zeit deS seligen Concordats durften die Juden, mit Ausnahme der dem christlichen Gottesdienst gewidmeten Stunden an Sonn- und Feiertagen ungehindert arbeiten, in Rußland besteht auch keine andere Vorschrift, und in unserem eonstitut'onellen und parlamentarischen Oesterreich sollten doch wenigstens keine härteren Gesetze gemacht werden. Man berief Versammlungen und das Resultat war, daß man eine Petition an die Statthalterei und an das Ministerium des Innern überreichte, mit der Bitte, die fretgegebenen Stunden auf den Vormittag zu verlegen. Dieser Petition schloffen sich auch viele christliche Kaufleute an, mit der deutlichen Motivirung, daß ihnen die bisherige Berthetlung der Arbeitsstunden ebenso unbequem wie den Juden sei. Diese Behörden forderten nun von den Handelskammern und Gemeindebehörden Gutachten ab. Vor einigen Tagen war nun der diesbezügliche Antrag in der Gewerbesektton des Lemberger Gemeindcraths Gegenstand der Verhandlung im Plenum, und da kamen Dinge zum Vorschein, die man hier ftsthaltcn und der Nachwelt überliefern muß. Früher schon war in der Stadt eine rege Agitation gegen den Sectionsantrag, der günstig für die Juden lautete, etngeleitet worden. Im Plenum kam es zu heftigem Wortwechsel. Drei Gemeinderäthe, darunter zwei, die auch Abgeordnete sind, nur mit Hilfe der Juden den Sieg über ihre Gegenkandidaten errangen und im Retchsrath die Toleranz der Polen am lautesten gepriesen hatten, waren jetzt gegen den Antrag. Sehr lehrreich und charakteristisch waren die Worte drs Prof. Ptentak. Zwei Jahre zuvor, als er zum Reichsratbe kandidirte, da schnorrten er und seine Parteigenoffen bet den Juden um ihre 1500 Stimmen, da versicherte er hoch und heilig, daß in Staatssachen es für ihn keinen Unterschied d-r Coriftssion gebe, daß er auf dem Standpunkt der vollen, uneingeschränkten Gleichberechtigung stehe. Und nun erinnerte er sich plötzlich, daß wir in einem katholischen Staate leben, und daß die Gesetze zum Schutze der katholischen Religion gemacht werden müßten. Mit Recht erinnerten die Abg. Byk und Goldmann daran, daß tm Abgeordnetenhause während dcr Debatte, sowohl der Handelsminifter als der Referent mit Nachdruck betonten, das Gesetz verfolge lediglich einen soeialpolitischeu Zweck, nämlich den Angestellten der verschiedenen Gewerbe einen Ruhetag in der Woche zu

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