Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1896)
- Date
- 1896-01-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448608-2448617--41170-2490115- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
162 die ersten oder letzten Feiertage nicht zu Haus sein könne, wies mich dieser mit dem Bemerken ab, daß eS ein längerer Urlaub als 8 Tage nicht gebe, und ich als fast noch Rtkrut gewiß damit genug hätte. Ich bat um Erlaubniß zu meinem Escadron- Ches gehen zu dürfen, was der Wachtmeister, mit dem Bemerken, daß ich gewiß schief ankommen könne, gestattete. Ich trug nun meinem Rittmeister mem Aul, gen vor und erhielt sofort 2 Tage Urlaubsveiiängerung, indem er mir sagte: „Sie haben Recht getyan, mich darauf aufmerksam zu machen, ich will nicht haben, daß Sie Ihre religiösen Vorschriften übertreten." So könnte ich noch viele Beweise dieses edlen Vorgesetzten aufzählen. Es läßt sich da leicht erklären, daß man unter der Führung eines solchen Vorgesetzten, mit ruhigem Blute den Schlünden feindlicher Kanonen entgegen ging, wenn ein solch edler Offizier an der Spitze seiner ELcadron den feindlichen Kürassieren und Ulanen, wie bei Wörth und Sedan entgegenstürmt, keiner seiner Husaren Zurückbleiben will, ja selbst jeder seiner Leute freudig das Leben aufs Spiel setzt, wenn es gilt den Befehl seines tapferen Rittmeisters auszuführen oder gar dessen bedrohtes Leben zu schützen. Ebenso erklärlich ist eS aber auch, daß, als ich am 19. d. Mts. von der abermaligen hohen Auszeichnung meines früheren Escadrons - Chef Kerintniß erhielt, ich es nicht unterlassen konnte, meine Freude durch ein kurzgefaßtes Gratulattonsschretben an denselben — jetzt Sr. Excellenz den General- Lieutenant v. Schnackenberg — zu richten. Heute erhalte ich folgendes Schreiben: Hannover, 21. 1. 96. Geehrter Herr Grünebaum! Ew. Wohlgeboren sage ich für die so liebenswürdige Gratulation meinen verbindlichsten Dank. Es hat mich gerührt, daß Sie nach 25 Jahren sich meiner noch erinnern und freudigen Antheil an dieser meiner Auszeichnung nehmen. — Daß dieselbe mir jetzt von Sr. Majestät zu Theil geworden, habe ich nur dem Umstand zu verdanken, daß es mir im Kriege 70/71 vergönnt war einer Escadron vorzustehen, deren Mannschaften sich sämmtlich durch ihre Tüchtigkeit, Hingabe und Tapferkeit auszeichneten, und die stets unverzagt und mit freudigem Herzen ihren Vorgesetzten folgten. — In dankbarer Erinnerung verbleibe ich Ew. Wohlgeboren ergebener v. Schnackend erg. Vielleicht findet die Anregung Beifall, diesem wcckeren jüdischen Husaren, der während seiner Theilnahme an den großen Kämpfen durch sein stets corrcct jüdisches Verhalten so großen Kiddusch Haschem verursachte, eine aus jüdischen Kreisen gestiftete Ehrengabe zu überreichen. Red. d. „Jsr." Literarische Umschau. 3’ru iV Lichtstrahlen über den Prediger Salomo von Rabbiner E. Roller zu Barr i. E. Krakau 1 895. Druck von I. Fischer. Selbstverlag des Verfassers. Auf keinem Gebiete der Wissenschaft tritt dem Forscher eine größere Fülle von Hypothesen und Phantasien entgegen als auf dem Gebiete der Bibelexegese. Des Forschers Geist bewegt sich da auf dem schwankenden Boden scharfsinniger Hypothesen, sinnloser Phantasien und kühner Behauptungen, so daß er, da er ein Problem von hohem Alter zu untersuchen strebt, dem einen oder dem anderen Jrrlichte zum Opfer fallen muß, wenn er es nicht versteht die Nüchternheit und den klaren Blick des Denkers sich zu erhalten, was ihn allerdings selten über das Resultat einer Negation führt. Die beste Ausrüstung für eine solche Untersuchung ist die Midrasch- und Targumliteratur sowie die verstreuten Notizen über den zu erforschenden Gegenstand im Talmud, die weil sie von der Zeit des zu behandelnden Stoffes weniger entfernt sind als wir, uns manche wahrhafte Aufschlüsse gewähren können. Zu Gunsten des Verfassers vorliegenden Merkchens müssen wir annehmen, daß er sich nur oberflächlich mit dieser Literatur befaßt habe, wenn wir ihn nicht beschuldigen wollen, daß er in seiner Eitelkeit und in seinem Größenwahn diese ignorirt hat, um die darin enthaltenen Wahrheiten und Schönheiten wörtlich abzuschreiben und es als seine Erfindung darzustellen. Der Verfasser rühmt sich, daß 2692 Jahre sich alle Helden der Wissenschaft vergeblich bemüht hätten, den Schleier von diesem räthselhaften Koheleth-Buche zu lüften. Es gelang ihnen nicht. Anknüpfend an das Kohelethwort rnn psn bjb pj/i pi bib glaubt der Verfasser, daß jetzt die Zeit des Geheimnisses obgelaufen und die Zeit der Offenbarung eingetreten sei, weil er den Schlüssel zur Lösung dieses Problems gefunden habe. 2692 Jahre mußte die Welt in athemloser Spannung auf die Geburt dieses Mannes warten, dem es von der Vorsehung bestimmt war den Triumph über alle Weisen und alle Forscher zu feiern. Ist es Wunder, daß wir voller Spannung an die Lekiüre des Buches herantreten? Wir achten nicht auf die mangelhafte Sprachbildung, auf die holprigen Sätze; denn es gilt ja die Lösung eines Räthsels. Wir durcheilen mit fieberhafter Hast das Buch, um die Lichtstrahlen, die der Roller'sche Geist ausftrömt, aufzufangen. Aber welche Enttäuschung! .... Der Schlüssel zu diesem Problem, welchen der Verfasser in überschwänglicher Sprache so sehr rühmt,