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Der Israelit · 1896-01-27 · Heft 8 (27.1.1896) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 8 (27.1.1896)
Date
1896-01-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXYH. Jahrgang. Beilage jit M 8 des „Israelit“. $ e tt * 11 c t 9 *. Wor 25 Jahren. Erinnerungen eines allen jüdischen Husaren, Fulda, 22. Januar. Vor einigen Tagen berichteten die Zeitungen: „2lm 12. Januar erhielt ein ehemals Kurhesfischer Offizier, der General-Lieutenant z. D. v. Sch nackenberg von Sr. Majestät folgendes Telegramm: „An der Spitze der 4. EScadron hessischer Husaren erwarben Sie sich im Zuge an der Loire dar Eiserne Kreuz I. Klaffe. An dem heutigen Gedenktage der Einnahme von Le ManS erinnere Ich Mich Ihrer dankbar und verleihe Ihnen hierdurch den Stern zum Rothen Adlerorden II. Klaffe mit Eichenlaub." Es ist unzwerfelhafr, daß diese Nachricht einen jeden Husaren, welcher während des Feldzuges 1870/71 der IV. Escadron angehörte, mit Freude und Stolz erfüllte. Als mir dieser Tage 2 alte Schwadrons-Kameraden begegneten, war deren erstes Wort: „Weißt Du schon, daß unser lieber Schorsch (Georg ist der Vorname unseres alten Rittmeisters) wieder so ausgezeichnet wurde?" Ich hatte ganz besonders Grund mich innig über die Auszeichnung dieses edlen und gerechten Offiziers zu freuen und will um dies zu illustrire», nur einige der vielen mir gegebenen Beweise seines Edelmuthes aufzählen. Ich war vom Herbst 1868 an bis nach beendetem Feldzuge der einzige Jude bet der 4. Escadron des l. Hess. Husaren-Regiments Nr. 13. Es läßt sich leicht beurtheilen, daß es wohl einem jeden ’*nn* und gewiß einem >did wehe thut am 'p na» Pferde putzen und reiten zu müssen. So mag wohl mein Gesicht einen traurigen Ausdruck gehabt haben, als ich am ersten na» meiner Dienstzeit, mit Kartätsche und Striegel ausgerüstet das Pferdeputzen, welches ich die vorhergegangenen Tage freudig that, beginnen mußte. Mein Unteroffizier Aal (ein Lehrers-Sohn aus Ostpreußen), der schon 1866 bei Königgrätz mitgekämpft — ein braver, gebildeter Mensch, — mag wohl die zum erstenmal während meiner kurzen Dienstzeit traurige Miene und auch die Thränen, die ich nicht unterdrücken konnte, gesehen haben, rief mich aus dem Stall und bcfrug mich nach dem Grund meiner Mißstimmung. Ich sagte ihm den wahren Grund und frug, ob es mir nicht gestattet werden könnte, am Samstag mein Pferd, Reithose rc. rc. putzen zu lassen, ich wolle es gerne bezahlen. Unteroffizier Aal frug einen Husaren älteren Jahrgangs, ob er es mit übernehmen wolle und gestatte es mir vorläufig. Es kostete mich pro na» 5 Silbergroschen. Da mich jedoch das a»a Mittags- und Abend-Essen viel Geld kostete, aber auch außer diesen Mahlzeiten so ein immer hungriger Husaren-Magen, das zu rapide Schwinden der ohnehin bei mir nicht überfüllt gewesenen Casse verursacht, so suchte ich, gewöhnlich an Sonntag durch von anderen Husaren freiwillig übernommene Stallwachen die 5 Silbergroschen wieder zu verdienen. So trieb ich es 5 Wochen lang ohne zn ahnen, daß mein Rittmeister Kenntniß davon habe. Am darauffolgenden Sonntag nach beendigtem Appell rief mich mein Escadron-Chef zu sich und stellte die Frage, aus welchem Grunde ich am Samstag mein Pferd putzen lasse. Ich gab den Grund unverblüfft an und bat um Verzeihung, wenn dies nicht gestattet sein solle. Aus die weitere Frage, ob ich denn so viel Geld hätte, um hierfür während meiner Dienstzeit von 3 Jahren allwöchentlich 5 Silbergroschen dafür ausgebeu zu können, erwtederte ich, daß dies wohl nicht der Fall, aber, daß ich suche durch freiwillig übernommene Stallwache« das Defizit meiner Kaffe wieder zu decken. Meinen Escadron-Ehef war anch schon dies berichtet worden und sagte nur: „Ich will nicht haben, daß Sie jeden Sonntag auf Stallwache sind. Sie können abtreten." Ich war in banger Stimmung, ob mir das seit den 5 nina» geübte Verfahren, weiter gestattet würde, als mich am darauffolgenden Mittwoch mein Wachtmeister rufen ließ und mir einen Satz im Escadrons-Befehlsbuch zeigte, worin es wörtlich hieß: „Der Husar Grünebaum ist mit Ausnahme vom Regiments-Exerclren — von jetzt ab an jeglichem Samstag gänzlich vom Dienst zu dispensiren." — Ich habe Freude-Thränen geweint und als ich nach eingeholter Erlaubniß mich bei meinem Rittmeister bedankte, sagte er: „Ich wünsche nur, daß Sie ein ebenso wackere Husar werden, wie Sie Jude sind." Noch einen zweiten so hochedlen Zug meines unvergeßlichen hochherzigen — jedoch im Dienst sehr strengen aber gerechten Rittmeisters, muß ich erwähnen. Vor nov 1869 kam auf Veranlassung des verstorbenen Landrabbiners Dr. Adler aus Cassel, der Commandatur-Bcfehl, die jüdischen Soldaten find während des Osterfestes 8 Tage vom Dienst zu dispensiren event. in die Hetmath zu beurlauben, und erhielt auch ich einen achttägigen Urlaubspaß. Aus Vorstellung bei meinem Wachtmeister, daß ich dann — da ich die Feiertage nicht fahren dürfe, entweder

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