Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1896)
- Date
- 1896-01-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Vermischtes. Breslau, 19. Januar. Freitag, den 17. Januar, 41/* Uhr Abend-, fand im Anschluß an den Gottesdienst in der Synagoge für den Jugendgottesdienst eine Vorfeier des Tagestatt, an dem vor 25 Jahren das neue deutsche Reich wieder erstanden; zu derselben waren die Schüler und Schülerinnen der unter Leitung des Herrn Rabbiners Dr. L. Neustadt stehenden „Hebräischen Unterrichtsanftalt" versammelt und auch die Eltern und Mitglieder des Synagogen- BereinS eingeladen worden. Die Ansprache hielt Herr Dr. LouiS Neustadt. Der Redner behandelte Veranlassung und Bedeutung des Tages für uns Deutsche jüdischen Glaubens, denen die VerfaffungSurkunde des deutschen Reichs zum ersten Male im gesammten Reiche, Gleichheit Aller vor dem Recht und Freiheit des Glaubens gebracht habe. Von Interesse war die Betonung der Thatsache, daß über 12000 Juden an den Kämpfen von 1870/71 teilgenommen haben, über 200 durch Orden ausgezeichnet worden, über 500 ihr Blut auf dem Felde der Ehre gelassen haben. Ein Gebet für Kaiser und Reich beschloß die Feier. Leipzig, 15. Januar. (AhlwardtS Tochter verlobt.) AuS Berlin wird gemeldet: Wie hier verlautet, hat sich Ahlwardts Tochter mit einem Musiker Namens Barion, einem getauften Juden, verlobt. Stuttgart, 15. Januar. Der Ausschuß der Schwäbischen Reformpariei hat beschlossen, an die Zweite Kammer die Bitte zu richten: Die staatliche Uebersetzung des Schulchan- Aruchveranlassen zu wollen. Wie«, 20. Januar. (Die Zahl der Juden in Oesterreich.) Nach den Aufzeichnungen der statistischen Centralcommission beträgt die Anzahl der Juden in Oesterreich 1,141.165, nach den einzelnen Kronländern geordnet, wie folgt: Nieder-Oesterreich 128.784, Oberösterreich 1078, Salzburg 157, Steiermark 1979, Kärnten 164, Krain 89, Küstenland 5268, Tirol 737, Böhmen 94.479, Mähren 45.324, Schlesien 10.042, Galizien 770.468, Bukowina 82.717 und Dalmatien 329. Auf je 1000 Einwohner der Monarchie kommen 47 Juden. Auffallend ist der Zuwachs der Juden im heurigen Jahre in Salzburg und Tirol; während sich die Juden in Salzburg verdoppelt, haben sich dieselben in Tirol verdreifacht. Bukarest, im Januar. (Die Juden in Rumänien.) Die rumänische Politik bleibt den Juden gegenüber immer dieselbe, welche Partei nur immer am Ruder sein mag, Liberale und Konservative halten an dem AuSschließungssystem von Jean Bratianu fest. Mögen die Umstände einen Deputierten oder Senatoren veranlassen, eine judenfeindliche Maßnahme der Regierung anzugreifen, derselbe Abg. wird, wenn er ans Ruder gekommen ist, das Dekret gewissenhaft anwenden, welches er so heftig angegriffen hatte, wenn er eS nicht noch verstärkt. Für die Lage der rumänischen Juden hat demnach ein Ministerwechsel so gut wie gar keine Folgen. Aber trotz ihrer übelwollenden Haltung müssen sich die rumänischen Minister um die materiellen und moralischen Bedürfnisse einer Bevölkerung von mehr als 200,000 Seelen wohl oder übel kümmern. Allem Anscheine nach will das gegenwärtige Ministerium des Herrn Demeter Stourdza den jüdischen Gemeinden gegenüber eine liberalere Politik befolgen als die der vorigen. Die Gemeinden sind staatlich nicht anerkannt, sie haben daher auch nicht das Recht, Güter zu besitzen. Durch die folgenden Beispiele wird man sehen, welche Schwierigkeiten man bei der Frage der jüdischen Unterrichtsuno WohlthätigkeitSanstalten zu überwinden hat: Vor ungefähr 30 Jahren kaufte die deutsche Gemeinde in Bukarest ein Grundstück, auf welchem sie eine Synagoge bauen ließ. Der Verkäufer dieses Grundstückes machte es sich zu Nutzen, daß die jüdische Gemeinde nicht das Recht hatte, etwas zu erwerben, und beanspruchte auf gerichtlichem Wege die Wiedererstattung seines Grundstückes. Der Kassationshof, der in letzter Instanz darüber zu entscheiden hatte, wies die Klage des Verkäufers ab. Aehnliche Fälle sind in Jassy und Galatz vorgekommen, wo die Gemeinden Krankenhäuser besitzen. Diese hatten die Fürsten der Moldau früher koncesstomrt, weil sie ja zum Gemeinwohl beitragen. Für diese Krankenhäuser waren bedeutende Legate gemacht worden, deren Rechtmäßigkett aber angefochten wurde. Das vorige Ministerium beschäftigte sich mit dieser Frage, ohne sie zu entscheiden. Erst vor wenigen Tagen wurde vom neuen Ministerium die vollständige Rechtmäßigkeit dieser Legate anerkannt und entschieden, daß sie für Anstalten, die das Gemeinwohl im Auge hätten, gespendet worden seien. Es heißt, daß der Minister des Innern, Herr Nicolas Fleva, die Absicht habe, bei Gelegenheit der Verhandlung über das neue Gemeindegesetz, das rechtmäßige Bestehen der jüdischen Gemeinden in Rumänien anerkennen zu lassen. Wenn dieses Versprechen auSgeführt würde, so wäre eS als eine große Wohlthat für die rumänischen Israeliten anzusehen. AerrMetorr. Der Letzte seines Stammes Erzählung von Alphonfe de la Haye. 7) (Alle Rechte Vorbehalten.) Die Gräfin machte eine kurze Pause und fuhr dann tiefaufathmend fort: „Sein Bruder, Graf Edmond, war der Gegensatz von ihm, eine zartgebaute Figur mit sanften, träumerischen Augen und eine ernste, nachdenkliche Natur. Während Charles den ganzen Tag mit den einem echten Junker ziemenden Leibesübungen zubrachte, denn ihm war kein Pferd zu wild, kein Ziel für seine Kugel zu weit, saß Edmond in der Bibliothek des Schlosses beim Studium ernster Bücher. Zu seinen Ltebltngsstudien gehörten die reltgionsphilofophischen Schriften. Man ließ ihn gewähren und Niemand frug nach seiner Beschäftigung, bis ein unerwarteter Vorfall den Vater zwang, der schwärmerischen Natur seines Sohnes mehr Aufmerksamkeit zu schenken. An einem Nachmittage, als Graf Pierre seinen täglichen Spaziergang in den Park unternommen, wurde er plötzlich durch den Hilferuf einer weiblichen Stimme erschreckt. Ritterlichkeit war immer eine Tugend der Pelouse gewesen und so eilte er nach der Stelle, woher der Ruf zu ihm drang. Wer beschreibt nun seine Ueberrafchung, als er seine beiden Söhne sich auf dem Boden wälzend und mit einander ringend vorfand, während unweit von ihnen eine schlanke Mädchengestalt, am ganzen Körper wie Espenlaub zitternd, sich an einem Baumstamme festgeklammert und ihr blasses, aber liebreizendes Gestcht den Kämpfenden zugewendet hielt, ihren Bewegungen mit furchtsamen Blicken folgend."