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Der Israelit · 1896-01-27 · Heft 8 (27.1.1896) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 8 (27.1.1896)
Date
1896-01-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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157 semitischem Sinne gaben, von dieser Partei loslöst. Ein wohl nur rein äußerliches, aber immerhin bedeutungsvolles Moment ist bezeichnend genug, um hier erwähnt zu werden. Kürzlich *and sich eine Deputation des Schulvereins für Beamtentöchter beim Kaiser ein, um denselben, wie alljährlich, auch diesmal zum Vereinsballe einzuladen. Dieser Ball nun ist in jedem Karneval das Rendezvous der Spitzen, sowie der hervorragenden Vertreter der Beamtenwelt. Dieser Deputation soll nun der Monarch sehr bemerkendwerthe Worte gesagt haben. Es ist versichert, der Kaiser habe geäußert, „überall gehen die Beamten mit der Regierung, nur meine Beamten thun es nicht" . . . Zum Schluffe der Audienz sagte der Kaiser der Deputation sein Erscheinen auf dem Balle zu. Es ist dies der erste Fall seit dem Bestände des Vereins, daß der Kaiser bet dem Ballfest erscheinen wird, und es ist sicher, daß der Monarch an diesem Abend mit Beamten aller Kategorien in persönlichen Verkehr zu treten Gelegenheit haben wird. Man darf wohl hoffen, daß die Beamtenschaft aus diesen Vorgängen eine Lehre ziehen und daß sie nun wissen wird, daß ihre Haltung bet den nächsten Gemetnderathswahlen an maßgebender Stelle keineswegs unbeachtet bleiben dürfte. Ueber den Termin dieser Wahlen hat die Regierung bisher keinen Entschluß gefaßt. Die Liberalen wünschen, daß dieselben je eher stattfinden, die Antisemiten dagegen haben ein lebhaftes Interesse daran, den Termin hinauszuschieben, denn sie bekommen jetzt, während des Faschings, für allfällige Wählerversammlungen keine Lokale, in welchen sie die in großem Stile geplanten Versammlungen, denen regelmäßig auch Frauen zugezogen werden sollen, abhalten könnten. Um die Ausschreibung des Wahltermins zu verzögern, überreichten sie, in letzter Stunde einen Protest gegen die Auflösung des Gemeinderathes, in der Erwartung, daß die Regierung neue Wahlen nicht ausschreiben würde, so lange dieser Protest nicht erledigt ist. Man darf annehmen, daß die Regierung die Konscquenz, die sie den Antisemiten gegenüber bekundet hat, auch jetzt nicht alleriren und den Termin für die Wahlen wirklich bald ausschreiben wird. Rußland. Petersburg, im Jan. (Das Gesetz vom Mai 1882.) Der am 27. Octb/8. November versammelte Senat hatte über die Frage zu bestimmen, ob diejenigen Juden, welche gewisse Universitätsatteste besitzen, und denen ein Gesetz vom Jahre 1865 das Aufenthaltsrecht in ganz Rußland gestattet, dem Gesetz vom 3. Mai 1882 anheimfallen, welches den Israeliten untersagt, sich außerhalb der Städte und Flecken niederzulaffen. Die Dtscussion, welche darüber entstand führte zu keinem Beschluß. Die Angelegenheit sollte dem Justizmtntster unterbreitet werden. Einige Senatoren behaupteten, daß das Gesetz von 1882 nichts an de« Bestimmungen des Gesetzes von 1865 ändern wolle; folglich müßten die diplomirten Inden fortfahren, die Vorthetle des Letzteren zu genießen; andere behaupteten, daß daß Gesetz von 1882 sich nur auf das Territorium bezöge, und sich die diplomirten Juden außerhalb des Territoriums in den Dörfern ntederlaffen könnten. Aus dieser letzteren Beurthetlung würde der seltene Fall entstehen, daß ein jüdischer Arzt sich in den Dörfern des CentrumS des Reiches, nicht aber in denen des Territoriums niederlassen dürfte. Man ersieht daraus, zu welchen Widersprüchen und Verwicklungen das jetzige Ausnahme-System führt. Wenn eine Versammlung von Juristen, Verwaltungsbeamten und Gelehrten nicht über die Auslegung eines seit 13 Jahren in Kraft stehenden Gesetzes einig werden kann, ist eS da zu verwundern, daß Poltzetbeamte, Unterbeamte, täglich Gewaltthättgkeiten unter dem Schutze dieses unseligen Gesetzes begehen? Wir berichteten bereits von einer Anzahl jüdischer Familien, die am 1. Juni wieder nach dem Territorium zurücktehren sollten und denen eine Frist bis zum 1. October gewährt worden war. Nach Ablauf dieser Frist, so erzählt der Woskhod vom 22. October/3. November, wurden 32 jüdische Familien aus Tiflis ausgewiesen. Die meisten derselben sind ganz mittellos. Die Familienhäupter sind kleine Angestellte, Handwerker und Arbeiter, einige von ihnen besitzen nicht einmal die wenigen, zur Reise erforderlichen Rubel. > Personalien. Neutra, Ungarn. (Unlieb verspätet.) Vor einigen Tagen wurde in unserer Stadt eine Frau zu Grabe getragen. die sich durch ihr frommes, edles Wirken die Liebe und Achtung bet Jedermann erwarb, und von Allen als eine npns geschätzt wurde. ES ist dies Frau Ro falle W o h l st e i n, die Gattin des hiesigen angesehenen Kaufmann? Salomon Wohlstetn. Ihre aufrichtige Frömmigkeit wurde um so höher geschätzt, weil sie unermüdlich bestrebt war. ihren WohlthatigkeitSstnn zum Heile der Armen und Dürftigen im vollen Matze zu bethätigen. Die allgemeine Trauer um den Verlust dieser frommen, edlen Frau beweist, welcher hohen Achtung und Liebe sich die Verstorbene erfreute, und ihr Sohn, Herr Dr. Wohlstein in Schüttenhofen, entwarf in tiefergreifenden Worten ein Bild seiner frommen Mutier. .rraswn

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