Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1896)
- Date
- 1896-01-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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156 man ihn Abends nach seinem Befinden fragte, antwortete er munter lächelnd: „Gut, wenn nur der Rosch (Kopf) ntt wäre"; aber das bischen Kopfschmerz genirte ihn nicht weiter. Seinem Arzte, einem Verwandten, der ihm das Fasten verbot, antwortete er jovial scherzend: „Gut, mein Lieber, ich weiß schon Alles, aber Sie können jetzt gehen." Jeder hatte den alten Herrn gern, der sich bis in das hohe Alter seine Rüstigkeit und seine Lebenslust bewahrt hatte, obwohl manche Stürme über ihn dahin gegangen sind. Die Betheiltgung bei seinem Letchenbegänguiß war eine sehr große. Gelferrkirche«, 26. Jan. Wie bereits früher mitgetheilt wurde, hat am Abend des 3. Septembers v. I. eine von autifemitischen Agitatoren aufgestachelte Menge das Haus des israelitischen Handelsmannes Block, dessen Tochter am nächsten Tage Hochzeit halten sollte, arg verwüstet und einen beträchtlichen Schaden angertchtet. Die Menge bombardirte das HauS mit allen möglichen Gegenständen und machte schließlich auch Front gegen die einschreitenden Polizeibeamten, die den Excedenten gegenüber machtlos waren. Nunmehr hat das Essener Landgericht gegen 7 der Unruhestifter verhandelt und drei wegen Landfriedensbruchs zu je drei Monaten Gefängniß, dem niedrigsten Strafmaß, verurtheilt. Aus Süddeutsch!««-. Trotz dem schweren 4 Druck der Zetten und trotz der Ungunst der V:rhältnisse, unter denen unsere Glaubensbrüder in j Rußland leben, ist das Jeschiwawesen dort in einer ] Weise entwickelt, die jeden wahren Jehudi mit in- 8 nigster Befriedigung erfüllen muß. Leider geschieht § in Deutschland nach dieser Richtung viel zu wenig. Die Gründe dieser traurigen Erscheinung darzulegen, ist nicht der Zweck meiner heutigen Korrespondenz. Ich möchte vielmehr die Aufmerksamkeit und das Wohlwollen des Leserkreises auf eine Jeschiwa lenken, die nach jeder Richtung es verdient, thatkräftige Unterstützung von Seiten aller Jehudim zu finden, denen Thorawiffen und Thorasorschung noch am Herzen liegt. Es dieses die Jeschiwa in Lomza (Polen), die mehrere hundert Zöglinge unterhält und an deren Spitze begeisterte jüdische Männer stehen, denen die Ausbildung der Talmudjünger und das stetige Emporblühen dieser Anstalt Herzensfreude macht und Lebensaufgabe geworden ist. Daß die Unterhaltung einer derartigen Anstalt große Opfer an Zeit und Geld erheischt, ist selbstverständlich. Herr Chajim Charyn aus Lomza unterzieht sich alljährlich der schwierigen Aufgabe, unter unfern Glaubensgenossen das Interesse für diese Jeschiwa wachzurufen und Unterstützung für die Erhaltung und für das Gedeihen derselben entgegen zu nehmen. Einsender dieses begrüßt es alljährlich als einen Freudentag, wenn dieser herrliche Mann, der neben umfassender und ftaunenswerther Talmudkenntniß ein Muster von bescheidener und aufrichtiger Frömmigkeit ist, sein HauS betritt und von dem Emporblühen der Jeschiwa und den Fortschritten ihrer Jünger stets erfreuliche Mittheilungen macht. Es wird mir eine besondere Genugthuung gewähren, wenn Herr Charyn mir sagt, daß vorliegende Zeilen den Erfolg gehabt, nicht nur die bisherigen Gönner dieser ehrwürdigen und hochheiligen Anstalt, sondern auch neue Freunde derselben zuzuführen. nnoM — na 0'p'inD1? «\n D^n py na v'p'mv^ idm nb. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie«, 20. Januar. Die antisemittische Bewegung in Wien, welche durch 15 Jahre, während des ganzen Regimes Taaffe, favortsirt, ja großgezogen wurde, soll nun — dies ist der erste Wunsch des KabinetS Badeni — endlich eingedämmt und in jene Bahnen gedrängt werden, welche den ganzen Antisemitenrummel im Sande begraben. Graf Badeni ist ein zu kluger und weitsehender Politiker, um nicht zu wissen, daß eine politische Agitation, die man so lange Jahre hindurch ungestört sich entfalten ließ, nicht auf einmal aus der Welt geschafft werden könne. Nun ist es wohl unleugbar, daß der offizielle Antisemitismus durch die Ntchlbestätigung Lueger's einen argen Stotz erlitten hat, daß ihm gleichsam eine Grenze gezogen wurde. Thatsächlich ist auch in jenen Kreisen, welche sich bisher den Antisemiten anschlossen, in der falschen Voraussetzung, daß vor Allem der Hof und die höchste Stelle im Staate die Endzwecke der Antisemiten gutheißen, ein Umschwung in der Gesinnung bereits etngetreten und derselbe erstreckt sich so ziemlich auch auf die im parlamentarischen Leben stehenden antisemitischen Häuptlinge, welche an der Unfehlbarkeit ihres Vorbildes Lueger zu zweifeln beginnen. Schon spricht man davon, daß der bekannte Abgeordnete Dr. Pattai, welcher bereits früher den Beinamen „Salonanttsemit" führte, geneigt sei, in die Luegerpartei einen Riß zu machen, eine gemäßigte antisemitische Fraktion zu bilden und mit Hilfe derselben Bürgermeister von Wien zu werden. Jndeß sind der häusliche Krieg und die kleinlichen Coulissenkämpfe im antisemitischen Lager für die Welt von nur geringem Interesse: die Hauptsache bleibt, daß das Kabinet Badeni nunmehr fest entschlossen ist, das Uebel bet der Wurzel anzufassen, d. h. den bet den Wahlen sich kundgebenden Einfluß der Antisemiten gründlich zu schwächen, indem man die Beamten, deren Stimmen bei den letzten Gemetnderathswahlen den Ausschlag in anti-