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Der Israelit · 1896-01-27 · Heft 8 (27.1.1896) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 8 (27.1.1896)
Date
1896-01-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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166 Hohn des Gaon R. Zudel gesegnet sei sein Andenken, gehört: „Wenn die Zeit gekommen, daS Kind in die Schule zu geben, damit es bei dem Lehrer lerne, dann soll der Vater früh am Morgen daS Kind selbst in das Haus der Lehrers bringen, mag er ein Greis, ein bedeutender Mann, der Vorsteher, oder Rabbiner sein. Er soll sich besten nicht schämen, daß er zum ersten mal selbst seinen Sohn in die Schule führt, sondern Gott dafür danken, daß er so glücklich ist, seinen Sohn unter die Fittige der Gott'-Sherrlichkeit zu bringen. Vater und Mutter sind verpflichtet, das Kind auf dem Wege in die Schule zuzudecken, damit es nichts Unlauteres wahrnehme. Im Hause des Lehrers angekommen, setzt der Vater dem Lehrer das Kind auf den Schooß. Dann bringt man eine Tafel, auf welcher das Alef-Bet geschrieben steht. Dies liest der Lehrer erst in gewöhnlicher, dann in umgekehrter Reihenfolge dem Kinde vor, und das Kind spricht jeden Buchstaben nach.-Darauf bestreicht man die Tafel mit Honig und das Kind leckt den Honig von den „Buchstaben" u. s. w." Es ist gut dlefeS Verfahren unserer großen Meister liebend, lohnend und aufmunlernd in den Kreis der Kleinen und zu ihrer Weise herabzusteigen als Maßftab an unsere kalte, berechnende, höchstens den Ehrtrieb anstachelnde Methode des Unterrichts und der Erziehung zu legen. Selbst die Prämien und Auszeichnungen, welche vereinzelte Schulen ihren besseren Schülern gewähren, haben mehr die Nützlichkeit als das Vergnügen und die Annehmlichkeit des Schülers im Auge. Einen tiefen Blick in die Kenntniß der Kinderseele bekundet die jüdische Sitte dadurch, daß sie gerade den 15. Schewat herausgriff und ihn der Jugend zum Feiertage machte. Zwischen der Bedeutung dieses Tages für die Bäume und dem Berufe der Erziehung unserer Kinder muß ein Zusammenhang bestehen, dessen Aufsuchung die altjüdische Erztehungsweisheit in einem eigenartigen Lichte erscheinen läßt. (Schluß folgt.) Aeitnng-nachrlchte» mtb Gorrefpondenze» Deutschland. 8. Frankfurt a. M., 24. Jan. (Benny Benjamin b"i.) Kaum war die Schmerzenskunde von dem Hinschetden des Herrn Selig Goldschmtdt verhallt, als ein neuer und schwerer Schlag unsere Gemeinde traf. Am vergangenen Sabbat hauchte Herr Benny Benjamin seine reine Seele aus. In ihm verliert die Relig<onsgeseüschaft einen ihrer besten Männer, weite Kreise einen treuen Berather, viele Arme ihren Wohlthäter, die Familie ihr Haupt, zu dem sie mit Liebe und Ehrfurcht hinaufschaute. Bon schlichtem Wesen, ahnte Mancher nicht, welch' eine Fülle von edlen Eigenschaften, verbunden mit großer Einsicht und Weltklughett in diesem Manne vereinigt waren, und doch war er es, an dem sich erfahrene Männer um Rath in schwierigen Dingen wandten. Ruhig und kühl überlegend, wußte er compltcirte Berhältniffe zu durchschauen, und sein kluger Rath, den er freundlich und entgegenkommend gern in anspruchsloser Weise ertheilte, hat Manche vor Schaden bewahrt, Manchem zu einem guten Erfolge verholfen. Darum war er es auch, den man für verschiedene Ehrenämter, die Ansprüche an die Tüchtigkeit eines Mannes stellen, zu gewinnen suchte. Lange Jahre hindurch war er bis zu seinem Tode Mitglied des Vorstandes der israelitischen Reltgionsgesellschaft, der israelitischen Waisenanstalt und des Rothschildschen Spitals, und überall bewährte er sich als ein umsichtiger und tüchtiger Arbeiter. Für Arme hatte er eine stets offene Hand, aber was von ihm ausgtng, das sollte geheim bleiben. Galt es ihn für einen Armen in Anspruch zu nehmen, so wollte er nicht wissen, wer der Empfänger sei, und er wollte nicht als Geber genannt sein, und so hört man erst jetzt nach seinem Tode, wie viel Großes er in bescheidener und anspruchsloser Weise geleistet hat. Die Liebe, die der Man» sich im Leben erworben, zeigte sich in großartiger Weise sowohl bei seinem Letchenbegängniß, wie auch während der Trauerwoche. An der Bahre sprachen im Sterbehause Herr Rabbiner Dr. Breuer, auf dem Friedhofe der Gemeinde Herr Mor. Boß im Namen des Vorstandes und Schulraths der isr. Religionsgesellschaft, Herr Dr. I. Werner für die Verwaltung des Waisenhauses, Herr Dr. jur. Scherlanzky für die Verwaltung des Spitals und Herr Wi lh. Posen für die Familie. Die Hinterbliebene Wittwe und die Kinder geben die Gewähr, daß das Wirken des Vaters unvergessen bleiben wird, denn mit dem Heimgang des Verstorbenen ist der Geist seines Wirkens nicht aus dem Hause gezogen. Frankfurt a. M., 23. Januar. Ein Mann, der das patriarchalische Alter fast erreicht, ist in unseren Tagen selten, einen solchen aber hat man heute hier zu Grabe getragen. Es ist der im 94. Lebensjahr verstorbene Herr Baruch Marxsohn, der nach nur kurzem Krankenlager aus der Welt geschieden. Das war noch ein Mann von altem Schrot und Korn: gut, bieder, fromm und dabei kraftstrotzend, so daß man seine Freude daran haben konnte diesem Greis mit der hochragenden Gestalt, dem rosig angehauchten frischen Gesichte zu begegnen, dem man die Last seiner Jahre nicht ansah. Es war ihm leid genug, daß am letzten n"", :ny ein kleines Unwohlsein ihn davon zurückhielt als erster zu der rmbo zu erscheinen, aber zu mv da stellte er wieder seinen Mann, von früh morgens bis zum abendlichen Schluffe harrte er kräftig aus. Als

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