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Der Israelit · 1896-01-27 · Heft 8 (27.1.1896) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 8 (27.1.1896)
Date
1896-01-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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154 jüdische Anliegen beurtheilt. Dieses und noch vieles andere vereinigt sich um in den Kleinen die Lust zum jüdischen Lernen nicht aufkommen zu laffen und sie geradezu in Unlust und Widerwillen umzuwandeln. Dieser Mtßstand ist nicht etwa ein Produkt unserer Zeit, der Religionsschulen, sondern er ist durch sie nur in einigen Punkten wesentlich verschärft worden. Vorhanden aber war er immer, und mußte es immer gewesen sein, so lange die allge meine Bildung so hoch in der allgemeinen Achtung und specifisch jüdische Anliegen so tief in der öffentlichen Meinung standen. Wenn ein Kind in den Abrahamsbund eingeführt wurde und die anwesenden Freunde und Genossen ihre Theilnahme in den Wunsch kleideten: n'vtyü'n nBirfc minb, daß es den Eltern vergönnt sein möge, dieses ihr Kind für die Thora, für die Gründung eines eignen Hauses und sür ein an guten Werken reiches Leben zu erziehen, so gaben sie sich zu keiner Zeit über die bedeutsame Tragweite dieses Wunsches einer Täuschung hin. Sie wußten, daß, wenn es gelingt, ihr Kind für die Thora zu erziehen, zu gewinnen und zu begeistern, daß sie es ihm dann den Weg nBinb, zur Gründung einer selbstständigen Existenz schwerer als je gemacht haben, und daß auch die v'2'v das praktische segensreiche Wirken sich in dem bescheidenen Rahmen bewegen werden, den die vier Ellen der Halacha bilden. Welche Mittel wenden sie an, um die Lust und Liebe in den Kinderherzen für eine Wissenschaft zu wecken welcher die ganze große Welt nur Unlust und Lieblosigkeit entgegenbrachte, wie belebten sie das Jntertsse in der Kinderbrust für eine Sache, die allgemein unter das Veraltete, wenn nicht Abgestorbene rangirt wurde, kurz wie gewannen sie die Kinder für Thora und Mizwoth in Zeiten, in welchen sich alles gegen das Studium und Thora und die Erfüllung ihrer Gesetze verbunden halte? Welche Mittel wandten sie an, um eine Jugend zu erziehen, die, wie der 144. Psalm singt, „mit Bedacht gepflanzten Setzlingen glich und in der Kindheit sich jchon mit dem Lebensernst Erwachsener führte?" Ihre Erziehungswtisheit war in Wirklichkeit nichts als die Ausgestaltung in allseitige Verwirklichung der Anforderung, welche der salomonische Kanon in die wenigen, inhaltsschweren Worte kleidete: '32v "HD' V?P *D OJ 1311 'S lyfr Jtjn „Erziehe den Knaben nach seiner Weise, dann wird er im Alter auch nicht davon l asse n." Sie stiegen hinab zu dem Kinde, lebten und verkehrten in seiner Weise mit ihm, und benutzten dann diese Weise, um dem Kinde die höchste» Wahrheiten mit Freude und Liebe beizubrtngen. Je weniger die Welt draußen von ihren Freuden und Genüssen für die jüdischen Kinder des Ghettos auch nur einige Brosamen übrig hatten, je mehr den Zurückgesetzten, Eingeengten die fröhliche Urigebundenheit draußen bittere Wehrmuthstropfen tn ihren Lebenskelch mischte, um so mehr waren die alten jüdischen Lehrer und Erzieher darauf bedacht, ihren Schülern in ihrer Weise das zu ersetzen, was ihnen ihre Umgebung lieblos versagte. Nicht mitStrafen, mit Belohnungen lehrten und erzogen sie. Sie waren geradezu erfinderisch in der Aufsuchung von Art und Weise, das Kind durch Belohnungen für das Studium zu gewinnen und haben es nicht unter ihrer Würde gehalten in populärer Sprache ihre Methode uns zu hinterlaffen. — Es mögen hier einige Stellen aus einzelnen hierher gehörigen Schriften folgen, welche für die tiefe Weisheit zeugen, mit welcher unsere großen Lehrer zum Kinde hinabsttegen, um es nach seiner Weise zu erziehen. So heißt es tn dem „Brautsptegel" von R. Moses Heuochs aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts : „Un wenn man dem Kind ein Rabbi dingt, da muß man acht haben, daß es alle Tag zum Rabbi geht un' verfelt kein Tag. Fürt die Mutter das Kind zum Rabbi, da soll sie es lösten hanein laufen un' soll salbert nit hanein gen. Am ersten aS das Kind anhebt zu lernen, da treibt man ihm „chariffus" (Schmeichelei) un' der Rabbi wirft ihm ops (Obst) antpor (empor) aS wenn es oben herab fallt un' spricht zum Kind: stch der „maloch" (Engel) Hot dir's geworfen herab, dak du sollst wol lernen, oder daß du host aso wol gelernt Da steht das Kind allezeit über sich un' gedenkt izunb werd mir der maloch herab warfen. Da ar mit durch gewent es stch zu sehn im Himmel un' werd angedechdig un' wert bitten zu Gott Jisborach im Himmel, wenn es gros wert um sein tegliche speis un' noterft." Das Buch 2'v ib (ebenfalls am Anfang deS 15. Jahrhrnderts erschienen) von R. Jzchak ben Eljakim schreibt u. a. in dem Capitel: „Wie man die Kinder soll derzihn un' wie man sie soll strafen Allzeit soll etlicher mit seinem Kind schmeichelnd lernen. Von erst er gibt er im ops. oder Zucker, oder leknchen, dernach kleine pkennung. Dernach soll er im Kleider zu lon machen, immer zu nach seinem Verstand nach, un' nach seine fahren nach. Dernach soll er zu im sagen: lern wol und ernstlich derwarten, daß man dir eine große mitgift zum Weib geben. Dernach soll er zu im sagen, lern wol un' ernstlich derwarten, daß du werft SmichuS (Ordination) bekommen, daß du werft ein Rabbiner sein. Das mus er mit im antreiben, also lang, bis er selber gwar wert, daß er lernr um Gottes willen." Im Buche um ap von R. Hirsch Koidanower (Ende des 15. Jahrhunderts) heißt es: „Ich habe von meinem Lehrer dem Gaon R. Josef

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