Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1896-01-27 · Heft 8 (27.1.1896) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 8 (27.1.1896)
Date
1896-01-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448608-2448617--41161-2490106
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XXXV». Jahrgang. M 8. Der Israelit. Ein Kentrat-Hrgan für das orthodore IudenIHum. Begründet vsn Dr. Lehman» in Mainz. Montag, den 27. Januar 5650 (1896). Leitender Artikel. CtzMW-Osvr-SetraWWll. Mainz, den 26. Januar. Soweit meine Erinnerung zurückreicht weckt sich mir Morgenroth und Frühlingshoffen um den 15. Schewat. Ich habe lange nach dem Lichtquell gesucht, dem der verklärende Schimmer entstammt, in welchem dieser Tag mir steht. Er figurirt ja nur als schlichte Kalendernotiz sür uns, deren gesetzliche Bedeutung in keiner Weise für uns mehr .MMsche Hlnwendung har. Er ist uns als der Neujahrstag der Bäume bekannt d. h. als der Tag, an welchem die Bäume wieder neue Triebkraft erlangen. Wohl freuen sich die Kinder damit, daß sie genau den Geburtstag der Bäume kennen, das aber erklärt doch nicht das lebhafte Interesse, mit welchem wir Kleinen dem wara iwy n^on entgegensahen. Dieses hatte einen viel reelleren Hintergrund: Am Chamischo-Osor war eine Art Schülerfeiertag, an welchem wir von der Schule aus mit Kuchen und Früchten regalirt wurden. Selbst auf die Gefahr hin ausgelacht zu werden, muß ich bekennen, daß dies die erste und NWe BrrmüuMug tarn, Mt Chamifcho - Ofor lieb und theuer machte. Je mehr ich mich in diese früheste Kindezseit zurückversetze, desto größere Verwunderung ringt mir die pädagogische Weisheit der Altvorderen ab, die im Kleinen so groß war, während wir im Größten oft so klein und kleinlich erscheinen. Die jüdische Schule oder die Religionsschule ist und bleibt das Schmerzenskind aller pädagogischen Institutionen und Veranstaltungen, deren sich die Neuzeit rühmt. Dadurch, daß nicht der Sinn, das Verständniß und oft auch nicht die erforderlichen materiellen Mittel vorhanden sind, um jüdische Schulen zu gründen, in welcher jüdisches und weltliches Wissen in gleicher Weise gepflegt werden, mutz sich der jüdische Unterricht mit dem Abhub der Zeit und Muße begnügen, welche der andere Unterricht ihm übrig läßt. Er ist das Aschenbrödel der sämmtlichen Unterrichts-Disciplinen. Wenn die Schulzeit der bürgerlichen Schule zu Ende ist und die Schüler nach Erledigung ihrer Schulaufgaben sich spielend erholen können, müssen die jüdischen Kinder sich aufs Neue auf die Schulbank niedersetzen und — hebräisch lernen. Draußen spielen lachend und lärmend die nichtjüdischen Schulgenoffen und ihr ausgelassener Jubel dringt hinauf in die hebräische Unterrichtsstunde; was gehört noch dazu, daß unseren Kinder» das Jüdische nicht verleidet werden soll, ehe sie es sich noch recht angeeignet haben! Für die profanen Fächer giebt es Mittel und Wege in Hülle und Fülle, um das Kind zum Eifer anzuspornen. Schon die Rücksicht auf die einstige Eariere, die ganze, große Zukunft, die nach der Schule beginnt, läßt das Kind mit Ernst die DiSciplinen der bürgerlichen Schulen sich aueignen. Lehrer, Eltern und die eigene Erwägung sagen dem Kinde, wenn es nicht die Kunst des Schreibens und Rechnens, wenn es sich nicht sprachliche und andere Fertigkeiten aneignet, daß es in den Prüfungen nicht reussiren und auch im Leben später nicht vorwärts kommen wird. Ebenso häufig und von. dev.' selben Faktoren die Thatsache nahegelegt, daß man mit Chumesch und Tefillo später kein Geld verdienen kann, daß die größere und geringere Fähigkeit in der Handhabung der jüdische« Fächer keinen Einfluß hat auf das, was man den „Beruf" nennt, kurz, daß man damit nicht leichter, sondern vielleicht gar schwerer durch die Welt kommt. Dazu kommt noch eine ganze Legion von anderen, äußeren Umständen, die Stellung und Persönlichkeit des jüdischen Lehrers, im Vergleich mit derjenigen der anderen Lehrer, die Werthschätzung, welche die öffentliche Meinung den profanen Schuldisciplinen entgegenbringt und die Geringschätzung, mit welcher sie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.