Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 7 (23.1.1896)
- Date
- 1896-01-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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MWWWM 142 der Transvaalrepublik durch die auswandernden Buren. Schon von der Kapkolonie aus hatten einzelne Juden auf weiten Handelszügen in den vierziger Johren die inneren Distrikte besucht, den Bauern Wolle, Häute und Federn abgekauft und ihnen dafür Gewehre. Pulver lind Blei, sowie andere Bedarfsartikel gebracht. Die Familie Norden hat sich durch solche Unternehmungen ausgezeichnet und großes Vermögen damit erworben. Seitdem im Oranjefreistaat die Buren zu dauernden Ansiedelungen kamen und kleine Dörfer und Städte bildeten, siedelten sich auch einzelne Juden in ihnen an. Da aber der Handel und die Gewerbe sich nur wenig entwickelten, so bildeten sich in diesem Lande auch keine nennenswerthe jüdischen Gemeinden. Als aber in dem Thetle, der an Natal grenzte, Diamantenminen entdeckt wurden, entstanden in Kimberlry große Ansiedelungen und bald kamen auch die Juden hierher und gründeten eigene Gemeinden. Die Gemeinde West Grigualand, die ihren Sitz in Kimberlry hat, ist recht zahlreich und wohltbuend, und sie spielt auch hier sonst eine große Rolle. In den Kämpfen gegen die Koffern haben sich die Juden vielfach ausgezeichnet, der jetzige Oberst Harris hat als Lieutenant unter Oberst Warren gegen Grigukaffern mitgefochten, sich auf dem Schlachtfeld den Rang eines Kapitäns erworben und die höchste Achtung seiner Mitbürger verdient. Er ist jetzt Kommandant der Kimberley-Schützen geworden, die ihm im vorigen Jahr in großer Versammlung einen Ehrendegen überreicht haben. Die Synagoge in Kimberlry ist 1872 gebaut worden, der Grundstein wurde damals mit der größten Feierlichkeit und unter Theilnahme aller Behörden gelegt und das gute Verhältniß zwischen Juden und Christen ist bis heute ungestört geblieben. Wie im Oranjefreistaat, so entwickelten sich auch die Verhältnisse in der Transvaalrepublik. Vereinzelte Juden ließen sich in allen Orten des Staates nieder, aber größere Gemeinden bildeten sich nicht eher, als bis durch die Entdeckung der Goldfelder der Handel einen größeren Aufschwung nahm. Johannesburg, die Stadt, die der Mittelpunkt des Goldminendiftriktes bildet, war naturgemäß der Hauptanziehungspunkt für die jüdischen Einwanderer. Johannisburg ist selbst ganz neuen Datums, 1886 ist es erst zur Stadt geworden und soll jetzt schon 80,000—100,000 Einwohner zählen. Die jüdische Gemeinde spielt hier eine sehr bedeutende Rolle, sie zählt eine große Anzahl von Mitgliedern, obwohl ein großer Theil der Juden sich gar nicht zur Gemeinde hält und besitzt 2 Synagogen und die vollständigen Einrichtungen einer jüdischen Congregation. Ein englischer Reverend versieht die Würde des geistlichen Oberhauptes, die beabsichtigte Anstellung eines oitbohoxen Rabbiners ist nicht zu Stande gekommen. Kürzlich nahm die Witowatirsrand Old Congregation ein Anlehen von 60,000 M. auf, um ihre Synagoge wieder zu vergrößern, damit sie einigermaßen dem Bedürfnisse entspreche und nach dem Neubau wird sie feierlich von Rev. Harris geweiht. Dagegen dürfen wir die Erzählung, die täglich die Runde durch die Zeitungen macht, Präsident Krieger hat die Synagoge selbst eingeweiht und dabei einen gegen die jüdische Religion verstoßenden Ausdruck gebraucht, ruhig in das Gebiet der Fabel verweisen, ebenso wie andererseits die Behauptung, Krieger, der aus altem Burengeschlecht ist, sei jüdischen Ursprungs. Trotz des kurzen Bestehens der Johannisburger Gemeinde hat sie auch schon eine ganze Reihe von Wohlihätigkeitsvereinen, deren Auszählung zu weit führen würde, übrigens ganz nach alter Weise auch eine Chewra - Kedischa und Btkkur - Cholim. In der großen Gemeinde sind alle möglichen Elemente durcheinander, Juden aus allen Ländern, englische und deutsche, russische und polnische, österreichische, türkische, ja selbst aus dem fernen Amerika und Australien sind Glaubensgenossen nach den Goldfeldern Südafrikas gekommen. Sie haben hier zum Theil große Reichthümer erworben, aber doch nur wenige habe» die erträumten Schätze gefunden. Dagen sind sie in dem Kleinhandel sehr zahlreich, sie monopolisiren beinahe den Hausirhandel für den ganzen Distrikt, viele sind auch im Handwerk thatig, und ganz besonders die Schneiderei ist ein bevorzugter Beruf der eingewanderten russischen und polnischen Juden. Einzelne unserer Glaubensgenossen haben eine hohe soziale Rangstufe errungen, Samuel Marks, der 1884 nach Transvaal kam, wurde mit dem Präsidenten Krieger bekannt, begann eine Reihe Unternehmungen mit Hilfe der Regierung, legte Kohlenbergwerke an, gründete Fabriken, darunter Glashütten und Conservenfabriken, sowie Spiritusbrcnnkreien und legte endlich in Zwartkopji einen riesigen Weinberg, sowie eine Obstbaumschule an, die sich zu Mustern für das ganze Land entwickelt haben. Jüngst schenkte Sam. Marks durch Vermittelung des Präsidenten Krieger für die Hauptstadt Prätoria die riesige Summe von 200,000 M. Bekannt ist ferner der Goldköntg Bernato, der als Clown nach Südafrika kam und dort im Laufe eines Jahrzehntes ein riesiges Vermögen schaffte, Abraham Hyams, der erst auf den Diamantenfeldern Kimberlhs, dann in Transvaal sein Glück versuchte, sich überall Achtung und Liebe auch der christlichen Ortsgenossen erwarb und dem zu Ehren kürzlich, da er von Zrernst nach Kimberly zurückgeht, in Zeernst ein großes Festessen veran-