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Der Israelit · 1896-01-23 · Heft 7 (23.1.1896) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 7 (23.1.1896)
Date
1896-01-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXX VH. Jahrgang. Erste Beilage j» .M 7 ües „Israelit". Ke«illeL»». Die Juden in Transvaal UNin den übrigen südafrikanischen Ansiedelungen. Es ist von jeher das Loos unseres zur Zerstreuung gezwungenen Stammes gewesen, daß immer ein Theil desselben neue Wohnsitze suchen mußte, weil der ökonomische oder politische Druck in der Heimath die Juden zwang sich neue Länder zu suchen, wo sie frei leben konnten. Besonders die letzten Jahrzehnte mit den schrecklichen Verfolgungen und Ausweisungen unserer Brüder in Rußland, haben wieder, Hunderttauscnde von ihnen gezwungen zum Wanderstabe zu greifen, und wenn auch der Hauptstrom nach den Vereinigten Staaten ging und kleinere Mengen nach Argentinien und Palästina wunderten, so suchten doch immer noch tausende dieser Flüchtlinge eine neue Heimath in anderen Gegenden und viele strömten nach Südafrika, wo gerade neue Länder der Kultur erschlossen wurden und die Bevölkerung, auch die jüdische, noch sehr dünn gesäet war. Die Ankömmlinge fanden freilich schon überall inSüdafrika Länger angesiedelte Juden, meist englischen Ursprungs, und auch einige organi strte Gemeinden vor. „Bei dem'eifrigen Antheil, den die englischen Juden an dem Welthandel Großbritanniens nehmen, konnte es nicht fehlen, daß bald, nachdem die Kapkolonie dtfinitiv in englischen Besitz durch den Wiener Vertrag übergegangen war, sich englische Juden am Kap ansiedelten. Im Jahre 1842 entstand die erste jüdische Gemeinde in Kapstadt, nochlsehr klein," sie zählte nur 10 Mitglieder, deren Namen uns noch aufbewahrt sind: Benjamin Norden,-John Norden, David Kernstadt. Maurice Hart, S. Nudotph. N. Btrkenruth, Mr. Marcus, Moß, Horn, I. Bergtheil. Die kleine Gemeinde vergrößerte sich aber sehr rasch, denn die jüdischen Handlungshäuser blühten rasch empor und nahmen rasch Antheil am Großhandel. Sie erwarben sich aber auch dauernde Verdienste um das Gedeihen der jungen Kolonie, denn sie führten die Angora-Ziegen ein, um der Kaprasse einen neuen Aufschwung zu ermöglichen; ein gewissir Thalwitzer brachte aus Holstein^ die ersten Merinoschafe nach dem Kap und zugleich erfahrene Schäfer, die die einheimischen Bauern anzulernen hatten, Samuel Andrade war der erste, der eine regelmäßige Straußenzucht befürwortete und schließlich selbst die gelungenen Versuche machte, die die Anregung zu diesem außerordentlich rentablen Industriezweig wurden. Trotz der Zunahme der Juden in der Kapkolonie, trotzdem sie sich einzeln und in Gruppen durch das ganze Land vertheilten, dauerte es doch bis 1862 ehe eine feste Synagoge gebaut wurde. Die erste war die in Kapstadt, der bald in Oudtshorn eine zweite folgte. Die anderen Gruppen zerstreut wohnender Juden waren zu klein, um eine Synagoge errichten zu können, um so mehr, da leider ein großer Bruchtheil ganz vom Judenthum sich fernhirlt. Eine sehr angesehene Familie, die Salomons. ging ganz zum Christenthum über und ihr entstammte Saul Salomon, den man/ wohl auch den Kap Disraelt genannt, so groß war-seine politische Stellung und sein Einfluß dort. Auch an den Kämpfen nahmen natürlich die Juden theil, 1847 fiel der Capitain de Awmonry Josua S. Norden an der Spitze seiner Leute im Kampfe gegen die Kaffern. Neben der Kapkolonie entstand in den dreißiger und vierziger Jahren in Natal eine zweite englische Kolonie, in der sich auch bald Juden in großer Zahl ansiedelten. Sie waren auch dort die Träger des Handels gewesen und noch ehe die neue Ansiedelung eine feste Form gewonnen, hatten sich einzelne Juden in allen Städten ansässig gemacht. Mit der Organisirung der Kolonie mehrten sich auch die jüdischen Einwanderer und in den sechsziger Jahren entstanden in Durban und Port Elizabeth blühende Gemeinden. Auch hier nahmen die Juden an dem öffentlichen L.ben Theil und viele gelangten zu ang scheuen Positiv en in der Gemeinde. Als z. B. am 26. Februar 1895 O. Barnelt, ein geborener russischer Jude in Port Elisabeth starb, folgte fast die ganze Stadt seinem Leichenzug, Christen so gut wie Juden. In Bedford ward Mr. Levyno Mayor dieser Siadt. ein orthodoxer Jude von altem Schlag, der seine Religion auf das genaueste beobachtete, aber dennoch oder vielleicht deßhalb die größte Achtung in seiner Stadt genoß. Er wurde dreimal hintereinander zum Mayor gewählt und erhielt auch sonst alle Ehren, die die Stadt zu vergeben hatte. In den Gemeinden der Kapstadt, wie in denjenigen Natals sind natürlich die Juden auch in philantropischer Beziehung nicht wenig thätig gewesen, die große russische Verfolgung bot ihnen wiederholt Gelegenheit auch nach außen hin für ihre Brüder thätig zu sein und in den letzten Jahren hatten die Vereine in diesen Gemeinden vollauf zu thun, um die durchreisenden russischen Glaubensgenossen weiter nach dem Innern zu befördern. Der Gründung der Kapkolonie folgte die Errichtung des Oranjefreistaates und dieser wieder

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