Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 7 (23.1.1896)
- Date
- 1896-01-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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140 könne und für ihren Plan zu gewinnen im Stande sei. Endlich beaann sie. „Mein Neffe, der verstorbene Pelouse, hat Sie, mein Herr, zum Vormund des jungen Grafen, Gaston, eingesetzt und ich gratulire mir zu dieser Wahl, die der Verstorbene getroffen batte. Ein Jude von Ihren moderne» Gesinnungen und frei* sinnigen Anschauungen wird meinen Wünschen zugänglicher sein und mir keine Schwierigkeiten in den Weg legen, das Glück des jungen Erben zu begründen und mir dadurch die Aufgabe erleichtern. Der Zielpunkt meines Strebens ist zu verhüten, daß der glorreiche Name der Pelouse ausfterbc!" Ein Zug des Unwillens glitt über die hohe Denkerstirn des Arztes. „Wenn Sie den Elchonon meinen, gnädige Frau", versetzte er, dann ist sein Glück allerdings der höchste Wunsch meines Lebens; nur begreife ich nicht, was meine religiöse Anschauung mit seinem Glück zu schaffen habe und wie ich armseliger Arzt im Stande wäre, zu verhüten, daß der glorreiche Name" ein sarkastisches Lächeln spielte um seine L ppen „der Pelousen nicht aussterbe?" „O, Sie vermögen viel, mein Herr, sehr viel!" rief die Gräfin hastig aus, „und aus Ihre religiöse Anschauung baue ich, daß Sie den glorreichen Stamm der Pelousen vor Vergcffenheit schützen und seinem Namen den alten Klang in der Geschichte zu erhalten suchen. Sie werden mir also keine Hindernisse in den Weg legen?" Noch kenne ich Ihre Wünsche und Pläne nicht, um Ihnen auf diese Frage eine Antwort geben zu können, gnädige Frau!" „Ach, ich vergaß, daß Sie dieser Angelegenheit fremd gegenüberstehen", lächelte die Gräfin selbstbewußt; „Je yous demande pardon! Um Ihnen aber mein Bitte zu motiviren, müssen Sie sich auf eine längere Erzählung gefaßt machen. Haben Sie schon vom Grafen Edmond gehört? Nein? so hören Sie!" 10. Kapitel. Graf Edmond. Die Comteffe trocknete mit ihrem Taschentuche die Schweißtropfen, die durch den Eifer ihrer Rede an ihrer Stirn perlten und mit einem tiefen Senfzer begann sie: „Draußen rollt das Leben in seinem gewohnten Rahmen weiter, ohne daß sein geräuschvolles Treiben sich um die zurückgelaffenen Trümmer und Ruinen kümmert. Das Rad des Schicksals ist in ewigem Schwingen; es hemmt seinen Lauf um die Achse nicht, wenn auch das Werk, woran viele Generationen mit Fleiß und Ausdauer gearbeitet hatten, durch einen leisen Lufthauch in sich zusammenstürzt. Die Unklugheit des unglücklichen Königs Ludwig XVI, der dem Bürgerthum mehr Rechte einräumte, als ihm gebührte, hatte zur Folge, daß er und seine Gemahlin im Jahre 1793 auf dem Blutgerüste endigten. Seine treuen Diener mußten nach allen Himmelsrichtungen fliehen, um den Emporkömmlingen Platz zu machen. Auch Comte Pierre de la Pelouse, mein Ahn, verließ, mit seiner jungen Gemahlin das Vaterland, um das Unglück Frankreichs auf fremdem Boden zu beweinen. Erft als das erste Kaiserreich 1804 gegründet wurde, kehrte er in die Heimath, gebrochen und lebensmüde. zurück. Seine Gemahlin, die er innig geliebt hatte, starb in der Verbannung und ließ ihn mit seinen Söhnen Charles - und Edmond gebrochenen Herzens zurück. Er wohnte auf seinem Gut Saint Andrö und lebte in strenger Abgeschiedenheit, fern von dem geräuschvollen Treiben der Politik. Seine Söhne waren hinsichtlich ihrer Erscheinungen wie der Bildung und ihrem Character grundverschieden von einander. Der ältere Charles war eine kräftig gegebaute Gestalt, eine echt ritterliche Erscheinung, voller Frohsinn und Heiterkeit, feurig und lebenslustig mit einem Worte: ein echter Pelouse." (Fortsetzung fogt.) ffec » raeltt" erscheint wöchentlich zwei««!, Montag- und Donnerst«--, jedermal in mindesten» zwei Bogen, streit de» Jahrgang» für Deutschland und Oesterreich IS RetchS-Mark, für'» «»Sländ K Reichs-Mark. Man rtwnrht gaaz. jichrig, halhjähr^ »der vierteljährig. UL« Buchhandlungen und Postämter nehme« BestAlunge« au. — Durch de» -«-Handel M dexiehe» det C. /. Steinach«*. Letpst-. -»-Hatz 1t. — Inserate Sv Pfennig die viergespaltene stetttzeü« »der deren Raum. — Oestrnceichisch« Banknote» laut Cour». — Direkte Krancozusendung unter Streifbarch pro Jahrgang für Deutschland u»d Oesterreich 14 Reichs-Mark »der 8 fl. ßsterr., für'» Ausland 1» Reichs-Mark, an die Expedition franco etryujenden. Eine NÜRsendnn- »m n» die Redaktion eingesandten Manuskripte« findet nicht statt, »an dittrt deOhald fich non alle« Dinsendnnge« eine Copie znrückznbehalte». Inhalt (Hauvtblatt): Leitender Artikel: Freitag-Abend ohne .Sabbat. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Marburg. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Prag. —Vereinsnachrichten: Frankfurt a. M. — Vermischtes. Feuilleton: „Der Letzte seines Stammes." Erzählung von Alphonse de la Haye. Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Die Juden in Transvaal. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Amerika: Baltimore. — Personalien: Kempen. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Italien: Rom. Rußland: Petersburg. Egypten: Alexandrien. — Literarische Notiz. — Personalien: Nürnberg. Verantwortliche Redaktion: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition de» »Israelit", Schottstraße 9tr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hofblichdruckerei,8lctien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilage«.