Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1896-01-23 · Heft 7 (23.1.1896) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 7 (23.1.1896)
Date
1896-01-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448608-2448616--41141-2490085
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

i ' S 134 Das wäre allerdings sehr bequem und in den Augen flacher Weitlinge auch sehr nothwendig. Denn sie fühlen es instinktiv heraus, daß die verminderte Ehrerbietung der Kinder vor den Eltern trotz aller wirklichen und vermeintlichen Bildung und Schulung in innigem Zusammenhang mit der Discreditirung des Sabbat steht. Die Heiligung des Sabbat und die Ehre gegen die Eltern stehen doch wohl nicht so ganz ohne Ursache nebeneinander auf den Tafeln des Bundes und Zeugnisses, die Gott seinem Volke gereicht. Einen höheren Willen über sich anzuerkennen und sich ihm zu fügen, diese unerläßliche Voraussetzung der Verehrung der Eltern durch ihre Kinder, die brauchte in jener Zeit als die Verhältnisse noch unverändert waren, nicht erst durch trockene Morallehren gelehrt zu werden. Sie wurden durch die That geübt. Das Kind sah, daß die Eltern den Gehorsam, den sie von ihm verlangten, selber übten, sobald es der höhere, göttliche Wille verlangte. Sie stellten somit an das Kind keine Forderungen, die ste gegebenen - Falles selber nicht erfüllt hätten. Das Aufstehen der Ellern und ihr Niederlegen, ihre Kleidung, ihre Speise und Trank, alles Genießen und alles Versagen, kurz jeder Schritt und jede Bewegung des täglichen Lebens vollzog sich unter dem Diktat eines höheren Willens. Nirgends aber trat dieser Gehorsam offenkundiger zu Tage, als am Sabbat durch die Einstellung jeder Werkverrtchtung. durch huldigende Zurückgabe des Erwerbs- und Genußlebens an denjenigen, der es für sechs Tage gewährt hatte. Das Kind hatte allwöchentlich das Elternbeispiel, die Elternthat vierundzwanzig Stunden ununterbrochen vor Augen, aus der es lernen, von der es absehen konnte, was es heißt sich willig und freudig einem höheren Willen fügen. Mit dieser durch die That geübte Gotteshuldigung eines willigen, heiteren Gottesgehorsams war es den Eltern leicht ohne trockene Morallehren ihre Kinder für den gleichen Gehorsam zu erziehen. Daß den Eltern dieser Gehorsam gegen Gott nicht widerwillig abgerungcn, daß er ihnen die heiligste Freude ihres Herzens, daß er der geistige Athcmzug war, welcher für den Druck und die Beengung des ganzen Werktätigen Lebens entschädigte und mit neuer Lebenskraft für die kommende Woche ausftattete, das sprachen ste durch den freudigen, festlichen Empfang aus, mit dem sie seinen Einzug, mit dem ste den Freitag-Abend feierten. Diese freudige Gotteshuldigung, die jeder Sabbat bedeutet, brachte Licht und Leben, Glück und Frohsinn in die jüdischen Herzen und Häuser, und dieser heiteren, lichten Sabbatstimmung gaben die Sabbatlichter symbolischen Ausdruck, mit welcher die Mutter das Haus erleuchtete, welches sie für den Empfang der Königin Sabbat hergerichtet hatte. Diese Ruhe, diese Seligkeit verbreiteten die Sabbat-Engel, welche den Vater vom Gotteshause in seinen häuslichen Kreis begleitet hatten. Es sind nicht feierende, in beschaulicher Ruhe oder in erkünstelterSchwärmereiverzückteEngelsgestalten, welche die Familie mit ihren ^w-Gruß singend und jubelnd in ihren Kreis laden. Es sind mtca 13*60 jrty »3160, es sind dienende, im Dienste des Höchsten stehende Engel, die kraftgerüstet dastehen, um der Gottesstimme ihren Gehorsam entgegen zu bringen. Und dem Schutz dieser Engel wissen sich Mann und Weib, Groß und Klein unterstellt, die demselben Höchsten dienen, in dessen Dienst sich auch die Engel Gottes bewegen. Dieses Bewußtsein nimmt ihnen die Sorge ab, hat sie mit den Wochentagskleidern auch die Wochentagsgedanken ablegen lassen und läßt ihren den Sabbat-Engeln entbotenen Friedensgruß in die heitere Zuversicht ausklingen : innn 'n *pi,i ba *pdk6 mir va*6o »3 nyi nnyo „Seinen Engeln entbietet Er dich, dich zu hüten auf all deinen Wegen. Gott wird über deinen Ausgang und deinen Eingang wachen von nun ab bis in Ewigkeit." Für dieses reine, heitere Gottesglück ist die Menschenbrust zu eng. es weitet das Herz und drängt die Hand der Eltern auf das Haupt ihrer Liebespfänder, wie um auch auf sie einen Theil der Segensfülle zu übertragen, an welcher sie sich so reich mit ihrem Sabbat wissen. Und wie lautet der Segen, der sich in dieser Stunde aus dem bewegten Herzen über die segnenden Lippen ringt? „Gott möge die Knaben wie Ephraim und Menatse und die Mädchen wie Sara und Rebekka, wie Rahel und Lea werden lassen!" Reich, überreich ist unsere Geschichte an hervorragenden Männern und Frauen, aus deren Lebensgeschick uns Gottes liebende Nähe, seine Gnade und sein Segen in mannigfachster Weise entgegen leuchten. Aber wenn die sinnige Vätersitte ihren Elternsegen gerade an diese leuchtenden Gestalten knüpfte, so legt sie uns durch diese bloßen Namen die Bedeutung, den inneren Kern dieses Segens nahe. Ephraim und Menascheh waren die beiden Enkelsöhne Jakobs, die in der fernen, fremden heidnischen Umgebung geboren und erzogen waren, die trotz ihrer hohen sozialen Stellung die väterliche Eigenact auch in der Fremde bewahrten und bewährten, welche trotz des verderblichen Beispiels ihrer Umgebung nichts von der Lauterkeit ihres Charakters und ihrer Sittlichkeit einbüßten-so mögen unsere Knaben wer-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.