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Der Israelit · 1896-01-23 · Heft 7 (23.1.1896) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 7 (23.1.1896)
Date
1896-01-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXV». Jahrgang. M 7. Der Israelit. Ein Eenlrat-Hrgan für das ovißoboxe ZudenLHurn. Begründe von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 23. Januar 5656 (1896), Leitender Artikel. Ireilag-Aöend ofine Sabbat. Berlin, 22. Januar. Das ist das allerneueste, das ein Rabbiner Dr. Biach in Brüx mm Besten giebt und zwar in einem Aufsatz: „Die Freitag ab end-F eier." Man hat von Rabbinern dieses Schlags nun schon größere Ungereimtheiten gehört und geles.n. Es verlohnte sich deßhalb nicht der Mühe darüber ein Wort zu verlieren, wenn dieser Anlaß nicht einen Gradmesser für die Gedankenlosigkeit einiger jüdischen Zeitungen abgäbe, welche diese Ausführungen treuherzig Nachdrucken und sie als goldene Worte ihren Lesern zu beherzigen empfehlen. Trockene Morallehren seitens der Eltern und Lehrer, meint der in Rede stehende Aufsatz, vermögen bei dem Kinde nicht so v.ele heilige Gefühle zu wecken, als die Vaterhand, welche sich segnend am Freitag Abend aus das Haupt der Kinder legt. Den Verfaffer ergreift noch heute eine heilige Scheu, wenn er daran denkt, wie sein Vater ihm segnend die Hände auf's Haupt legte. Deßhalb müßte zum Heil unserer Kinder die Freitagabend-Feier wieder etngeführt werden. Tue Feier ist heute trotz unserer veräudertenVerhältnisse möglich, ja notwendig. Der Verfasser ka-n es sich nicht versagen, als Beweis für die Bedeutsamkeit der Freitagabend-Feierdie Worte einer geborenen Christin, der Frau Nahida Remy, anzuführen, in welchen es u. a. heißt: „Gesetzt aber der Fall, der übereifrig Geschäftige käme wirklich erst um 8 Uhr nach Hause, was bindert ihn den Rest des Abends noch feierlich zu begehen?" £-J; Zum Schluß wird es als Ausgabe der Rabbiner bezeichnet, sowohl auf der Kanzel als im privaten Verkehr darauf hinzuweisen, welche hohe Bedeutung eine würdige Feier des „Freitag Abend" für das Gemüth unserer Kinder hat. Man sollte glauben, die Ausgabe des Rabbiners beschränke sich nicht darauf dem Freitag Abend, sondern der Feier des ganzen Sabbat zu ihrem Rechte zu verhelfen. Wenn eine christliche, Juden und Judenthum wohlwollende Schriftstellerin glaubt, man könne den Freitag Abend feiern, auch wenn man erst um 8 Uhr Abends aus dem Geschäfte kommt, so kann man diesen Jrrthum begreiflich und verzeihlich finden. Aber wenn ein Rabbiner diese Ansicht vertritt, so ist das doch eine ganze abnorme Ungeheuerlichkeit. Die Famllien, welche die Weihe und Feier des Freitag Abend eingebüßt haben, haben auch längst vorher den Sabbat preisgegeben. Mit der Wiederheiligung des Sabbat wird die Weihe des Freitag Abend 60 ipso wiederkehren. Ohne jene ist diese eine Blülhe ohne Blume, eine Flamme ohne Docht, kurz ein Phantom ohne Wirklichkeit. Die Sabbat entweihende Elternhand kann nicht segnend auf dem Haupte des Kindes ruhen. Sie läugnet durch ihre Werkrhätigkrit den Segen, den sie ertheilen möchte, yivn dv nn x ■pm im« npM Gott, der den Sabbat gestiftet, hat seinen Segen an diese Heiligung des Sabbat geknüpft. Ohne Sabbatheiligung giebt es keinen Sabbatsegen. Und diese Freitagabend-Feier, wäre trotz unserer veränderten Verhältulffen heute möglich, und nothwendlg? Nothwendig mag sie sein, aber möglich ist sie mit Nichten. Man braucht nur dasjenige mit dem rechten Namen zu nennen, was hier verblümt durch „unsere veränderten Verhältnisse" angedeutet wird, um über .diese Unmöglichkeit jeden Zweifel auszuschließen. Diese Phrase will ja in Wirklichkeit nichts anderes sagen, als: Obwohl wir uns vom Sabbat, von der Werkeinstellung, von der Ruhe und Heiligung des Sabbat emanciptrt haben, obwohl wir uns und andere bereden, man könne es heute mit dem Sabbat nicht mehr so ernst nehmen wie in früheren Zeiten, so könne man doch die Weihe und Herrlichkeit, den Segen und das Familienglück, welches dem Juden der Freitag Abend bedeutet, beibehalten.

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