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Der Israelit · 1896-01-10 · Heft 6 (10.1.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 6 (10.1.1896)
Date
1896-01-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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127 des Staates gesetzt, sie gleichen Theil an dem nationalen Ruhme genommen, und auf denselben Schlachtfeldern mit ihren Mitbürgern geblutet hätten". Der Herzog von Wellington, der gegen die Emanzipations-Bill sprach, konnte doch nicht umhin, den Juden das folgende Zeugniß *u geben: „Man hat gesagt, daß nicht weniger als 15 Offiziere jüdischen Glaubens in der Schlacht bei Waterloo gedient haben, auch ich habe gac manche Offiziere dieses Glaubens von großem Verdienste und Auszeichnung gekannt". Wenn er dennoch dagegen war, so geschah dies nur, wie er ausdrücklich ausführie, von seinem hochkirchlichen Standpunkte aus, nicht aus irgeno welchen Gründen gegen die sittliche oder moralische Qualifikation der Juden. Stolberg, 18. Januar. Am letzten Sonntag fand Hierselbst ein »üdisches Begräbniß statt. Eine große Menge Zuschauer hatte sich dazu eingefunden. Leider aber benahm sich ein Theil dieser Zuschauer in einer Weise, wie man es nicht hätte für möglich halten sollen. Der Trauerzug wurde vielfach verhöhnt; als derselbe auf dem israelitischen Kirchhofe, dem sogenannten trockenen Weiher, anlangte, erreichte der Lärm seinen Höhepunkt. Ja, als der gebeugte Gatte am Grabe zusammenbrach, sollen Steine und Erde nach ihm geworfen worden sein. Wir konnten und wollten vorstehenden uns zugehenden Bericht fast nicht glauben, aber die katholische „Volkszeitung" bestätigt denselben. Sie bezeichnet das Verhalten des Pöbels am Kirchhofe als geradezu „kannibalisch" und fügt hinzu, daß die verstorbene Frau sowie die ganze Familie allgemein geachtet und beliebt gewesen. Die Entrüstung unter der Einwohnerschaft Stolbergs ist denn auch allgemein. AuS Untcrfranker» Ein gewisser im Talmud sehr bewandeter jüd. Apostat Fe in der g aus Rußland, der angeblich in Rotterdam, Holland, eifrige Missionshandlangerdienste leisten soll, treibt sich in unserem Regierungsbezirke, um die jüd. Mttdthäti keit durch falsche Papiere zu prellen, als ein — "inn reuiger Bekehrer, unter heuchlerischer Maske herum. Nach Empfang seines reichlichen Obolus lachte derselbe, wie manche andere und ähnliche, in einem nichtisrael. Hotel sich restaurirend, sich verschmitzt ins Fäustchen über den ihm gelungenen Coup. — Darum sei doppelt Vorsicht am Platze und wird das vom israel., mildthätigen Publikum vor solchen und ähnlichen rafstnirten Schwindlern gewarnt! P. Wien. Der soeben erschienene „Bericht über die Verwaltung der Armenanstalt der hiesigen israelit. Kultusgemeinde im Jahre 1894" verzeichnet die Thatsache, daß, während Wien mit Umgebung im Jahre 1857 14,000 bis 15,000 israelitische Einwohner zählte, nach der Volkszählung im Jahre 1891 aber deren 132,000 besitzt, die Mitgliedsbeiträge der Anstalt seit dem Ende der fünfziger Jahre um fast den dritten Theil ihrer damaligen Höhe herabgesunken sind. Lebensversicherungs-Gesellschaft zu Leipzig, auf Gegenseitigkeit gegr. 1830 (alte Leipziger). Das Jahr 1895 verlief für die Gesellschaft in jeder Beziehung günstig. Der Zugang an neuen Versicherungen war erheblich größer, der Abgang durch Tod sowohl wie durch Rückkauf wesentlich niedriger als im Jahre 1894. Es sind 1895 6445 Versicherungen über 49,038,200 Mk. beantragt worden, 3,335,800 M. mehr als im Vorjahre. Als gestorben wurden angemeldet 849 Mitglieder, die mit 5.022,750 M. versichert waren (170,000 M. weniger als 1894). Der Versicherungsbestand stellte sich Ende 1895 auf 64.300 Personen mit 458 Millionen M. Versicherungssumme (2488 Personen und 27,548,150 M. höher als Ende 1894), das Vermögen auf 133 Millionen Mgegen 123 Millionen M- Ende 1894. l Der Rechnungsabschluß für 1895 dürfte hiernach wieder j außerordentlich günstig auSfallen. Für fällig gewordene Versicherungssummen sind bis jetzt ausgezahlt 91 Millionen M., als Dividenden an die Versicherten gewährt 45 Millionen M.; Dividendenreserven in Höhe von 22 Millionen M. liegen zur weiteren Vertheilung an die Versicherten bereit. Bei der alten Leipziger Gesellschaft, die eine reine Gegenseitigkeirsanstalt ist, stießen alle Ueberschüsie den Versicherten wieder zu. Die Dividende der letzteren beträgt für die länger als 5 Jahre bestehenden Versicherungen im laufenden Jahre 42 pCt. der ordentlichen JahreSprämie und bei abgekürzten Versicherungen außerdem 1*/» PCt. der Summe der gezahlten Zusatzprämien. ftettilletoiK. David Sperer. Historischer Roman ans der -eit de« dreißigjährigen Krieges, von 64) S. Kohr», Verfasser von „Gabriel". Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. UebersetzungSrechte in fremde Sprachen Vorbehalten. Rabbi Simon Spiro erreichte ein hohes Alter, er starb 1680. Die Grabstätten des Rabbis und des Prinrators auf dem alten Friedhofe in Prag sind noch wohl erhalten. Feisch Katz und seiner Frau war von Gott noch ein langes Leben und das für kinderlose Eheleute doppelt hohe Glück beschieden, dast beide im Laufe von drei Tagen — ohne vorhergegangene Krankheit —- starben und jeden von ihnen der herbe Schmerz allein zurückzubleiben erspart wurde. Wolf Dirnfurther erblühte in Prag ein unerwartetes Glück. Fradel Kuchenbäckerin, deren Lokal in der Meiselgassc er mit anderen Bachurim zu besuchen pflegte, hatte ihren alten Gatten, Neb Zodek Torne, dessen zweite Frau sie gewesen, verloren und war als nicht unvermögende, kinderlose, hübsche, zweiunddreistigjährige Wittwe, die sich und auch eine Familie ernähren konnte, zurückgeblieben. Sie war früh verwaist worden, hatte nie Geschwister oder nähere Verwandte besessen und glaubte wohl mit vollem Rechte, dast es höchst unvernünftig wäre ihr ganzes weiteres Leben eimsam zu vertrauern. Wolf Dirnfurther gefiel ihr und sie erkannte, daß sie auch ans ihn einen angenehmen Eindruck gemacht hatte, da der streng sittenreine Mann, seitdem sie Wittwe geworden, ibr weit mehr Aufmerksamkeit als ihren culinarischen Produkten, trotzdem diese bei ihm in hoher Werthschätznng standen, zuwandte. Sie erkundigte sich zunächst über seine Führung bei Feisch und Nttchomo Katz und nachdem sie dort befriedigende Auskunft erhalten, auch bei dem Dberrabbiner und, da auch dieser nichts anderes an ihm auszusetzen fand, als daß er ihn im Verdacht habe, zuweilen

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