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Der Israelit · 1896-01-10 · Heft 6 (10.1.1896) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 6 (10.1.1896)
Date
1896-01-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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126 waren von den Rabbinen verboten; aber es nützte . nehmen. Diese bestanden gewöhnlich aus einem nicht viel. Die im Mittelalter so wett verbreitete \ goldbesetzten Gürtel, Kränzen und Schleier. Die Lebenslust durchbrach alle ihre gezogenen Schranken. j So berichtet uns ein Chronist aus dem 14. Jahrhundert, daß stch in Köln am Rathhausplatz ein jüdisches „Tanzhaus" befand. Dieses stand neben — dem Hause des Rabbiners. In diesem Tanzhause gingen die Frauen, um mit ihren kostbaren Gewändern zu glänzen, hauptsächlich waren es die auch von den christlichen Frauen getragenen kostbaren Gürtel, welche den Hauptschmuck bildeten. Was die Spiele anbelangt, so fand das Würfelspiel, welches im Mittelalter so beliebt war, keinen Eingang bet den Juden, wohl aber das Kartenspiel. Namentlich nach dem Auftreten des „schwarzen Todes", der schrecklichen Pest, also nach dem Jahre 1349 gtnaen die Wogen der Lebenslust auch in jüdischen Kreise« sehr hoch. Auch von einem Spiel mit Nüssen wird uns berichtet, ebenso waren die Juden dem Schauspiel nicht abgeneigt. Wie sah es nun im Hause der Juden aus? Es ist uns eine Schilderung eines Chronisten aus dem 15. Jahrhundert erhalten, welche uns das Haus eines jüdischen Hochmeisters in Regensburg schildert. Das Haus hatte ein düsteres, verwittertes Anssehen. Um in die bewohnten Gemächer zu gelangen, mußte man durch einen mehr als 80 Fuß langen Vorhof, welcher auch am Sabbat nur schlecht beleuchtet war, und an eine Wendeltreppe führte. Diese mündete in eine Pforte, welche zu den Gemächern führte. Trat man durch diese ein, so strahlte einem eine Fülle von Lickt entgegen. Nach der weitereu Schilderung ,des Chronisten waren die fein polirten Wände reich mit Blumen geschmückt. Ter weißgescheuerte Fußboden war mit einem kostbaren Teppich geschmückt, während auf lum massiven Eichentisch, welcher mit einer blendend rothen Decke bedeckt war, der stebenarmige, blankgeputzte metallene Leuchter stand. Die Stühle hatten hohe goldverzierte Lehnen und waren mit kurzgeschorenem Sammet gepolstert. So sah es damals in Innern eines rerchen jüdischen Hauses aus. Redner wendete stch dann zur Schilderung der Gebräuche, welche bei einer jüdischen Hochzeit tm Mittelalter herrschten. Auch bei der Verlobung, bei welcher u. A. ein Reuegeld für den zurücktretenden Theil festgesetzt wurde, herrschten mancherlei eigen thümliche Sitten. Die Geschenke des Bräutigams an die Braut wurden gewöhnlich vom Gemeinderabbiner derselben überreicht. Der Geistliche redete die Braut etwa mit folgenden Worten an: „Höre mich an, Du holde, sehr schöne Braut, diese Geschenke sendet Dir Dein Bräutigam durch mich." Diese erröthete dann sehr uud beauftragte eine Dame ihrer Verwandtschaft, die Geschenke in Empfang zu Gebräuche bei der Hochzeit waren je nach den Ländern verschieden. Wir geben in Folgendem eine Schilderung einer jüdischen Hochzeit, wie solche in Mainz im 14. Jahrhundert statgefunden haben j soll. Es ist an einem Freitag-Morgen, und der Tag ist noch nicht angebrochen. Durch -die Gassen des Ghettos schreitet der Synagogendiener alias „Schulklopfer" begleitet von dem Rabbiner und; den Gemetndeältesten. Ihnen folgte eine Schaar j von Leuten, welche brennende Kerzen tragen und von einem Musikcorps bealeitet sind. Der Bräutigam wlid in feierlichem Zage nach der Synagoge geleitet, woselbst er den Ehrenplatz auf dem Almej mor erhält. Dann gehen die Kerzenträger wieder \ zurück, um die Braut aus ihrer Wohnung nach der Vorhalle der Synagoge zu geleiten, woselbst sie von einer Anzahl von Jungfrauen empfangen ] wird, welche anknüpfend an einem Psalmvers, Weizen unter die Menge streute. Die Braut eilt nun nach Hause, um ihr Festgewand „Kürsen" gei nannt, welches ein überwurfartiges Gewand mit 1 engen Aermeln war, anzulegen. Nach beendetem j Gottesdienst fand die Trauungsceremonte statt. Die Hochzeilsfeierlichkeiten dauerten mir Unterbrechung des Morgengottesdtenstes, bis Sonntag-Morgen. Das Festmahl fand wegen des Sabbats erst am Sonnabend-Abend statt. Bei dem Hochzeitsmahle? gingen die Wogen der Freude sehr hoch, und waren? es insbesondere der Mustkspieler und der „Maschallek",! Lustigmacher, welche größere Rollen spielten. Das ] Gründen eines neuen .Familienhauses wurde von! den Juden im Mittelalter mit besonderer Freude; begrüßt, weil das Haus eben die Zufluchtsstätte! vor den Verfolgungen der Außenwelt bildere. Das zahlreich versammelte Publikum dankte dem Redner durch lebhaften Beifall. Vermischtes. Berlin. Es mag nicht uninteressant sein, beute, wo immer wieder der Patriotismus der Juden in Frage gezogen wird, aus einem alten, halb vergessenen Buche „die! Verhandlungen des Englischen Parlamentes im Jahre 1833 über die Emanzipation der Juden" einige Aussprüche zu citiren von berufenen Autoritäten, mit denen die Freunde der Emanzipation kämpften. Sir Robert Grant zitirte zum j Beweise des Patriotismus und der Kriegstüchtigkeit der Juden die Erklärung des holländischen Generals Clhafse: „Dieser tapfere General giebt an, daß die unter seinem Befehle stehenden Juden bereit wären, die Citadelle, wenn er es verlange, in die Lust zu sprengen, und daß es in der Thal keine besseren Soldaten in der ganzen Armee giebt". Ferner zitirt Grant die Rede des französischen Unterrichtsministers, 4. Dez. 1834 in der Depuiirtenkammer: „welcher angab, daß, seitdem die konstituirende Versammlung die Juden auf einen gleichen Fuß mit den übrigen Unterthanen

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