Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 6 (10.1.1896)
- Date
- 1896-01-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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122 an die türkische Regierung mit dem Ersuchen gerichtet, man möge ihnen die Ansiedelung in Palästina und zwar in dem nicht zu übervölkerten Jordanthale gestatten, wo sie sich ausschließlich mit dem Ackerbau, dann mit der Vieh- und Seidenwürmerzucht beschäftigen wollen. Dieses Gesuch wurde unserem General-Gouverneur zur Prüfung und Begutachtung vorgelegt. UersonaNen. Berlin. Am 19 Januar waren es 25 Jahre, seit Hofrath Dr. Dembo in Petersburg sich als Arzt in den Dienst der leidenden Menschheit gestellt hat. Seine russischen Freunde haben beschlossen, den Tag als Jubiläumstag festlich zu begehen, an welchem er vor 5 Jahren zuerst die Ueberlegenheit der jüdischen Schächtmethode, deren Vertheidigung seitdem seine Lebensaufgabe bildet, auf dem Kongreß der russischen Thierschutzvereine dargethan hat. Den zahlreichen Ovationen, die ihm zu diesem Tage, dem 8. Febr., seitens seiner Freunde dargrbracht werden, wird sicherlich im Herzen die gesammte Judenheit in aufrichtiger Dankbarkeit sich anschließen. Rödelheim, 18. Jan. Herr M. Lehrberger, Inhaber der hiesigen hebräischen Buchdruckerei und Verlagsbuchhandlung von M. Lehrberger u. Cie., feierte dieser Tage das Jubiläum seiner 25jährigen Mitgliedschaft im Gemeinderaih bezw. der Stadtverordneten-Versammlung. Aus dieser Veranlassung wurde er in der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten durch Blumenspenden seitens seiner Kollegen und durch eine Ansprache des Bürgermeisters Strubberg geehrt, der den Jubilar wegen seiner Thätigkeit für das Gemeinwohl feierte. In derselben Sitzung wurde Herr Lehrberger zum ersten Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung gewählt. Dornheim, Mittelfranken. Herr Kultusvorstand I. L. Schönfärber, dem, wie wir bereits berichtet, anläßlich seines 70jährigen Wiegenfestes von Freunden, Bekannten und insbesondere von hies. Gemeinde große Anerkennung und Ehren zu Theil geworden, wurde bei der am 13. ds. MtS. stattgefundenen Vorstandswahl, als sichtbares Zeichen allgemeiner Werthschätzung abermals einstimmig zum Vorstände gewählt; derselbe steht bereits 36 Jahre diesem Amte vor. frum*« np» pro nvw w Gailiuge«. Schon wieder ist eine jener herrlichen Frauen in Israel, eine Perle im Kranze der >n ’iW, durch den unerbittlichen Tod uns entrissen worden. Frau Wwe. Fradel Wolf, geb. Gut in Gailingen, die einzige Tochter des einst in der ganzen dortigen Gegend hochgeschätzten Lehrers, EliaS Gut, ist im Alter von nahezu 70 Jahren in ein besseres Leben abberufen worden. Sie war eine begeisterte Anhängerin des echten, unverfälschten JudenthumS, fand ihre größte Freude darin, ihre Kinder, Enkel und sonstige Verwandten als echte, treue Juden zu sehen und zu wissen. Ihr liebster Gang war der Weg zum Gotteshause, nicht nur aml2"'i^, sondern bei jeder minnnNOp, ihre angenehmste Unterhaltung war die über ntcmpn umin und ihre beliebteste Lektüre die in EHp nQD und jüdische Zeitschriften, hauptsächlich des „JSraelit", dem sie seit seiner Gründung eine treue Anhängerin blieb. n"22in. Vermischtes. Cöl«. Vor kurzem wurde von hier berichtet, daß viele junge Leute, die noch strenge halten, beschlossen haben, jeden mctf aus Hirsch'S herrlichem Pentateuchkommentar den Wochenabschnitt durchzunehmen. Heute kann ich Ihnen berichten, daß dieser Plan seit 4 Wochen realisirt ist, und daß die jungen Leute mit Freude und Hingebung den packenden Worten dieses CommentareS lauschen, die Herr Lehrer Gut ihnen vorträgt, so daß das bis jetzt benutzte Schulzimmer sich bald als zu klein erweisen wird. Möge diese Vereinigung in immer ausgedehnterem Maße wachsen, blühen und gedeihen! Mögen auch an anderen Orten die Lehrer auch den der Schule Entwachsenen das Wort Gottes verkünden und unermüdlich darauf Hinweisen, daß unser Judenthum nicht als Reliquie aus alter Zeit zu behandeln ist, wie dies seitens vieler Vereine für jüd. Geschichte und Literatur geschieht, sondern daß es für die allernächste Gegenwart und die fernste Zukunft bestimmt ist. Mosbach, i. B, 12. Jan. Sie berichteten jüngst in Ihrer gesch. Zeitung, daß Lehrer Ackermann in Wiesloch sein 25jähr. Dienstjubiläum gefeiert hat. Manchen Ihrer geehrten Leser interessiert er vielleicht, daß auch die Gemeinde MoSbach i. B. ihrem Lehrer Hanauer, der seinen Dienst daselbst seit 25 Jahren bekleidet, an dtL'i 's eine ähnliche Feier bereitete. Nach Schluß des Gottesdienstes hielt Hr. Bez. Rabb. Dr. Löwenstein unter Zugrundlegung der Worte Jacobs ‘pmzij/ “WN na nj/T nnN eine zu Herzen gehende Ansprache an die vollzählig erschienene Gemeinde und an den Lehrer, worauf der Vorstand des Synagogen-Gemeinde in deren Namen dem Jubilar als Zeichen der Anerkennung einen werthvollen Pokal mit passender Inschrift überreichte. Der Dank des Lehrers Hanauer bildete den Schluß der schönen Feier, deren Veranstaltung der Gemeinde MoSbach zur Ehre gereicht. _ Feuilleton. J)er Letzte seines Stammes 5) Erzählung von Alphonfe de la Haye. 7. Capitel. Comteffe de la Peloufe. In dem mit aller Pracht und allem Luxus ausgestatteten Salon des Arztes lehnte in einem gepolsterten Sessel in vornehmer, eleganter Haltung die Comteffe de la Peloufe. Sie mochte wohl eine starke Vierzigerin sein. In ihrem Gesichte sind noch die Spuren der einstigen vornehmen Schönheit zu erblicken. Sie war von hohem, schlanken Wüchse; ihre Züge verriethen jetzt noch ihre classtsche, regelmäßige Bildung. Ihr schwarzes Haar, in welchem sich hier und da schon Silberfäden zeigten, war in dichten Zöpfen um das Haupt geschlungen; aus ihren dunkeln, großen Augen glühte ein fast noch jugendliches Feuer. Comteffe Delphine de la Pelouse war niemals vermählt gewesen, Ihr Vater, der Kammerherr Karls X. war, starb sehr früh und hinterließ seine einzige Tochter als Erbin seines Namens und