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Der Israelit · 1896-01-10 · Heft 6 (10.1.1896) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 6 (10.1.1896)
Date
1896-01-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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^dM^-HWWVWWWMMWWWWMDWW 120 Labe. Jakob Müller weilte, wie die hier eingeleiteten Recherchen ergeben haben, bis zum 23. vorigen Monats in Wien, wo er durch etwa ein halbes Johr vergeblich Versuche unternahm, sich eine Existenz zu gründen; auch in einem hiesigen Redakltonsbureau erschien der unglückliche Mann vor einigen Monaten, bat um Hilfe und erzählte gleichzeitig die traurige Geschichte seines Lebens, das nunmehr einen so entsetzlichen Abschluß gefunden hat. Jakob Müller war in Buczacz in Galizien geboren, jedoch schon als Kind nach Rußland gekommen und hatte daselbst das Mechanikerhandwerk erlernt. In kurzer Zeit hatte er es durch Fleiß und Sparsamkeit vom Gehilfen zum Meister gebracht und schließlich etablirte er eine große Mechanikerwerkstätte in Tiflis. Im Jahre 1891 mußte er in Folge des Answanderungs-Erlasies als fremdländischer Jude TiM verlassen; er verkaufte seine Werkstatt sowie das ganze Inventar derselben und oeponirte die dafür erhaltene kleine Summe bei der Tifltser Bank; als er aber T'.ftts verlassen hatte, gerielh er bald» in bittere Roth, die ihn zwang, die bei der Bank deponirte Summe zu beheben und sie bis auf den letzten Kreuzer für seinen und seiner Familie Unterhalt zu verwenden. Schließlich starb auch leine Frau und ließ ihn mit dem einzigen Sohne, einem vierjährigen Knaben, allein. Dieser Knabe war von geradezu auffallender Schönheit und selbst in den Straßen Wiens, wohin Müller nach langen Irrfahrten im Frühling dieses Jahres kam, erregte das blondgelockte Kmd Aufsehen. Der lebendige hübsche Knabe bildete einen grellen Kontrast zu dem von Noih und Sorge frühzeitig gealterten Mann; Müller versuchte alles Mögliche, um eine Stellung zu bekommen, anfangs als Mechaniker, schließl'ch wäre er aber bereit gewesen, jede andere, auch die niederste Beschäftigung zu acceptiren. Er war aber nicht im Stande, irgend etwas zu finden, denn in seinen Bemühungen hinderte ihn auch der Knabe. Derselbe hing nämlich mit emer solchen abgöttischen Liebe an seinem Vater, daß er keinen Augenblick ohne denselben bleiben wollte, und thaisächlich war Müller nie ohne den Knaben zu sehen. Die Sammlungen, die von Zeitungsredaktionen für ihn einpeleitet wurden, sowie die Unetrstützungen einiger Wiener humanitärer Institute fristeten dem Unglücklichen und seinem Sohne durch einige Monate das Leben, in der letzten Zeit aber erkrankte Müller auch noch und hätte eine Stelle, selbst wenn er sie bekommen hätte, nicht versehen können. Er wohnte in der Malzgasse Nr. 9, hier wurde er delogirt, verbrachte einige Nächte im Asyl für Obdachlose und wurde zuletzt aus Mitleid von emer Familie in der Floßgasse Nr. 9 ausgenommen. Dieser gegenüber äußerte er zu wiedeiholtenmalen, daß ,er seinen Sohn und sich erschießen werde; am 23. v. M. verließ er, wie erwähnt, Wien und erklärte, er werde nach Czernowitz fahren, um dort Hilfe zu suchen. In Czernowitz scheint es ihm aber nicht besser gegangen zu sein wie in Wien, und überwältigt von Jammer und Elend, hat der ehemals so glückliche Mechaniker aus Dfl s seinen furchtbaren Entschluß ausgeführt. Er har sich und seinen Sohn erschossen. Schweiz. Bafel, im Tebeth. „Ein neuer Zweig am Baum der Thora." Mit viesen Worten eröffnete letzten Samstag Herr Schwarz die Versammlung des Schaumre-Thora-Veretns. Wie, fragen wir uns da mit einem gerechten Erstaunen, „ein neuer Zweig am Baum der Thora," den wir schon längst verdorrt wähnten und dazu noch in Basel, m der kosmopolitischen, unzulammenhängenden Gemeinde, in der sich kaum ein Verein zu profanen Zwecken bilden läßt? Und doch hat sich das Unglaubliche ereignet: Aus allen Berussarten haben sich junge Leute zusammeugetban, „Schaumrim" der Thora zu werden. Ihr hohes Ziel bedeutet, einen geistigen und geselligen Mittelpunkt für jeden noch einigermaßen religiösen Israeliten zu bilden; die Mitglieder sollen sich durch gegenseitige Aufmunterung tu der Beobachtung der jüdischen Gesetze bestärken und sowohl durch eigene Gerstesschöpsungen als auch durch Aufnahme der Schöpfungen Anderer die Geselligkeit im Vereine heben. So verbindet sich hier das Angenehme mit dem streng Ernsten, bildet ein vollkommenes Ganze und verhütet Auswüchse, die dem hohen Ziele des Vereins nur hindernd entgegentreten würden. Doch ohne Leitung gmg auch Athen zu Grunde, und wir könnten gleichermaßen diesem Vrreine keine große Zukunft prophezeien, wenn ihm nicht die lenkende Hand bewährter Männer zur Seite ständen. In dankenswerter Wttse har sich nun Herr Dr. Cohn dazu hergegeben, dem Vereine helfend und lehrend an die Hand zu gehen. Er ist es eigentlich, der die erste Anregung zu seiner Bildung gab; er ist es, der über seinem Zustandekommen wachte; er ist es, der mit Aufwand von Zttt und Mühe dem Vereine eine dauernde materielle Basis schuf; er endlich ist cs, der das geistige Niveau der Vereinsmttglieder als Lehrer und Leiter der Diskussionen zu h-ben sucht. Kein Wunder denn, wenn Herr Dr. Cohn um allem feierlichen Gepränge zum ersten Eyrenmitgliede des Vereins Schaumre-Thora gewähli wurde. Sodann tfl mit Ehren zu erwähnen Herr Jos. Schwarz

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