Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 6 (10.1.1896)
- Date
- 1896-01-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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119 steht also darin etwas andres, als waS in vorstehendem Anschreiben enthalten ist. Sollte der Kultusminister die Verfügung des Provinzial-Schulkollegiums abgeändert haben, sv müßte man doch auch bei den städtischen Behörden davon Kenntniß erhalten haben. A. B. Berlin, im Januar. In einem eigenhändigen Schreiben von dem Vorstande der isr. Gemeinde zu Samotschin machte mir derselbe freundliche Mtttheilung von einer Ehrung, welche der Kriegerverein genannter Stadt dem vor 25 Jahren im Kriege gegen Frankreich im Lazareth zu Chatenois verstorbenen Sekondelieutenant Salt Cohn zu Thetl werden ließ, indem am 25. Tod:stage desselben eine Deputation des Vereins auf das Grab ihres tapferen Kameraden, dessen Leiche seinerzeit nach Samotschin übergeführt worden war, einen Kranz mit weißer Atlasschleife mit der Widmung: „In dankbarer Erinnerung, der Kriegerveretn" ntederlegte. Als Einjähriger hatte Sali Cohn fein Jahr in Stettin abfolvirt und wurde bei Ausbruch des deutsch-französischen Krieges 1870 als Unteroffizier eingezogen. Er machte nebst vielen Schlachten und Gefechten die Belagerung von Schlettstatt, Straßburg und anderen kleinen Vogesenfestungen mit, wurde wegen seiner Tapferkeit, nachdem er längere Zeit dienstthuender Offizier war, etwa November 1870 zum Sekondelieutenant befördert. Emst meldete er stch, obwohl nicht gesund, als Freiwilliger zur Ausführung eines schwierigen Auftrages. Er mußte aber seine Kräfte überschätzt haben, denn er mußte bald, schwer krank vom Platze ins Lazareth von Chatenois vor Belfort geschafft werden, woselbst er nach einigen Tagen, am 3. Januar 1871, verstarb. Im März während des Waffenstillstandes wurde die Leiche nach Samotschin gebracht und unter großer Behelligung aus Stadt und Umgegend beerdigt. Bonn, 18. Jan. (Bischof Reinkens über das Blutrituale.) Der kürzlich hier verstorbene altkatholische Bischof Dr. Joseph Hubert Reinkens richtete seinerzeit an den Ober-Rabbiner Leopold Lipschitz in Abauj-Szanto ein Schreiben über den Ritualmord, welches in der Rückübersetzung aus dem vom „Nemzet" mitgethetlten ungarischen Texte ins Deutsche lautet: „Ihr geschätztes Schreiben beantwortend, bin ich genöthigt, in Consequenz meiner Ueberzeugung meinem tiefsten Bedauern darüber Ausdruck zu leihen, daß sich auch in der Gegenwart — nachdem die historische Forschung jene Anschauungen längst über den Haufen geworfen und als entschieden falsch klargestellt hat, welche im Mittelalter die Folgen blinden religiösen Fanatismus gewesen find — noch immer Individuen finden, welche das alte Märchen auffctschen nnd zum Vorwand nehmen, um gegen die Mitglieder jüdischer Confesfion aufzureizen und dieselben zu verfolgen. Ich bin genöthigt, meinen Abscheu über diese Vorgänge auszusprechen, welche nur Schmach über diejenigen brinat, die den christlichen Namen führen, durch ihre Thaten aber beweisen, daß sie dieses Namens unwürdtq sind, der ihnen zur Pflicht machen würde, ihre Nächsten zu lieben wie sich selbst, und die wissen müßten, daß die Grundsätze und die Moral der christlichen Religion in denselben zehn Geboten enthalten sind, die aus der jüdischen Religion übernommen wurden. Ist doch auch der Begründer der christlichen Religion seiner menschlichen Natur nach aus dem jüdischen Volke hervorgegangen, und er bezeugte selbst der Samaritanerin gegenüber: Das Heil stammt von den Juden! (Johannes IV, 22.) Deßhalb ermahnt der Apostel die Christen in Rom: Seid nicht stolz gegen die Juden, die auch nach dem Standpunkte der Christenheit der göttlichen Offenbarung theilhaftig find! (Roma XI, 18.) Ich ermächtige Sie, von diesem Briefe beliebigen Gebrauch zu machen. Dr. Joseph Hubert Reinkens." Grätz i. Posen, 12. Jan. In der gestrigen Stadtoeroronetensttzung thetlte der Bürgermeister Bäentsch mit, daß der Stadtverorduetenvorsteher Kaufmann Herzfeld und der Stadtverordnete Bäckermeister Frost am l. Januar 1871 in die Stadtverordnetenversammlung etngetreten und derselben ununterbrochen angehört, somit auf eine 25jährige segensreiche Thätigkett zurückblicken, daß ferner der Stadtverordnetenvorstehrr Herzfeld als solcher nun schon seit 16 Jahren alljährlich wiedergewählt worden sei, und deßhalb Magistrat und Stadverordnete einstimmig beschlossen hätten, den Jubtlaren in Anerkennung der der Kommune Grätz geleistete« Dienste und zur dauernden Erinnerung Dankadressen zu überreichen. Letztere find künstlerisch und prachtvoll ausgcstattet. Aus Norddeutschlaud werden uns ganz eigenthümliche Vorgänge berichtet, die innerhalb der Verwaltung des im Jahre 1894 begründeten Vereins zur Unterstützung armer isr. Cultusbeamten „Ahawas Achim", (Präsident:Rabb. Dr. Rahmer,Magdeburg), vorgekommen sind und die es als geboten erscheinen lassen, den Mitgliedern die größte Vorsicht anzuempfehlen. so lange sie über die Vorgänge innerhalb der Vereinsleitung nicht genau unterrichtet sind. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Ci) Wien, 16. Jan. (Das Schicksal eines Ausgewiesenen.) Aus Czernowitz wird gemeldet, daß im dortigen „Hotel Galizien" der aus Wien zugereiste 52jährige Mechaniker Jakob Müller seinen l vierjährigen Sohn und dann sich selbst erschossen