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Der Israelit · 1896-01-16 · Heft 5 (16.1.1896) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 5 (16.1.1896)
Date
1896-01-16
Page
– (sequence 18)
Language
German
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106 mannsstand (Handel und Verkehr) gleichfalls hoch betheiligt ist. Man kann also mit Recht sagen: eine besondere Neigung und Veranlagung der Juden zur Verletzung der Strafgesetze ist in keiner Weise zu erhärten. — Gleichwohl schließt der Verfasser mit der Warnung an seine Glaubensgenossen vor einem selbstgefälligen Gehenlassen. Seine Arbeit, schreibt er, sollte geeignet sein, durch ihr Beweismaterial Vorurthetle zu zerstreuen; jüber sie sollte seine Glaubensgenossen auch anregen, dort mit aller Energie durch Erziehung und durch sozialen Einfluß einzugreifen, wo Schäden in den eigenen Reihen zu beseitigen bleiben. -r- Breslau, 13. Januar. Vor einigen Tagen verstarb nach längerem Leiden der wegen seines edlen und wohlthätigen Sinnes, nicht minder aber wegen seines dichterischen Talentes, in den weitesten Kreisen unserer Stadt bekannte Sanitätsrath Dr. S. Meyer. Der Verstorbene, welcher am 24. Juni 1821 zu Groß - Glogau geboren wurde, absolvirte seine medizinischen Studien in Breslau und Berlin und ließ stch darauf in den vierziger Jahren als praktischer Arzt in Breslau nieder. Als Sanitätsrath Dr. Meyer vor 41/2 Jahren, am 21. Juni 1891, seinen 70. Geburtstag beging, da konnte er noch in erfreulichster Frische die schier zahllosen Glückwünsche seiner Freunde und Verehrer entgegennehmen, und diese galten seinem Wesen und seiner hingebungsvollen Tätigkeit allein, zumal der Verstorbene unvermählt geblieben war. Hat er in seiner ärzlichen Thätigkeit, die er erst im Alter mehr und mehr einschränkte, dem weiten Kreise der sich ihm anvertrauenden Leidenden Hilfe und Linderung gebracht, namentlich in seiner Eigenschaft als Physikus der Oberschlesischen Bahn, so schuf er sich einen noch weit schöner klingenden Namen durch die mannigfache Art werkthätiger Liebe, die er allenthalben übte. Schon als Primaner hat er auf dem Gymnasium seiner Heimarhstadt Glogau eine Unterstützungskaffe für bedürftige Mitschüler ins Leben gerufen, die von ihm und seinen Freunden, als sie die Berliner Universität bezogen, in eine Unterstützungskasse für arme Studirende umgr wandelt wurde, so daß sich hieraus im Laufe der Zeit eine sehr segensreich wirkende Institution entwickelte. Auch durch die edlen Proben der ihm verliehenen Dichtungsgabe, hat er stch in Breslau besonders populär gemacht; er ist auch der Verfasser des Bundesltedes der „Gesellschaft der Brüder". Es ergab sich hieraus von selbst, daß Dr. Meyer zu literarischen Persönlichkeiten Breslau's in nähere Beziehung trat; mit Holtet, dem schlesischen Dichter, par excellence, verband ihn eine enge Freundschaft. Es fei noch erwähnt, daß er 1853 in Paris die Bekanntschaft Heinrich Heines machte. Besonderes Aufsehen erregte seine poetische Begrüßung der Deutschen Naturforscher in Breslau im S ptember 1874. Mit Dr. Meyer ist ein guter Mensch, ein Freund und Wohlthäter der Armen dahingegangen, ein warmherziger Patriot, ein liebenswürdiger Dichter. — Vorgestern, Vormittags 11 Uhr, fand von der Leichenhalle des israelitischen Friedhofs aus, unter lebhafter Betheiligung seitens weiter Kreise und Berufsstände unserer Stadt die Beerdigung des Heimgegangenen statt. Unter den Leidtragenden bemerkte man besonders viele Aerzte; vertreten waren A. die „Gesellschaft der Freunde", deren Ehrenmitglied der Verstorbene war, die „Gesellschaft der Brüder", der Zwetgverein der deutschen Schillerstiftuna u. a. m. Die Grabrede, welche in ergreifenden Worten der edlen Eigenschafen des Heimgegangenen gedachte, hielt Rabbiner Dr. Rosenthal. Die erhebende Feier wurde eingeleitet und abgeschlossen durch mehrere Gesänge des Synagogenchores des hiesigen neuen Tempels, welche vom Obercantor Steif - mann-Cerini dtrigirt wurde. München, 12. Januar. Der Verwaltungsgerichtshof verhandelte folgende Angelegenheit: — Gemäß § 39 der Statuten der israelitischen Kultusgemeinde Fischach soll die inzwischen nach Augsburg übergesiedelte Güterhändlerswittwe Sophie Löwenberg ein soa. Abzugsgeld entrichten, welches in dem dreifachen Betrage der im letzten Jahre der Kultusgemeindeangehörigkeit bezahlten Kultusumlage besteht. Der Anspruch der Kultusgemetndeverwaltung von Flschach gegen die Wittwe Löwenberg war vom Bezirksamt Zusmarshausen abgewiesen worden, wogegen die Kultusgemetndeverwaltung Beschwerde einlegte, die jedoch als unbegründet kostenfällig verworfen wurde unter Festsetzung der Beschlußgebühr auf 10 M. Nach den Motiven bildet die Zugehörigkeit zu einer Kultusgemeiude die Grundlage der Umlagepflichtigkelt und es ist. wie der Gerichtshof wiederholt ausgesprochen, nicht angängig, von ehemaligen Gemeindemitgliedern, Umlagen zu beanspruchen, die inzwischen Mitglieder einer anderen Kultusgemeinde geworden sind. Es muß hierin eine ungesetzliche Besteuerung erblickt werden, welche jeder gesetzlichen Grundlage entbehrt, weshalb auch der Bestimmung des 8 39 der Statuten der israelitischen Kultusgemeiude von Fischach eine Rechtswirkfamkeit nicht betgelegt werden kann. Würzburg, 12. Januar. Der „Israelit" hat stets das nur zu billigende Prinzip verfolgt, Mißstände im eigenen Lager zu rügen. Nur hierdurch kann Angriffen von innen und außen die Spitze abgebrechen werden. Ein Vertuschungssystem das vielfach von judenfreundlichen und Juden gehörigen Blättern getrieben wird, kann unserer Sache

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