Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1896-01-16 · Heft 5 (16.1.1896) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 5 (16.1.1896)
Date
1896-01-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448608-2448614--41103-2490045
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

dem Comitee für Erbauung eines Hospials in Palästiua an. Daß er während dieser Zeit Tausende und Abertausende für diesen hehren Zweck spendete, bedarf wohl keiner Erwähnung, und wie erfüllte es sein Herz mit hoher Freude, als er erfuhr, daß nach Jahrzehntelangem Ringen und Kämpfen endlich der kaiserlich-türkische Ferman eingetroffen sei, der die Erlaubniß zum Bau des Krankenhauses gab. Redner schilderte nun, welche werthvolle Kraft der Dahingeschiedene in dem Vorstände der Religtonsgesellschaft gewesen sei. Die Gesellschaft war der Mittelpunkt seines Schaffens. Für Alles, selbst das Geringste, was innerhalb der Gemeinde vorging, hatte er Jntereffe. Jüdisches non im Lichte der Thora, damit hat er den größten Theil seines Lebensausgefüllt. Die beiden letzten Institutionen, die wir seiner Initiative und zum größten Thetle auch seinen Mitteln verdanken, der Hörsaal für die Talmud-Hochschule und die Zubereitungsanstalt für die Osterbrode verklärten noch durch ihre guten Fortschritte den Abend seines Lebens. Während andere Menschen mit der Zunahme ihres Retchthums im Gemüthe immer ärmer, im Herzen immer härter und in der Ausübung der Vorschriften unserer heiligen Religion immer lässtger werden, wurde sein Herz immer weiter, sein Gemüth immer reicher und sein Sinn immer jüdischer. Die Folgen dieser Herr. Lichen Eigenschaften sehen wir in dem echtjüdtschen Geiste, in dem sein Sohn, seine Töchter und Schwiegersöhne leben. „Wenn i ch an der Kehilloh hänge," sagte Goldschmidt erst vor wenigen Wochen, „fr hängt mein Sohn noch weit mehr an derselben," als hätte er geahnt, wie gezählt seine Tage in der irdischen Laufbahn seien. Unsere Weisen erzählen uns, daß wenn ein bedeutender Mann in Israel starb, so legte man eine Seser-Thora neben seine Bahre und sprach: Jener hielt, was in dieser geschrieben steht. An diesen Bericht unserer Weisen werden wir heute erinnert, wenn wir sehen, wie Selig Goldschmidt neben unseren großen Meister, der heute vor sieben Jahren fast um dieselbe Stunde dahtngegangen, gebettet wird. O Du, ries der Redner aus, der Du bei uns hienieden bei allen Gelegenheiten stets ein Fürsprecher für uns gewesen bist, sei uns auch da oben ein iw* ^y, wir aber wollen unsere Wege untersuchen, um seinem Beispiele möglichst nacheifern zu können. Mit einer Mahnung zur Einigkeit und mit der Bitte, daß alle nur der einen wahren Richtung angehören mögen, schloß der verehrte Redner seinen Nachruf, der allseitig einen tiefen Eindruck erweckte. Hierauf ergriff der Direktor der Realschule der Israelitischen Reltgionsgesellschaft, Herr Dr. Mendel H i r sch das Wort zu einem ticfergreifenden Nachrufe, den wir an gesonderter Stelle in diesen Blättern zum Abdruck bringen. Herr Dr. Rosenbaum sprach im Namen der Verwaltung der israelischen Religtonsgesellschaft, der Goldschmidt als Mitglied ein Bierteljahrhunoert angehörte, den Dank dieser Gemeinde für alles Gute aus, das er ihr erwiesen, den er aber im Leben nie begehrt. Der Leitstern seiner Thätigkeit war die Liebe. Alsdann trat Herr Dr. Wer ne r. der Präsident der israel. Waisenanstalt vor die Bahre, um dem treuen Todte« im Namen der Verwaltung der Anstalt seinen Dank abzustatten. Zwetundzwanzig Jahre habe der Verblichene dem Curatorium des Waisenhauses angehört. Was er hier geleistet und gewirkt, das sei in kurzen Worten nicht sch.lderbar. Er könne nur sagen, daß die armen Waisen zum zweiten Male ihren Vater verloren hätten. Er wolle treu gelobe«, daß so oft der Name Selig Goldschmidt genannt würde, er die Erinnerung in Bezug auf seine Thätigkeit für die Anstalt wachhalten wolle. Hierauf widmete Herr Rabbiner Dr. B o n d i aus Mainz im Namen der dortigen israel. Religionsgesellschaft dem Verklärten Worte ungetheiltester Anerkennung und Bewunderung. Wenn Andere der irdische Erfolg blind und gefühllos macht, so seien die Augen Selig Goldschmidts durch die Glücksgüter, die ihm der Allgütige gewährt, noch mehr geschärft worden, um htneinzusehen in die dunklen Hütten des Elends und um aufmerksam zu werden, wo Werke echt jüdischen Edelsinnes erwünscht und nothwendig seien. Der Redner schloß seine gehaltvollen Ausführungen mit dem Hinweise auf das Wort unserer Weise» ivp vni tin™ DDJ^nr 'oi k*i\ Der Btelbetrauerte sei ein wahrer Jtsroel gewesen, der überall, wohin er kam, Licht zu verbreiten wußte. Jetzt, da er gegangen, habe er zwar viel Licht mit htnweggenommen, doch sei sein Beispiel ein so gewaltiges, daß von seinem Andenken Licht ausströmen werde für alle Zeiten. Der älteste Enkel des theuren Verstorbenen, ein ungefährISjährtgerKnabe,Siegfried Schwarzschild, Sohn des Herrn Emil Schwarzschild trat nunmehr hervor, um unter Anlehnung an einige paffende Cttate aus Bibel und Talmud an der Bahre des Großvaters im Namen der Enkel zu geloben, daß sie seinem Beispiele stets und in allen Dingen zu folgen bereit seien. Herr Dr. Raphael Ktrchheim dankte namens der Raphael Ktrchheim-Stiftung, deren Direktor der Dahingeschiedene lange Jahre gewesen, für die Treue und die Sorgfalt, mit der er sich auch dieser Anstalt, welche den Bedürftigen Beiträge zur

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.