Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 5 (16.1.1896)
- Date
- 1896-01-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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SS seine Zahlungen eingestellt habe und Abraham Pelouse als Verwalter der Comteffe de la Pelouse auf daS Gut Saint-Andrö übergestedelt fei. Wie erfüllte ihn diese Nachricht mit Freude! Wie jubelte sein Herz! Endlich ist die Stunde der Rache etngetreten ... ach, wie daS wohlthut! Könnte er doch jetzt der frommen Judith entgegentreten und fie fragen, ob fie noch immer in der Religion ihr höchstes Glück erblicke! Sein Wunsch sollte bald in Erfüllung gehen. Als er an einem Abeud im Begriffe war, sein Lager aufzusuchen, erinnerte ihn seine Hausglocke an seinen Beruf. Er wurde auf daS Schloß Saint-Andrö gerufen; Herr Pelouse, der Verwalter, sei plötzlich erkrankt und liege sehr schwer darnieder, hieß es. Schnell kleidete er stch an. Ach, welch' süße Gefühle der Rache schwellten seine Brust und lieben sein Herz rascher schlagen! Aber eigenthümlich! Die Frau, die er zerknirscht und gebrochen von den vielen Unglücksschlägen zu sehen erwartet hatte, trat ihm hoheitsvoll und selbstbewußt entgegen. Die Religion, ihr Gottvertrauen ist ihr Trost und Zuversicht, und bildete ihren Halt in der Roth. Sie hat Retchthümer verloren, aber nicht ihren Glauben; der scheint tief in ihrem Herzen zu wurzeln. Er sah sie am Sterbebett ihres Gatten stehen, den sie mit Aufopferung und liebevoller Hingebung gepflegt; sie hörte, wie er ihrem Gatten versprach, ein liebevoller und gewiffenhaster Vormund seines Kindes sein zu wollen; aber fie zuckte mit keiner Wimper. Nur als ihr Gatte seine Seele aushauchte, da zerdrückte sie eine Thräne und mit sanfter Stimme und innigem Vertrauen auf Gott, sprach sie: „Gott ist ein gerechter Richter!" — Ja, er mußte noch mehr die Seelengröße dieser Frau anstaunen, als er einst ihre Schönheit bewundert hatte, und ohne daß er merkte, ging mit seiner Gesinnung eine Umwandlung vor. Lucien, das verwaiste Kind seiner Schwester, das er einer christlichen Pension zur Erziehung übergeben hatte, nahm er zu sich, richtete eine streng rituelle Wirthschaft ein, hie und da ging er sogar in die Synagoge und ließ sich vom Rabbiner manche Gebote erklären. Zu den schönsten Stunden seines Lebens zählte er die, welche er in Gesellschaft Judith's und ihres Kindes verbrachte. Jetzt aber lag diese Frau, die einzige wahre Liebe seines Lebens, im Sterben; er zählte ihr Lebenszeit nur noch nach Stunden. Wehmüthige, trübe Gedanken erfüllten seine Brust. Soll er sie jetzt, nachdem er ihre religiöse Ueberzeugung fast gefunden hatte, wieder verlieren?- „Gott ist ein gerechter Richter!" murmelte er tief bewegt und richtete stch empor. Da klopfte es leise. Auf sein einladendes Herein ging die Thür auf und fein Diener trat in das Zimmer. „Die Eomteffe de la Pelouse", meldete er, „wünscht den Herrn Doctor zu sprechen. Ich habe die hohe Dame in den Salon geführt." „Es ist gut, Jules!" sagte er. Er warf einen Blick in den Spiegel und begab stch zu der Gräfin. (Fortsetzung sogt.) Der » r a e l i t" erscheint wöchentlich } t» e i ist * (, Montags und Donnerstags, jrdr4oral in mtttfecfgsrg ptd Vage». Preis WB Jahrgang» für Deutschland und Oesterreich Ist Reichs-Mark, für'» Ansland 1s Reichs-Mark. Ma» Ldnnniri ganzjährig, halbjährw »der vierteljäbrig. Alle Buchhandlung«, nnd Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Dnchtzandrl M M €. $. D1 etnack« r. Lrt-stg. MchDchntz 1». — Inserate Sb Pfennig die dtergefpalteue PettlxL« ab« deren Raum. — Oesterrrtchisch« Banknoten laut Eour». — Direct« Krancozufendung unter Streifband vro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark »der 8 fl. tsterr., für'» «usland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco etnzusenden. fHat MtttkfendnnW Nun «nt die Redactto« eingefandten Manuskripte» findet nicht statt. »<ut bittet deshalb stch de» allen Einfendnngen eine Copie znrückznbehalte«. Inhalt (Hanptblatt): leitender Artikel: Selig Goldschmidt ^„1. — Zei -:ngS mchrichteu u.Corresvo -bannen: Deutschland : WormS. Berlin. Vom Rhein. St. Ingbert. O,sterr.-Ungar. Monarchie: Lemberg. Grotzwardein. Budapest. Preßburg. Ungvar. Schweiz: Zürich. — Personalien: Czernowitz. Wongrowitz. — Vermischtes. — Feuilleton: „Der Letzte seines Stammes." Erzählung von Alphonse de la Haye. Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Das Leichenbegängniß Selig Goldschmidt's. — Literarische Notiz. — Vermischtes. — Feuilleton: David Speier. Historischer Roman au8 der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Von S. Kohn, Be - faffer von „Gariel". (Fortsetzung). Inhalt der zweite» Beilage: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. BreSlau. München. Würzburg. Burgpreppach. Rumänien: Constanza. Inhalt der dritte« Beilage: Leitender Artikel: Worte an der Bahre von Selig Goldschmidt, gesprochen von Direktor Dr. Mendel Hirsch. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Posen. Wreschen. Jnowrazlaw. Gailingen. Aus Baden. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des .Israeli!", Schotrüraße Nr. L. Mainz. Druck und Verlag der Jyh Wirt-'ichen Hofbnchdruckere'.Aelien-GefeMchasi in Main.,. Hierzu drei Beilage«.