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Der Israelit · 1896-01-16 · Heft 5 (16.1.1896) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 5 (16.1.1896)
Date
1896-01-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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95 Ferrilleto». Der Letzte seines Stammes Erzählung von Alphonfr de la Hane. 4) „Kann ich das Vergnügen haben, das gnädige Fräulein zu sprechen?" fragte er mit bebender Stimme. Susann« maß ihn mit einem erstaunten, halb mißtrauischen Blick; dann nickte sie langsam mit dem Haupte und führte ihn in das Empfangs» zimmer. „Wollen Sie sich hier einige Augenblicke ge» dulden? Ich will Judith berichten, daß Sie mit ihr zu sprechen wünschen." Sie machte einen tiefen Knlx und verlieb das Zimmer. Er blieb allein zurück. Ein mächtige Aufregung ergriff ihn, das Blut jagte mit rasender Geschwindigkeit durch seine Adern und die Besinnung drohte ihm zu schwinden. Es kam ihm vor, alS fei er an dem Wendepunkte seines Lebens angelangt und daß ihm im nächsten Augenblick daS Leben oder der Tod verkündet werde. Plötzlich vernahm er das Rauschen eines Kleides; die Thür ging auf und Judith trat in das Zimmer. Er mußte seine ganze Kraft zusammennehmen, um sich zu beherrsche». Er ging ihr einige Schritte entgegen und sie begrüßte ihn mit holdseligem Er» röthen. „Ich vermuthe", lächelte Judith, „daß Sie wiederum ein unbemittelter, verlassener Kranke hterherführt. Es ist schön von Ihnen, daß Sie sich mit solchen wohlthätigen Werken befaffen nnd Sie sollen nicht vergeblich bei uns angeklopft haben!" Die Wallung seines Blutes stockte, er wurde leichenblaß. Also bloS als einen um Hilfe Flehenden empfing fie ihn? Er zwang sich zu einem Lächeln. „Sie haben Recht, gnädiges Fräulein" begann er mit tonloser Stimme. „Ich wollte Sie um Hilfe für einen Kranken anflehen; nur ist diesem Kranken mit Geld und sonstiger Unterstützung nicht gedient; denn dieser Kranke bin ich selbst!" Seine Stimme wurde voller und feuriger und mit bebenden Lappen entwarf er ihr ein Bild seiner Liebe und seiner Leidenschaft und flehte um Erhörung. Bestürzung, Schrecken und Verwunderung zugleich malten sich in Judith's Zügen. »Ich fühle mich durch Ihren Antrag sehr geehrt", rang es sich aus ihrem beklommenen Herzen empor. „Allein, ich muß vorläufig diese Ehre ablehnen, denn unsere religiösen Ueberzeugungen gehen ua weit auseinander. Sie gehören nur dem Namen nach noch dem Judenthume an, während ich in treuer Pflichterfüllung der Gebote unserer Religio« erzöge« worden bin." „Aber sonstige Gründe würde» Sie von einer Verbindung mit mir nicht abhalten!?" rief er mit leidenschaftlichem Erglühen und Entzücken auS. — „AL wie glücklich machen Sie mich. Judith! Ihne« zu Liebe könnte ich ja selbst Heide werden, umwie» vielmehr gesetzestreuer Jude!" Judith zuckte unwillig mit den Schultern. „Nicht mir zu Liebe!" hemmte sie den Strom seines Entzückens, „sondern sich selbst zu Liebe! Versuchen Sie es, sich von der Wahrheit der Religion, in welcher Sie aufgewachsen und groß geworden sind, zu überzeugen, und wenn Sie finden, daß Sie die Gebote dcr Religion mit Liebe und Ueberzeugung erfüllen, dann fragen Sie an, ob mein Herz noch frei ist!" Mit einer stillen Verbeugung verließ fie das Zimmer. Wie von jähem Blitze getroffen, zuckte er zusammen; mit schwankenden Schritten, voll bitterer Gefühle im Herzen verließ er das Haus. Auf einen solchen Ausgang war er nicht vorbereitet. Aus Ueberzeugung religiös werden? Versprach er nicht, ihr zu Liebe, von seinen bisherigen Gewohnheiten, von seiner Behaglichkeit lassen zu wollen? Erklärte er nicht die Last, daS Joch der jüdischen Gesetze, er erinnerte sich in jenem Augenblick derer sehr viele, geduldig tragen zu wollen? Und Alles ihr zu Liebe.was will sie noch mehr? Er soll auS Ueberzeugung die Gebote üben! Ja, wie soll man diese Ueberzeugung erlangen, wenn man sie nicht besitzt, wenn man sich niemals Mühe gab, diese zu besitzen? Und ihm selbst zu Liebe soll er religiös werden? Lächerlich! Er mußte laut auflachcn. Ihm war die Religion von jeher gleichgiltig gewesen; sie hatte ihm niemals viel Kopfzerbrechen gemacht .... und jetzt soll er stch selbst zu Liebe religiös werden? Nein! nein! hassen will er von jetzt ab die Religion, die ihm bisher gleichgiltig war, denn sie hat eine Schranke zwischen ihm und seiner Liebe, seinem Lebensglück errichtet! 6. Capitel. Gott ist ein gerechter Richter. Jahre waren verfloffen. Judith war schon längst mit dem Banquier Abraham Pelouse vermählt, als Doctor Blum sich als Arzt in R....mon niederließ. Er lebte einsam und zurückgezogen, Gott und der Menschheit grollend, nur noch der Ausübung seines Berufes. Da drang die Nachricht zu ihm in seine Einsamkeit, daß das HauS Pelouse

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