Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 5 (16.1.1896)
- Date
- 1896-01-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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-4 hetlanstalte» mit Patienten überfüllen. Wettere interessante Gesichtspunkte erschloß der Redner bei der Betrachtung der Speisegesetze. Er theilte dieselben ein in 1) Verbot des Blutgenuffes, 2) Verbot der Thiere, die nicht gespaltene Klauen haben und nicht Wiederkäuen, 3) Verbot der Berührung von Leichen unreiner Thiere; endlich 4) Verbot alles Zerrissenen und Gefallenen. Leider können wir hier dem Redner nicht in's Einzelne seiner Ausführungen folgen, in welchen er in engstem Anschluß an die Lehrmeinungen der modernen Hygiene die vortreffliche Eignung jener Verbote zur körperlichen und geistigen Gesunderhaltung deS Volkes nachwies. — Schließlich ging der Redner noch auf eine Reihe von Vorschriften ei», welche sich alsMatzregeln gegen infektiöse Krankheiten und Ansteckungskeime herausstellten und die nur in den modernen Lehren des Asepsis und AvthtsepstS ihres Gleichen fänden. Ucberraschend war die Demonstrirung deS Hohepriesters als oberste Sanitätsbehörde. Zwischen dem Priester- Arzt, der sich bet den Epidemien «mit seinem Räucherwcrk zwischen Lebende und Todte stellte", zwischen den verschiedenen Arten der mit „Reinigung" von Personen und Geräthe» nach Berührung mit Leichen, der jeweiligen Ziffern-Angaben der Todesfälle nach „Seuchen", kurz zwischen all den minutiösen Reinigungsvorschriften der Bibel einerseits und den Verordnungen einer gewissenhaften Sanitätspolizet von heute mit ihrem Desinfettonöverfahren und ihrer Todten-Statistik bet Epidemien läßt sich, so schloß der Redner, ein Vergleich ziehen, der einen großartigen Triumph des Gotteswortes bedeutet. Nicht eine jener Institutionen der Jsoltrbaraken. Quarantäne, Exkrementenversorgung u. s. w. die nicht wie eine Nachahmung irgend einer biblischen Vorschrift sich ausnähme! — — Der stürmische Beifall, durch den die Anwesenden ihre volle Zustimmung zu den Ausführungen des verehrten Redners zu erkennen gaben, berührte uns freilich etwas seltsam, da unser heiliges Gesetz in hiesiger Gemeinde keineswegs eine ideale Achtung findet! man *mn. > Personalien, -f Czeruowltz. Am 5. Januar verschied hier nach schwerem Leiden Frau Rosa Stanger, Gattin des Großindustriellen Herrn Jacob Stangerim Alter von 72 Jahren. Mit dem Hintritte dieser Frau bat unsere israelitische CultuSgemetnde den Verlust eines ihrer vornehmsten Mitglieder zu beklagen. Die Verstorbene war im vollsten Sinne des Worte» eine d'N nt£W. Sie konnte mit Recht eine rown nuw in des Wortes edelster Bedeutung genannt werden. Vor ca. 36 Jahre gründete sie im Vereine mit ihrem hochverehrten, hochherzigen Gatten Herr Jacob Stanzer ein eigene» Gotteshaus, das den Namen apy» rva trägt, und I welche» dem neu begründeten apy* rvll-Vereine als Eigenthum in munificenter Weise ubergeben wurde. Da da» Gotteshaus nur ca. 100 Personen faßte und besonders an den hohen Feiertagen als zu klein sich erwies, ließ das Stanger'sche Ehepaar dasielbe vorige» Jahr vergrößern und verschönern. Dem Leichenzug folgte ein überaus zahlreiche» Publikum von Freunden und Bekannten. Die Herren Oberrabbiner Dr. Rosenfeld und Stadtrabbiner Weiß widmeten der Dahingeschirdrnen tiefempfundene Nachrufe. .Taswn Wougrowitz, 12. Januar. Am 2. Januar ist Frau Paultne Rothmann, geb. Caro, im 89. Lebensjahre nach kurzem Leiden in ein besseres Leben eingegangen. Au» einer frommen und gelehrten Familie hervorgegangen, — der Vater und Großvater waren Rabbiner —, blieb die nunmehr Verschiedene den Traditionen ihren Vorfahren bis zu ihrem Lebensende stets treu. Wahre, ungeheuchelte Frömmigkeit, ein mildthätiger Sinn, ein reges Interesse für alle» Gute und Edle bildeten die Grundzüge ihre» Charakters. Mit irdischen Gütern reichgesegnet, griff sie überall helfend und unterstützend ein, wo die Verhältnisse es nur irgend erforderten. Al» Vorsitzende de» jüd. Frauen- Vereins hier war sie stet» bestrebt, seine Jnteresirn mit großem Eifer zu fördern, und die segensreiche Wirksamkeit desielben bereitete ihr wahre Herzensfreude. Sie erfreute sich allseitiger großer Achtung und Liebe, wie e» sich so recht in der allgemeinen Theilnahme an dem Sonntag den 5. d. Mt», erfolgten Leichenbegängnisie dokumentirte, da» sich zu einem ganz imposanten gestaltete. Daß bei dieser Gelegenheit die Armen aller Confesstonen reichlich bedacht wurden, sei hier nur nebenbei bemerkt. Im Sterbehause ergriff Schreiber dieser Zeilen da» Wort und gab ein Lebensbild der Verstorbenen, ihre Tugenden und Vorzüge gebührend hervorhebend, rrasun — Um aber 3iö "OTS D”DD zu sein, kann ich es mir nicht versagen, über ein freudiges Ereigniß zu berichten, da» vor Kurzem hier stattgefunden. Das MoritzZiege l'fche Ehepaar feierte das Fest der goldenen Hochzeit. Nach einer vorangegangenen Feier in der Synagoge überreichte der Bürgemeister im Hause de» Jubilars demselben die EhejubtläumS-Medaille in Begleitung eine» Kabinetschretben» Sr. Majestät de» Kaiser», in der derselbe in seiner Ansprache die Verdienste de» Jubilars um die Stadt — derselbe ist seit einer Reihe von Jahren Stadtverordneter — besonder» hervorhob. Abend» fand unter Theilnahme der Kinder, Enkel und eines großen Kreise» von Verwandten und Freunden von Nah und Fern ein Festmahl statt. Da» Jubelpaar, namentlich der Jubilar, erfreut sich einer ungeschwächten Rüstigkeit. Letzterer, zu den gesuchtesten B>?niD zählend, versteht diese» Amt noch in recht jugendlicher Gewandtheit. Möge dem Paare ein angenehmer und ungetrübter Lebensabend beschieden sein. Nischk owSky- -£■ Vermischtes. Moskau. (Wozu die Koschertaxe in Rußland verwendet wird). Der Gouverneur von Wolhynien hat kürzlich beschloffen, daß die disponiblen Gelder dieser Steuer in folgender Weise verwendet werden sollen: 64 000 Rubel für dir gesundheitlichen Bedürsniffe der Regierung, „da die zu diesem Zwecke ausgesetzten Gelder ungenügend sind," 28,000 Rubel zur Gründung eines Pfandleihhauses in Zitomir. Warschau. Einer der angeseh nsten Männer der hiesigen Gemeinde, Heinrich Natanson, der langjährige Vorsitzende des Tempel-Komitees, ist gestorben. An dem Leichenbegängniffe sollen über 15,000 Menschen theilgenommen haben, darunter die Spitzen der polnischen Aristokratie und Intelligenz