Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 5 (16.1.1896)
- Date
- 1896-01-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448608-2448614--41096-2490038- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
dVWW^ ■?3Wf di der das Wort Jude nur ganz selten überhaupt vor« kam, aber auch dann ohne die gehässige Neben« bemerkung, die man hätte fürchten müssen. DaS ist ein erfreuliches Zeichen, wie wett doch schon der Antisemitismus wenigstens in seiner offenen Form abgewirthschaftet hat. Die Symptome dafür mehren sich überall; waren in Berlin bei einer Haupt« oder Generalversammlung deS Verbands aller deutschsozialen Reformveretne in der ganze» Stadt in Summa 44 Personen erschienen, so ist das auch ein erfreuliches Zeichen für den Niedergang der antisemitischen Bewegung. Große Versammlungen haben auch die schärfsten Hetzredner schon lange nicht mehr in Berlin zu Stande gebracht. Freilich, den Bösen find wir los, die Bösen sind geblieben! - mit der antisemitischen politischen Partei verschwindet noch lange nicht der Samen, den ihre Hetze ausgestreut hat, und wenn auch das offene AuftretiN der Antisemiten jetzt seltener und weniger gefährlich ist, als früher, so bleibt doch das Rischus zu bekämpfen, zu deffen Ausbreitung die Jahre seit 1890 wieder so förderlich waren und gerade dabei ist nur ganz langsam ein Erfolg zu erzielen. Hier ist nur unausgesetzte Arbeit auf wissenschaftlichem und popu« lärwiffenschaftlichen Gebiete, die die Deutschen über die Juden aufklärt, im Stande zu helfen. Wie dem aber auch sei, die erfreuliche Thatsache bleibt doch bestehen, daß die antisemitische Bewegung zur Zeit im Rückgang ist. Das beweisen klar die letzten Debatten im Reichstage. Bom Nheiu. Es ist bereits mehrere Male in Artikeln aus Frankfurt a. M. und Hamburg darauf aufmerksam gemacht worden, daß die in den Waisenanstalten erzogenen Kinder leichter dazu übergehen rav zu sein, als solche Kinder, die in Familien erzogen werden, allerdings ohne, daß den betreffenden Verwaltungen ein direkter Vorwurf gemacht wurde, daß tn der Erziehung der Kinder bestimmte Fehler gemacht würden. ES wurde im Gegentheil immer die Gewissenhaftigkeit der betreffenden) Anstaltsbeamte» rühmend hervorgehoben. — ES liegt nun vor mir ein bestimmter Fall. Ein hübsches, braves, tüchtiges und gewiffenhafteS Mädchen aus guter Familie, das aber darauf angewiesen ist, sich selbst zu ernähren, da die Mutter ohnedies schwer mit Sorgen beladen ist, beendet am 1. Februar d. I. seine Lehrzeit tn einem Ma« «ufacturwaaren-Geschäft. Es ist alles Mögliche geschehen, dem Mädchen eine Stelle in einem Ma« nufaeturwaaren-Geschäfte, das »"’i rav geschloffen ist, zu verschaffen. Es wurde annonctrt, unzählige Firmen wurden direkt privat angefragt; alles umsonst. Das Mädchen will absolut nicht rav sei»; es kann aber unmöglich für die Dauer bei seiner Mutter sein, da dieselbe sich selbst kaum ernähren kann! Würden die oben erwähnten Artikelschreiber oder sonst Jemand hier hilfreich die Hand bieten, um ein solches geradezu musterhaftes Mädchen nicht vor der Alternative stehen zu laffen, rav zu sein, oder keine Existenz zu haben. Die Verehrliche Rcdaction wird auf Anfrage den Einsender dieses gerne namhaft machen. mn\ St. Ingbert, 8. Januar. Vergangene Woche wurde unsere Gemeinde von einem großen Unglück heimgesucht. In der Nacht vom Freitag auf Samstag (niov 'b) brach in der vor 20 Jahren unter großen Opfern erbauten Synagoge auf bis fitzt unaufgeklärte Weise Feuer aus, welches das Innere des einfachen aber würdigen Gotteshauses zerstörte; u. a. fiel der vnpn mit sämmtl'chen dhed dem Element zum Opfer. Der Schrank mit den vielen msv und den prachtvollen und werthvollen ranv u. s. w. wurde ein Raub der Flammen, der Almemor wurde gänzlich zerstört. Der großen Opferwilligkeit unserer christlichen Mitbürger, die auf die Feuerzeichen herbetgeetlt waren und rasch das Löschungswerk begonnen, ist es zu verdanken, daß das Feuer auf seinen Herd beschränkt blieb. Der Schaden beläuft sich auf ungefähr 8000 M. Diese Summe ist für unsere aus 12 Mitgliedern bestehende Gemeinde ein enorm große und die Wiederherstellung erfordert abermals große Opfer. g'->bid und Gemeinden, welche vnvo zu verkaufen beabsichtigen, können ihre Offerten an den hiesigen Vorstand, oder an die Adreffe des Unterzeichneten gelangen laffen; Geschenke werden dankend angenommen. — Traurig stehen wir an der Brandstätte und betrachten mit stiller Wehmuth die verkohlten heiligen rrrnn neD, doch hoffen wir nn dw Drm #n Dimi a ,nom Die Verwaiste wird Erbarmen finden, denn gnädig und barmherzig ist der Ewige! Seelig, Lehrer. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Lemberg, 12. Jan. Vor einigen Monaten hat Herr Baron Hirsch die Schließung der von ihm in Lemberg und Krakau unterhaltenen Wohlthätigkeits- Bureaux verfügt. Der Vorstand der hiesigen Cultus- Gemeinde beschloß daher, auf Anregung seiner Mitglieder, der Herren Salomon Buber und Dr. Heinrich Gottlteb an Baron Hirsch daS Ansuchen zu richten, die von ihm in so großherziger Weise geübten Wohlthaten seinen dürftigen Brüdern in Galizien nicht ganz zu entziehen und die Wtedrretnrichtung der aufgehobenen Bureaux zu verfügen. Baron Hirsch beantwortete das Schreiben dahin, daß er niemals daran gedacht habe, seine Wohlthättgkett in Galizien gänzlich abzubrechen, nur bedürfe die Institution einer gründuchen Neugestaltung, da die bisherige Form, den Hllfrsuchenden J L mm