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Der Israelit · 1896-01-16 · Heft 5 (16.1.1896) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 5 (16.1.1896)
Date
1896-01-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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90 sich an der Bärenstraße erhebt. Alljährlich am Chanukka bereitete er den 400 Zöglingen dieser Schule ein schönes Fest und beschenkte die Kinder. Wie froh weilte er noch diesen Chanukka unter dieser kleinen Schaar, wie weidete er sich an der Lust dieser Kleinen, hier mußte man ihn sehen, und auch wer ihn früher nie gekannt, mußte den Eindruck empfangen: Dieser Mann ist erst dann recht glücklich, wenn er andere glücklich machen kann. Und so war es auch in der That. Je höher er empor stieg, desto mehr suchte er seinen Dank gegen Gott durch engeren Anschluß an feine Thora und seine Mizwoth au-zudrücken. Er ehrte die Thora und ihre Träger und daher fühlte er sich besonders zu dem Manne hingezogen, der hier der Thora wieder Achtung und Anerkennung verschaffte, zu Rabbiner Hirsch V'r und seinem Werke, der israelitischen Religionsgesellschaft. Was er als eifriger Förderer derselben gethan, wird ewig unvergeßlich bleiben. Alle Institutionen derselben wurden von ihm königlich unterstützt, eine fürstliche Summe, die er spendete, ermöglichte die Erbauung des prächtigen Hörsaales und der unter demselben befindlichen Mazzobäckerei. Seit einer langen Reihe von Jahren gehörte er als Mitglied den verschiedenen Zweigen der Verwaltung der Religionsgesellschaft an und hat sie durch sein ersprießliches Wirken gefördert. Zu .dieser vielseitigen opferfreudigen Thätigkeit kommt noch die hinzu, die er im Dienste des nvx bv non übte, er war ein Mitglied der p"n, in welcher er in Eifer und Hingebung feine persönlichen Dienste leistete. Doch nicht nur die religiösen Institutionen seiner Stadt unterstützte er, wo anderswo die Geldmittel fehlten, solche Einrichtungen herz ^stellen, wie es die jüdische Gemeinde als unerläßlich verlangt, da war er es, der seine spendende Hand aufthat und mit großen Summen eingriff. Viele kleine Gemeinden wissen davon zu erzählen, auch die heilige Stadt hat die Opferwilligkeil des Verstorbenen in reichem Maße erfahren. Und wie spendete er? Freundlich und freudig, leutselig und liebenswürdig, so war er ein Tröster und Beralher der Armen, er spendete nicht nur mit der Hand, er spendete mit dem Herzen. So war dieser Mann die Verkörperung der Güte und Menschenliebe, der wahrhaften Frömmigkeit und der Liebe zur Thora, die sich nicht nur in der Verehrung zeigte, welche er den mm »Ja entgegenbrachte, sondern in dem Eifer, die Thora kennen zu lernen, in ihre Gänge sich einweihen zu lasten. Wie ergriff er jede Gelegenheit, die sich ihm bot, mm zu lernen, wie dankbar war er, wenn man ihm eine Frage in m n nzn beantwortete oder ihm irgend eine treffende Erklärung, einen schönen Gedanken aus dem Gebiete der mm mittheilte. Mehr aber als in allem zeigte sich seine unbegrenzte Liebe zur mm darin, daß es ihm gelungen ist, alle seine Kinder zu ernsten und pflichttreuen Juden zu erziehen. Er ist dahin, den Verlust fühlen weite, weite Kreise. Die Familie beweint die ihr entrissene Krone, die Gemeinde ihren Berather und Förderer, die Stadt einen ihrer besten Bürger, die Armen ihren Helfer und Tröster, der große Kreis der Bekannten ihren warmen Freund, in dessen Nähe man sich wohlig und angeheimelt fühlte, so bezauberte er durch seine heitere Liebenswürdigkeit, welche er jedem, Hoch oder Niedrig, entgegenbrachte. Bei seinem Leichenbegängniß da zeigte es sich, wieviel Liebe er genossen, in welch großer Achtung und in welchem Ansehen er in der Bevölkerung der Stadt, bei Juden und Christen, gestanden. Der Oberbürgermeister sandte ein inniges Beileidsschreiben an die Familie, auaristokratischen Kreisen kamen vornehme Kranzspenden und es war wohl kein Stand, der beim Leichenbegängniß nicht vertreten gewesen wäre. Die Trauer ist eine allgemeine, viele Thränen flössen; wie viele mögen es fein, die ungesehen von der großen Menge, in kahlen Dachstübchen die Armuth geweint hat. ZeitrrrrgSuachrichtert mtb Correspoirdenze«. Deutschland. R. WormS. AuS Anlaß der Feierlichkeiten bei Einweihung der Neubauten der Technischen Hochschule zu Darmstadt hat Herr Ludwig Pfungst von hier die von ihm aus 1000 Mk. festgesetzte Jahrcsschenkung zu Stipendien für das Studienjahr 1895/96 auf den Betrag von Mk. 2000 erhöht. Da Herr Pfungst verhindert war, der Feier persönlich beiwohnen zu können, sandte er seine Glückwünsche durch folgendes Telegramm- „Meine herzlichsten Wünsche begleiten Lehrer und Studierende in das neue Heim! Möge dasselbe dauernd sein eine hervorragende Stätte der Wissenschaft, der Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit und Menschenliebe!" Berlin. Der deutsche Reichstag hat sich in feinen letzten Sitzungen besonders mit der Berathung zweier Gesetzentwürfe beschäftigt, deren Gegenstände n früheren Jahren das Hauptagitattonsmittel »er Antisemiten waren. Es find das Gesetz zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs und der Börsenreformentwmf. Nach den Vorgang frühenr Jahre hätte man erwarten sollen, daß es da bei diesen Berathungen recht antisemitisch hergehen würde, aber man ist diesmal angenehm enttäuscht worden. Statt der großen Hetze, auf die man gefaßt sein mußte, fand nur eine sachliche Debatte statt, bet

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