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Der Israelit · 1896-01-16 · Heft 5 (16.1.1896) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 5 (16.1.1896)
Date
1896-01-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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^MDMWWWWWWWWWff XXXVII. Jahrgang. M 5. M;' Der Israelit. Ein Gentrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet Vv» Dr. Lehman« in Mainz. D onnerstag, den IS. Januar 5656 (1896). Leitender Artikel. Selig Holdschmidt Frankfurt a. M., 14. Januar. 8. So ist nun der schwere Schlag gefallen! Selig Goldschmidt, um dessen Leben eine ganze Gemeinde seit acht Tagen bangte, desen Genesung von so vielen erfleht und ersehnt wurde, weilt nicht mehr unter den Lebenden, gestern hauchte er seine reine Seele aus, und heute hat ein unübersehbares Trauergefolge, Trauergefolge im wahren Sinne des Wortes, seine sterbliche Hülle zu Grabe geleitet. Selig Goldschmidt V't war eine Persönlichkeit, wie sie nicht häufig im Laufe der Zeiten als Wohlthäter der Menschheit erscheinen. Die Laufbahn seines Lebens war eine merkwürdige, aber noch merkwürdiger das Zusammentreffen großartiger Herzenseigenschaften in diesem Manne, bei deffen Hintritt sich eine ganze Gemeinde verwaist fühlt, der weit, weit über Frankfurts Weichbild hinaus vermißt werden wird. Unter sehr bescheidenen Verhältnissen im Jahre 1827 zu Grebenstein im ehemaligen Kurhessen geboren, mußte er schon früh für seinen Lebensunterhalt sorgen. Er erzählte es oft selbst, und hatte deffen gar kein Hehl, wie er als 15- oder 16jähriger Knabe, wenn er um des Verdienstes willen über Land mußte, die Stiefel auf seinen Gängen auszog, um sein Schuhwerk zu schonen. Zum Jüngling herangewachsen, ging er mit seinem älteren, dem vor 20 Jahren verstorbenen Bruder nach Frankfurt, und aus sehr kleinen Anfängen wuchs ein Handelshaus heran, das achtunggebietend in der Welt dasteht, und welches regierende und nicht regierende Fürsten mit ihrer Kundschaft beehren. Ich erinnere mich genau des Falles, wie der hochselige Kaiser Friederich, der oft dieses Hans mit seinen Einkäufen beehrte, als Kronprinz einmal auf der Durchreise durch Frankfurt die kurze Zeit seines Aufenthaltes dazu benutzte, in eigener Person in dem Geschäfte von I. und S. Goldschmidt einen antiken Schmuck für seine Gemahlin auszuwählen. Talent, unermüdlicher Fleiß und strenge Rechtlichkeit — das waren die treibenden Kräfte, die unter Gottes sichtlichem Segen das Haus zu der großen Blüthe brachte, deren es sich heute erfreut. Und wie verhielt sich der Mann nun in dem Wechsel seines äußerlichen Geschickes? Er, der über Reichthümer Gebietende, vergaß nie der Zeit, als er noch genöthtigt war auf seinen Gängen seine Stiesel zu schonen, und darum wußte er mit den Armen zu fühlen, und je größer sein Reichthum wurde, desto fürstlicher wurden seine Spenden. Wer hätte je, sei es für sich selbst, sei es für einen Armen Selig Goldschmidt um eine Gabe gebeten und wäre unbefriedigt und unerhört von ihm gegangen? Wo wäre irgendwo bei einer öffentlichen Calamität die Mithilfe wohlthätiger Menschen in Anspruch genommen worden, ohne daß von ihm eine fürstliche Spende eingesandt worden wäre? Welcher hiesige Verein, ob jüdischer oder nichtjüdischer, der im Dienste allgemeiner Humanität wirkt, zählte nicht ihn zu seinen vornehmsten und meistleistenden Mitgliedern? Wo hätte er je gefehlt, wenn es galt vaterländische Interessen zu fördern, oder die Liebe zum Vaterlands in patriotischen Opfern zu bethätigen? Was war aber dieser Mann der Stadt Frankfurt, was war er seiner Gemeinde? Noch kürzlich konnte man in den Zeitungen lesen, welche kostbare Spenden er in hochherziger Weise dem Archive und der Gewerbekunstschule zuwendete; wie er sich an den wohlthätigen und allgemein nützlichen Vereinen betheiligte, ist schon erwähnt worden. Aber nicht nur spendend, rathend und thatend betheiligte er sich am Vereinsleben, so war er Mitglied der Verwaltung der israelitischen Waisenanftalt, ferner des Vereins, der für das Schulgeld armer Schüler und Schülerinnen sorgt, der Kirchheim'schen Stiftung u. s. w. Seine ganz besondere Fürsorge wendete er aber der israelitischen Volksschule zu; wie er scyon bei deren Gründung, in die Verwaltung gewählt, eine reiche Spende für sie hergab, so ließ er auf seine Kosten das prächtige Schulhaus erbauen, das

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