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Der Israelit · 1896-01-13 · Heft 4 (13.1.1896) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 4 (13.1.1896)
Date
1896-01-13
Page
– (sequence 12)
Language
German
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76 lehre, nach bestem Können so viel als möglich zu erweitern. Es erscheint mir als eine tadelnswerthe Zeitverschwendung, auch nur eine Minute, die mir meine Berufsgeschäfte und die Erfüllung religiöser Pflichten frei lassen, zu etwas anderem, als zur Erforschung des Gotteswortes zu verwenden. Eine Einladung nehme ich überhaupt, Euch ausgenonimen, von Niemanden an, aber auch da müßte es sich nur um eine Luckas Mizwo5) handeln. „Es handelt sich auch um eine solche," erwiederte der Primator, „um eine 8uäas Ei’uszin6). Heute Abend findet, so Gott will, die Verlobung meiner Tochter mit dem Sohne meines Jugendgenossen, mit David Pardubitzer, in engsten Freundeskreisen statt. Ich werde außer Euch, Rabbi, nur noch meinen Schwager und meine Schwägerin zu Gast bitten. Du mein lieber Sohn," wandte sich Brandeis lächelnd an Pardubitzer, „wirst Dich doch pünktlich zur Abendstunde einstellen?" „Es wird die glücklichste meines Lebens werden," erwiederte dieser und der Rabbi sprach: „Da erscheine ich gerne, das ist eine Verbindung nach meinem Sinne, nach meinem Herzen, wie sie der Talmud vorschreibt. Ein Gottesgelehrter, wie Ihr Primator, und mein Rosch-Bes-Din, seid, darf seiner Tochter nur wieder einen Gottesgelehrten zum Gatten geben, und daß Euer zukünftiger Schwiegersohn ein großer Lamden ist, hatte ich erfahren, als ich ihn noch gar nicht gekannt, ihn für einen Fleischerknecht gehalten und nicht geahnt, daß er der Retter unserer Vaterstadt werden würde." Der Primator war übermäßig lang vorn Hause weggeblieben. Der feierliche Akt bei Eolloredo und das Bekenntniß des schwedischen Obersten, des ehemaligen Koppel Tarnower, hatte viele Stunderr in Anspruch genomnien, und da Frau und Tochter erfahren hatten, daß Graf Conti den Primator dringend auffordern hatte lasiert auf die Kleiriseite hinüberzukomnien, erwarteten sie ihn in hoher Spannung und in schwerer Sorge. Allein die letztere verschwand sofort bei seinem Eintritte in das Zimmer, als sie die freudige Aufregung, die sich deutlich in feinen Zügen aussprach, erkannten. „Was hat Dich so endlos lange zurückgehalteu?" frugen Gattin nnb Tochter wie aus einem Munde. „Nichts Unangenehmes," eriviederte Brandeis, und da er als weiser, erfahrener Mann wußte, daß 5) Ein Gastmahl, an das sich die Erfüllung einer religiösen Pflicht knüpst, etwa bei einer Circumcission oder der Auslösung eines erstgeborenen Sohnes u' dgl. m. 6) BerlobungSgastmahl. auch eine allzu überraschende Glücksbotschast schädlich wirken könne, theilte er zunächst mit, was sich bei Eolloredo zugetragen, welche hohe Ehre David Pardubitzer erzeugt wurde, und welche noch höhere er zu erlangen vermocht hätte, wenn er dem kaiserlichen Willen gehorsamend, seinen Glauben gewechselt hätte. Dann erst erzählte er, daß der Raf, Reb Hillel Utitz, David Pardubitzer und er, zu ihrent nicht geringen Erstaulten, zu einem sterbenden schwedischen Offizier berufen worden waren, daß dieser sich als ehemaliger Jude und Hausgenosse der Pardubitzer entpuppte, und in welcher Weise durch dessen überraschende Enthüllungen, Licht in jene dunkle Angelegenheit gebracht wurde, die einen so mächtigen Einfluß auf ihr Familienleben genommen; wie sich nun plötzlich herausftellte, daß David Pardubitzers Vater kein Abtrünniger, fein Verbrecher, kein Dieb gewesen, daß er nicht, wie rnan geglaubt, Weib und Kind treu- und lieblos verlassen, daß er vielmehr, bis zu feiner letzten Lebensstunde ein bewundernswerther, edler Mensch, ein gesetzestreuer Jude gewesen, der eher sein Leben opfern, als ihm anvertrautes Gut in die Hände der Räuber fallen lassen wollte. Er schloß feinen langen Bericht damit, daß jetzt einer Verbindung Miriams mit dem Erwählten ihres Herzens von keiner Seite ein Hinderniß entgegenstehe, daß heilte Abeich die Verlobung der beiden schwer geprüften Liebenden stattfinden werde. „Allnrächtiger, gnadenreicher Gott! wie vermag ich dir für deine Allhuld zu danken?" rief die Primatorin nnb heiße Dankesthränen entstürzten ihren Augen, während Miriam vor Wonne wortlos ihres Vaters Hände mit Küssen bedeckte. Am Abend desselben Tages fand die Verlobung David Pardubitzers mit Miriam Brandeis statt, welcher einige Wochen später das Hochzeitsfest folgte, das mit in Prag in noch nie gesehener Pracht gefeiert wurde. Die Trauung nahm der Oberrabbiner vor, das Unterführen D bei deni Bräutigam, hatten, da dieser gar keine Verwandte besaß, Reb Hillel Utiz und dessen Frau übernommen, welche au dem Hochzeitstage ihrer Nichte Miriam, bei denl Gemeindeamte ein Testament hinterlegten, in welchem sie ein Fünftel ihres Vermögens, wohlthätigen und religiösen Zwecken widmeten, alles übrige aber ihrer Nichte vermachten. (Fortsetz, folgt.) 7) Bei dem Traunngsakte stehen unter dein Trauhimmel sowohl der Braut als dem Bräutigam ein Ehepaar zur Seite. Wenn die Ettern am Leben sind, diese, andernfalls nahe Verwandte oder andere Respektspersonen.

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