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Der Israelit · 1896-01-13 · Heft 4 (13.1.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 4 (13.1.1896)
Date
1896-01-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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75 (Nach Schluß -er Redaction.) Mainz» den 13. Januar. Soeben bringt uns das Telephon die erschütternde Trauerbotschaft, daß Herr S eli- Goldschmidtp") zu Frankfurt a. M. heute Nachr aus dem irdischen Dasein abberufen wurde. Wahrlich, für das gesammte, gesetzestreue Judenthum ein großer, unersetzlicher Verlust. Der Heimgegangene, der an Influenza mit darauffolgender Lungenentzündung litt, hatte sein Alter von nur 68 Jahren erreicht. Was dieser Mann mit dem großen edlen, für seine Brüder so mächtig schlagenden Hrrzen unS Allen gewesen ist, daS sei der ausführlichen Schilderung aus berufener Feder in unserer nächsten Nummer Vorbehalten. Die Beerdigung findet voraussichtlich morgen Dienstag, den 14. ds. Mts., Vormitt. S Uhr statt, n"3äJrr ie erste Nummer drS neuen Jahrgangs der „Gartenlaube" ist soeben erschienen. G.diegen auSgestattet, bietet sie eine Fülle interessanten und spannenden Lesestoffes. Eröffnet wird der Jahrgang 1896 der „Gartenlaube" mit „Fata Morgana", dem neuesten mit Spannung erwarteten Roman de: allbeliebten Erzählerin E. Werner. Ferner enthält die Nummer den Anfang einer reizenden Novelle „Vielliebchen" von Ernst Eckstein. Don den Artikeln seien nur hervorgehoben: „DaS Opfer eines KaisertraumeS" von Felix Vogt, eine spannende Schilderung der tragischen Sch cksale der Kaiserin Charlotte von Mexiko, die auf neuen Quellen beruht und durch ein Bildnis der unglücklichen Fürstin geschmückt ist. Ue-er die Gewinnung deS Schilfes und dessen Verarbeitung berichtet Richard Nordhausen in einem stimmungsvollen „Havelschtlf" beriltelten Bilde märkischen Gewerbfleißek, während Professor H. Kisch belehrende medizinische Winke in dem Artikel „Wie bekämpft man die Abmagerung?" ertheilt. Die illustrative Ausstattung der Nummer verdient unsre vollste Anerkennung. In den zahlreichen Holzschnitten, sowie in der farbigen Kunstbeilage, ist in glücklichster Weise sowohl den Anforderungen der Kunst wie dem echt volköihümlichen Inhalt der Bilder Rechnung getragen. Ferrilleto». David Speier. historischer Komm aus der Zrtt der dretpAhrigea Krieger von 62) S. Kohrr, Verfasser von „Gabriel". Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. UebersetzungSrechte in fremde Svrachen Vorbehalten. „Hab' ich dies nicht gesagt?" erwiederte der Primator und tiefe Rührung durchzitterte seine Stimme, — „als Du verzweifelnd vor mir standest und mit zerrissener Seele, bebender Lippe und thränendem Auge stammeltest: „Der unerforschliche Gott hat das Härteste, Unabänderliches über mich verhängt!" hatte ich Dir nicht geantwortet: vor Gott dem allmächtigen Herrn giebt es nichts Unabänderliches! Hajii)ole mehaschem dowor?!" Unter diesen Gesprächen hatten die vier Männer auch den weiten Hofraum durchschritten und traten aus dem Thore des Palastes, wo sie der Wagen des Primators erwartete. Nachdem sie sich in diesen gesetzt hatten, sprach der Rabbi zu Pardubitzer: „Me-esz haschem hoiszo sosz *), eSjuar eine Fügung Gottes, die den Mörder Eures Vaters als schwedischen Obersten nach Prag führte und ihn hier seinen Tod finden ließ, ihm Gelegenheit bot, vor seinem Ende, durch Bekenntniß seiner Schuld, die Ehre Eures Vaters wiederherzustellen. Es muß auch dafür gesorgt werden, daß dieses merkwürdige Ereigniß möglichst rasch verbreitet werde. Graf Colloredo hat eine Verordnung erlassen, daß jetzt nach dem Abzüge der Schweden in den Bethäusern aller Confessionen ein Dankgottesdienst für die Befreiung der Stadt vom Feinde und den abgeschlossenen Frieden abgehalten werde. Derselbe wird, im jirze haschem1 2), am nächsten Sabbat stattfinden. Ich selbst werde in der Altneusynagoge die Droscho abhalten und durch die Appellanten und andere Talmide Chachomim auch in allen Bethäusern Droschos abhalten lassen, denen der Text: Jesclmas elokim beherif eijin3) zu Grunde gelegt, und mit stärkster Betonung hervorgehoben werden soll, daß es durch Gottes gnadenreiche Fügung einer unserer Glaubensgenoffen, David Pardubitzer, war, der unsere Vaterstadt zweimal vor der Einnahme durch den Feind rettete, und daß durch eine weitere Fügung des gnadenreichen Gottes — zu einer Zeit, wo man dies am wenigsten erwartete, es enthüllt wurde, daß Pardubitzers Vater, der seit seinem rüthselhaften Verschwinden der schwersten Verbrechen beschuldigt wurde, ein edler, würdiger Jude geblieben bis an das Ende seines leider nur zu kurzen Lebens, und sein Name stets in unserer dankbaren Erinnerung fortleben wird. Auch muffen wir, Primator, sofort nach Worms und Mainz die merkwürdigen Enthüllungen des schwedischen Obersten berichten, damit auch dort der Makel, der irrthümlich an Efraim Pardubitzers Name — sichrono liwrocho4) — haftete, verlöscht werde und dieser wieder in altem wohlverdienten Glanze aufleuchte." „Tausend Dank, Rabbi!" rief David Pardubitzer und führte dessen Hand ehrfurchtsvoll an seine Lippen. „Rabbi'," sprach der Primator nach einer kurzen Pause, „ich gestatte mir, Euch auf heute Abend als Gast zu mir zu laden." Der Rabbi blickte verwundert aus und sprach im Tone leichten Vorwurfs: „Ihr wißt es ja, Primator, daß ich zu Vergnügungen und nichtigen Dingen keine Zeit besitze. Es handelt sich wohl um ein Fest, das Ihr anläßlich des Friedenschlusses geben wollt. Ihr wißt, ich habe als Rabbiner der ersten Gemeinde der Welt, die heilige Pflicht, meine geringen Kenntnisse der Gottes- 1) Psalmen Cap. 118. 2) So Gott will. 3) GotteS Hilfe kann in dem denkbar kkeinsten Zeittheil einlreten. 4) Sein Andenken sei gesegnet.

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