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Der Israelit · 1896-01-13 · Heft 4 (13.1.1896) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 4 (13.1.1896)
Date
1896-01-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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^WMMDWWWWWWWWWW 74 vergütet. — Eine lebhafte Debatte rief die Beitrittsfrage zum D. I. L. B. hervor. Die beiden Delegtrten des Vereins, die Herren Dr. Lazarus und Goldschmidt erstatteten über die am 24. und 25. Dezember in Berlin stattgehabte Delegtrtenversammlung Bericht. Da betreffs der Abhängigkeit vom D. I. G. B. mancherlei Bedenken laut wurden, vertagte man diese Angelegenheit nach dem Anträge Sulmanns bis zur Osterversammlung. — In der vom 2. Borfitzenden, Brifch-Mülhkim, geleiteten Nachmittags fltzung hielt Lehrer Heilberg- Beuel einen Vortrag über den Sagenkreis des Königs Salomo und erntete reichen, wohlverdienten Beifall. Der Vortrag soll veröffentlicht werden. In der Diskusston sprach Gut-Köln den Wunsch aus, es möchten auch die jüdischen Sagen in schönen, billigen Ausgaben den Kindern zugänglich gemacht werden. — Nachdem die ausschetdenden Vorstands Mitglieder Brisch und Salomon-Jserlohn durch Acclamation wieder gewählt waren und Freytag- Bornheim für die nächste Versammlung einen Vortrag übernommen hatte, schloß der 2. Vorsitzende, da Herr Dr. Lazarus in der Nachmittags sitzung zu erscheinen verhindert war, die sehr anregende Versammlung mit einem begeistert ausgenommenen Hoch auf den Kaiser. — Die Buchhandlungen Kauffmanu-Frankfurt a. M. und Jakobsohn-Berlin, sowie Redacteur Flanter-Berlin hatten eine Anzahl Lehrmittel zur Ansicht und Besprechung übersandt. — Auf frohes Wiedersehen in Düsseldorf den 6. April. — nun Niyx oid^. Oester r.-Ungar. Monarchie. Wie«, 10. Jan. Im niederösterreichischen Landtage gab es heute nach kurzer Unterbrechung wieder den üblichen Antisemiten-Scandal. Auf der Tagesordnung stand der scheinbar harmlose Antrag, dem Vereine für Arbeitsvermittlung eine Subvention zu ertheilen. Dieser humanitäre Verein, der brotlosen Arbeitern Unterstützung gewährt, ist eine Schöpfung der liberalen Partei. Dieser Umstand bot den Antisemiten genügenden Grund, um mit den ärgsten Verdächtigungen, wie sie nur der Mißbrauch des Jmmuni- ILtSrechtrS ermöglicht, die Mitglieder deo Vorstandes dieses Vereines zu überschütten. Mit Hohngelächter und den üblichen Zwischenrufen wurde jeder persönliche Angriff gegen den Verein und dessen Leitung begleitet, und die widrige Scene artete umsomehr aus, als der Vorsitzende, Landmarschall-Strllvertrete- Dr. Haberl, sich ganz ohnmächtig erwies, das unwürdige, alle Regeln parlamentarischen Anstander verachtende Vorgehen der Antisemiten in Schranken zu halten. Der Abgeordnete Lueger machte sich in gewohnter Weise daran, die einzelnen Mitglieder der Vorstandes des Arbeitsvermittlungs-Vereines als Liberale und Juden zu verhöhnen, und fand die Zustimmung und Unterstützung der Abgeordneten Gregorig und Schneider, von denen der Elftere keinen Anstand nahm, zu erklären, eines der Vorstandsmitglieder dieses Vereines sei wegen Wechselfälschung im Criminal gesessen. Die Zurufe der Entrüstung auf der Linken und die Aufforderung, Namen zu nennen, ließ natürlich Abgeordneter Gregorig unbeantwortet. Seltsamerweise legte sich der Vorsitzende gegen einen solchen Mißbrauch des Immunität-rechtes erst dann in- Mittel, als edem Abgeordneten G egorig beliebte, die Minister der Bestechlichkeit zu beschuldigen. Schließlich wurde die Unterstützung für den Verein in einer höheren als der vom Ausschüsse beantragten Summe bewilligt. Der Regierungsvertreter, Statthaltereirath Freiherr v. Kutscher« nahm dann nachträglich noch Anlaß, die den Ministern Pino und Baden! imputirte Bestechlichkeit mit Entschiedenheit zurückzuweisen. Aus der Blumrnlese der gehaltenen „Reden" citiren wir nur: Abg. Schneider: Wo Juden dabei sind, ist eS schlecht! Abg. Dr. Sueß: ES wird mich freuen, wenn diese Zwischenrufe im stenographischen Protocolle Aufnahme finden, damit man sehe, von welchem Standpunkte aus Mitglieder des niederösterreichischen Landtages Fragen so allgemeiner Natur beurtheilen. (Neuerliche Zwischenrufe seitens der Abgeordneten Schneider und Gregorig.) Es ist recht gut so. ES ist das recht bezeichnend für das Stadium, in welchem heute, hoffentlich nicht mehr lange, das politische Leben in Niederösterreich sich bewegt. Abg. Schneider: Wenn es nur bald zur Judenaustreibung kommt dann ist es recht! Die Judengütrr müssen constscirt werden! (Anhaltende Unruhe und Entrüstungsrufe links; höhnisches Lachen auf der Rechten.) Abg Picker (zum Abg. Dr. Lueger): S>'e können sich wirklich zu diesen Genossen gratuliren! England. Brighton, 12. Januar. Das Parlamentsmitglied Str Julian Goldsmid ist am 8. d. M. gestorben. Goldsmid war liberal-unionistischer Vertreter für Süd- Saint Paneras. Goldsmid wurde im Jahre 1838 als Sohn des wohlb.kannten Parlamentsmitgliedes F. D. Goldsmid, geboren. Die Goldsmid stammen aus einer hochachtbaren, polnischen Familie, die vor 300 Jahren nach Ostfrtesland und dann nach England auswanderte. Ihren Stammbaum letten sie auf die Maccabäer zurück. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts eröffneten sie in London ein großes Bankgeschäft, mit dem der große englische Staatsmann Pitt bereits Finanzgeschäfte abschloß. Der Großvater Sir Jul ans, Sir JsakL on Goldsmid, war der erste Jude in England, dem der Titel Baronet verliehen wurde. Str Julian wurde 1864 Advokat und zeichnete sich bald durch großen Scharfsinn aus. Bereits 1866 wurde er vom Honiton District in das Parlament gewählt, von 1870 bis 1880 war er Abgeordneter von Rochester. 1885 wählte ihn Süd Saint Paneras, welchen Kreis er bls zu seinem Ableben im Parlamente vertrat. Im Jahre 1868 verheiratete er sich mit einer Tochter eines Herrn Philipsohn aus Florenz. Str Julian htnterläßt keinen männlichen Nachkommen, acht Töchter thetlen sich in das reiche Erbe ihres Vaters. Außer dem englischen Baronettitel besaß Goldsmid auch den portugiesischen Titel: Baron da Goldsmid et da Palmyra. Das Leichenbegängntß des Baronet wurde in überaus pompöser Weise gefeiert, die römischen und Humanitären Vereinigungen, denen :r angehörte, wetteiferten in der Bezeugung der letzten Ehre für den Dahingeschiedenen.

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