Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 4 (13.1.1896)
- Date
- 1896-01-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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;vV!' ks- -5» , iJüN1!« MWjA!^FUDDWWWWMMW WWMWW 72 Er fitzt an seinem Schreibtisch, vor ihm liegt ein Buch aufgefchlagen; aber seine Gedanken scheinen nicht beim Studium zu sein, sondern schweifen auf den Fittigen der Phantasie in die weite Ferne. Vor seinem inneren Auge entrollt sich ein Bild aus seiner Vergangenheit, und er vermag seine Gedanken von diesem nicht abzulenken. Er sah sich als einen jungen, lebensfrohen Mann in M. . seinem ersten Wirkungskreis, wo er, nachdem er kaum fein Examen bestanden, der Assistent des weltberühmten Professors der inneren Medizin, Nousieur kieiie Lesou, wurde. Seine Brust schwellte vor stolzer Freude und seine Freunde prophezeiten ihm eine große Zukunft. Nichts fehlte zu seinem Glücke; alle seine kühnsten Hoffnungen und Träume gingen in Erfüllung und doch fühlte er sich nicht ganz glücklich, denn eine Hoffnung, ein Traum, der Traum der Liebe wollte sich bisher nicht verwirklichen! Seit Jahren schon lieble er mit der leidenschaftlichen Gluth. deren ein junges unverdorbenes Herz fähig ist, Judith, die Tochter des Banquier Simon Reichenbach. Bet einer Sou öe hatte er die liebreizende, vielumworbene Judith kennen gelernt. Ihre anmuthsvolle, sanfte Schöndeit, ihr sprudelnder Geist übte einen gewaltigen Zauber auf ihn, und gar bald mußte er sich eingcstehen, daß er Judith liebe und daß es ohne ihren Besitz kein wirkliches Glück für ihn auf Erden gäbe. Aber er unterdrückte mühsam seine stürmischen Gefühle, verbarg seine leidenschaftliche Liebe sorgfältig in den geheimsten Falten seines Herzens; denn war seine Liebe nicht ein Wahnwitz? Was vermochte damals der unbemittelte Student der verwöhnten Tochter des reichen Mannes zu bieten? Jedoch jetzt, da er sein Ziel erreicht hat und sich ibm die Aussicht auf eine glänzende Zukunft eröffuete, was hielt ihn jetzt ab, sein G^ück zu begründen? Warum sollte er jetzt den Schritt nicht wagen, seine Bewerbung anzubringen? Aber erwiedert Judith seine Ltebe? Er weiß es nicht, er schwach niemals von Liebe mit ihr. Ec vermuthet jedoch, daß er ihr nicht gleichgiltig sei, denn sie unterhielt sich gern mit ihm. Die Gewißheit ihrer Liebe muß er sich zuerst verschaffen. Er kleidete sich sorgfältig an; verbrachte längere Zeit am Spiegel, als es sonst seine Gewohnheit war und mußte selbst seine Thorheit belächeln. Noch einen Blick warf er in den Spiegel, der ihm seine schöne, judendliche Gestalt zmückgab, nickte ihr zufrieden lächelnd zu; dann begab er sich nach dem Hause Simon Reichenbach's. Sein Herz war so beklommen und pochte zum Zerspringen, als er die Hausglocke zog. Susann« öffnete die Thüre. (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Donnerstag, 16. Januar, 1. Schebat, &in &X1. Freitag, 17. Januar, 2. Schebat. Sabbat-Anfang in Mainz 4 Uhr 45 Min. Samstag, 18. Januar, 3. Schebai, N3. Sabbat-Ausgang in Mainz 5 Uh 50 Min. D« ,L > raettt" erscheint roöch^ntirch j ',» « s bj « 1, ÄiysrLagS uub jrd'ÄVal in minbfßmt p»ci Qftgen. Preit de» Jahrgangs für DeuUchl«uU» und 12 N-'ichS Mar? für'Z Ausland IS Retchr»M«ck. Man «tacsrttt ß.r»zjährig, haldjöhrig -der piertrt jährig. Me Buchhand-.angcn rrrrL HaiiLmter nehme«?s«st;LunZ«n an. — P»rch tat OmhhaUtrl M kt^ts tat C- $. Lestrstg. «ostzstntz lg. — Iuserat« SS Pfennig die piergripallenr Pettyrile rtar deren Raum. — Österreichisch« Banknoten laut EsurS. — Directe FrLNeszusendnug urttet Streifdand pro Jahrgang für Deutschland jnfc Oesterreich 14 RetchS-Mark oder S ft. 8fitrt.. für'S Äu?,land 16?<tic5-y-töatf, an vir Expedition franco einzulenden. M«e NSiksestaMG *»« a» dir Redactio« etsgefemdte« Maunscr-vre« findet nicht statt, M»» dtttet taStzald ßch von alle« Einfrsdmrgrn eine <5oprznrückzndchalte«. Inhalt sHanptblatt): Leitender Artikel: „Pestalozzi." — Aei-.'-ngSnachrichien und Correwo-rdrnzen: Deutschland: Berlin. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Budapest. Amerika: New-Aorf. Palästina: Jerusalem. —Literarische Notiz. —Vermischtes. — Feuilleton: „Der Letzte seines Stammes." Erzählung von Alphonce de la Haye. Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland.- Aus Obcrhessen. Köln. Oesierreich.Ungar. Monarchie: Wien. England: Brighton. — Feuilleton: David Speier. Historischer Roman aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Bon S. Kohn, Verfasser von „Garrel". (Fortsetzung). Extra-Beilage: Spendenverzeichnisse. Die Juden auf dem Schlachtfelde (Verwundete und Todte). Verantwortlich« Redaction: OLear Lehmann in Mainz. — Expedition d-8 .JLraelit", Schottstraß: Rr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu HoshuLdruck-rei^Artie-»Maiiv. Hierzu drei Beilage«.