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Der Israelit · 1896-01-09 · Heft 3 (9.1.1896) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 3 (9.1.1896)
Date
1896-01-09
Page
– (sequence 23)
Language
German
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klMWWUHWMWW^WMUWMWW!»' es Fanny brach zuerst das Schweigen. „Liebster Papa, ich wußte gar nicht, daß Du so reich bist .... ich dächte ....!" „Laß das, mein Kind, ich bin nicht reich!" „Nicht reich?" rief Hirschmann aus, „nicht reich, wenn man 50 O00 Mark in seinem Hause unverzinst hat? hu! hu! Sie scheinen unersättlich zu fein. Uns wollten Sie Vorreden, Sie machen stch wenig aus irdischen Gütern! Man wird niemals gescheidt! .... Aber es ist doch ein wenig leichtsinnig von Ihnen, liebster Papa, eine solch hohe Summe unverzinst zu lassen. Ich zahle Dir 5 Prozent, wenn Du mir die Verwaltung Deines Vermögens anvertraust!" „Wahrlich, eine herrliche Offerte!" rief Pickert erregt aus, „5 Prozent, die bekommt der Schwiegerpapa von jedem Bankier, dazu hat er keinen Schwiesohn nöthig. Ich biete Dir dagegen 10 Prozent Geschäftsantheil, wenn Du blos 100,000 Mk. in das Geschäft steckst!" „Er wird sich hüten, Dich abermals zum Verwalter seines Vermögens einzusetzen," ließ stch Rehmann hören, indem er seinem Schwager einen höhnischen Blick zuwarf. „Er bat böse Erfahrungen genug mit Dir gemacht. Habe ich nicht recht, lieber Papa?" Statt aller Antwort sagte der alte Retfmann: „Aber liebe Kinder, Ihr ereifert Euch ganz unnöthtger Weise. Ich wiederhole, daß ich nicht reich bin, und daß ich durchaus kein Vermögen besitze. Die M. 50,000, die ich soeben dem Buchhalter von Gutmann übergab, har dieser Letztere mir förmlich aufgenöthigt. Ich sollte ste ihm einen Tag lang aufyeben. Erna ist mein Zeuge, daß ich sie durchaus nicht nehmen wollte, und daß Gutmann sie fast gegen meinen Willen hiergelassen hat. Es war Gutmann's Geld, das ich ihm soeben zurückgegeben." „Ha, Ha, Ha", lachte Rehmann höhnisch, „wie gut unser Papa sich herauszureden versteht, um uns noch länger in dem Glauben an seine Armuth zu belassen. Aberdas nützt Dir jetzt nichts mehr, lieber Papa. Die ganze Stadt weiß, daß Gutmann sich in großer Geldverlegenheit befand, und daß, wenn Du ihm nicht soeben in so großmüthiger Weise aus der Klemme geholfen hättest, er seinen Wechsel nicht hätte bezahlen können." Die übrigen Schwiegersöhne und Töchter stimmten Rehmannj bei und trotz aller Widerrede gelang es Reifmann nicht, sie von der Wahrheit seiner Mitthetlung zu überzeugen. „Lieber Papa," schmeichelte Fanny, indem ste Reifmann umschlang, „der böse Henrich will mir das Ballkostüm, das ich für die Soirä beim Commerztenrath haben muß. um keinen Preis kaufen. Bedenke, es kostet blos lump'ge 800 Mark; ist eS nicht unartig von ihm? Zeige ihm, daß Du artiger gegen Damen bist und kaufe mir das Kleid!" „Nein, mein Kind, ich werde mich hüten, gegen den Willen Deines Mannes zu handeln. Außerdem habe ich, wie Ihr soeben gehört habt, kein Geld. Heinrich hat auch recht. Es ist eine empörende Verschwendung für ein Kleid, das ein oder zweimal gebraucht wird, so viel Geld auszugeben und zu einer Verschwendung werde ich niemals die Hand bieten!" , Nicht wahr, liebster Papa, ich habe Recht!" versetzte Pickert liebenswürdig. „Von Deinem geraden Sinn habe ich es ja auch nicht anders erwartet. Die liebe Fanny muß ihre Verschwendung aufgeben und um Vieles sparsamer werden." „Sieh' mal Hirschmann", zischte Rehmann, „wie der heuchlerische Hund, der Pickert, winselt, seit er weiß, daß der Alte reich ist. Er wird ihn abermals umgarnen." „Keine Sorge, Rehmann, der Alte kennt ihn zu genau." Bis tief in die Nacht hinein biteben die Kinder bei ihrem Vater und waren voller zärtlicher und hingebender Liebe gegen ihn; jeder zeigte stch eifrig, seine Wunsche zu erlauschen und fanden alle seine Bemerkungen weise und zutreffend. VII. Am Morgen des darauffolaenden Tages finden wir Erna und Reifmann am Kaffeetlsch. Erna war sichtlich zerstreut und in Gedanken verloren, denn sie saß theilnahmslos da und berührte ihre Taffe nicht. „Woran denkst Du, mein Kind?" frug Reifmann. Erna fnhr aus ihren Träumen auf. „Ich dachte darüber, wie heuchlerisch die Menschheit ist und wie das Geld das Leben und die Herzen verwandelt. Mich ekelt vor einer Zärtlichkeit, die aus unedlen Motiven herrührt. Ja, das ganze Leben und seine Individuen find lauter Blendwerke, die keinen Raum für bessere Einsicht gewähren!" „Ganz recht bemerkt, mein schönes Kind", erscholl Gutmann's Stimme. Unangctlopft ist er in das Zimmer gedrungen und hat die letzte Bemerkung des Mädchens vernommen. — „Ja, das Leben besteht aus Blendwerken und der Mensch läßt sich gerne von ihnen die bessere Einstchl nehmen. Nicht jedem Sterblichen ist es vergönnt, auf einer geistigen Höhe zu stehen, um das Wahre vom Falschen, Niedrige vom Höheren unterscheiden zu können. Die Wahrheit blendet nicht, sondern erleuchtet, wie das Edle den Menschen über die Eitelkeit erhebt. Unser veranstaltetes Blendwerk hatte jedoch einen edlen Zweck. Zuerst gelang es uns. durch dieses die entarteten Kinder zu ihrer

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