Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 3 (9.1.1896)
- Date
- 1896-01-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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WMWWWWWWWWW 51 9f nt t U e 10 i, David Speier. Ajftortscher Koma» aas der Jett des dreißigjährtgen Krieses von 81 > T- Koh», Verfasser von „Gabriel*. Jeder unbefugke '.Nachdruck wnd mit aller Strenge verfolgt werden. UebersetzungSrechle in fremde Sprachen Vorbehalten. Als ich nun mit meinem Vater allein blieb, sprach dieser: „Ermanne Dich, gieb Dich nicht nutzloser Gewissensbisse hin. Einer von euch Beiden mußte sterben, wärst Du ihm nicht zuvor gekommen, er hätte Dich wie einen tollen Hund niedergeschossen; — wenn Dil bedenkst, hast Du nur einen Akt der Nothwehr ausgeübt.... Nun hör' mich ruhig an, mein Sohn; jetzt hast Du keinen Freund auf der ganzen Welt als mich, ich lieb' Dich, und will, daß Du so glücklich wirst, als man es eben auf dieser elenden Welt werden kann, aber um glücklich zu werden, bedarf man des Geldes! Das besitzt Du jetzt, vergälle Dir den Besitz desselben nicht durch unangenehmes Bedenken, in welcher Weise Du zu diesem gelangtest .... Du darfst jetzt nicht mehr Koppel Darnower, Du mußt Ephraim Pardubitzer heißen und als solchen gelten, da wird Niemand auf den Gedanken verfallen, daß Du sein Mörder bist. — Du mußt rasch diese Gegend verlassen und Dich nach Norddeuschland wenden. Ich werde den Parnos von Cham veranlassen, der Prager Gemeinde zu berichten, daß Koppel Darnower begraben wurde; dazu ist man bei der Auffindung der Leiche verpflichtet, damit, wenn der Todte verheirathet war, dessen Frau eine zweite Ehe eingehen könne. Bon Ephraim Pardubitzer wird inan in Prag glauben müssen, er wäre mit dem ihm anvertrauten Gelde durchgegangen." „Das wird man nicht glauben!" war ich ihm stürmisch in's Wort gefallen, „er ist als makelloser Charakter bekannt". Mein Vater zuckte die Achsel und erwiederte: „Wenn man für sein Verschwinden gar keine andere Erklärung findet, wird man endlich gezwungen sein, diese für die richtige zu halten." „Dann wird man Efraim Pardubitzer verfolgen, und man wird mich ergreifen," war ich meinem Vater verzweiflungsvoll in's Wort gefallen. „Es wird in Prag lange Feit brauchen, bis man den bochgefeierten Efraim Pardubitzer für einen Schurken halten und sich entschließen wird, ihn gerichtlich zu verfolgen," meinte mein Vater. „Es liegt in Deinem höchsten Interesse, das; man glaubt, er befinde sich noch am Leben; darum mußt Du Dich einige Zeit in mehreren großen Gemeinden Mittel- und Norddeutschlands als Efraim Pardubitzer aus Prag behaben, was Dir, da Du dessen Geleitscheine besitzest, nicht schwer fallen kann, dann kannst Dir spurlos verschwinden. Willst Du ganz sicher gehen und Dich für immer vor der Verfolgung Deiner Glaubensgenossen schützen, werde Christ, einen Convertiten — mag er gegen seine Glaubensgenossen noch so viel verbrochen haben — schützen seine neuen Freunde. Als Christ erscheint er ihnen wie neugeboren, durch die Taufe wird er aller seiner früheren Sünden frei und ledig?) — Du kannst nur diesen Weg einschlagen, es giebt für Dich keinen zweiten; denn unser Genosse zu werden, könnte ich Dir, mein Sohn, nicht rathen; wehe dem, der dazu gezwungen wird; es ist ein furchtbares Leben, kein einziger meiner Genossen ist bisher eines natürlichen Todes gestorben, jeder hat am Rad qualvoll sein verpfuschtes Leben ansgehaucht .... Im nächsten Dorf erwartet Dich ein Wagen, der Dich so rasch als möglich, dem Norden näher bringt! Und nun, leb' wohl! wir trennen uns auf Nimmerwiedersehen. Kümmere Dich nicht um mich, forsche nicht nach mir, was Du auch von mir hören könntest, es würde Dir weder Freude, noch Ehre bereiten!" Er stürzte auf mich zu, preßte mich leidenschaftlich an seine Brust und eilte aus der Hütte .... Mein Vater war kein guter Mensch, ein Verbrecher, ein Gottesläugner; aber ein guter Vater war er doch." Darnower verstummte, seine matten, glanzlosen Augen starrten ins Leere. Da er längere Zeit schwieg, erhoben sich die vier Männer von ihren Sitzen und machten Miene das Zimmer zu verlassen; aber nun begann der Sterbende von Neuem: „Mir fällt das Reden schon .... sehr schwer .... ich muß mich kurz fassen .... ich folgte dein Rathe meines Vaters .... ich trat in Braunscknveig zum lutherischen Glauben über .... ich besaß meinen Raub nicht lange .... in Braunschweig, es wurde gerade dort eine Messe abgehalten, und zahlreiche Diebe und Gauner hatten sich zu dieser eingefunden - wurde ich bestohlen, daß mir nichts als die Kleider, die ich am Leib trug, blieben . . . ich wußte nicht was ich beginnen, von was ich leben sollte, — die Schweden, die ihre Armee verstärken wollten, ließen aller Orten werben, ich entschloß mich Dienst bei ihnen zu nehmen, ich trat bei den blauen Dragonern ein .... Bei der ersten Schlacht empfing ich die Wunde, die mich für immer entstellte .sonst aber war mir das Glück günstig, ich stieg rasch empor .... In Leipa erkannte ich an der sprechenden Aehnlichkeit Efraim Pardubitzer Sohn, und fühlte mich glücklich, ihn aus den Händen seiner Verfolger retten zu können .... ein zweites Mal in der Mine vor Prag .... ahb! .... ich kann nicht werter .... ich danke Gott, daß er mich trotz der furchtbaren Schmerzen, die ich erleide, noch so lange leben ließ, bis ich die Ehre des edlen, verkannten Todten, den ich ermordet, wiederherstellen I) 1*5 roai dies die i» den finstern Zeiten des dreißigjährigen Krieget a>gemein he.rschende Anschauung.