Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 3 (9.1.1896)
- Date
- 1896-01-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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-wmmm 50 WMWWWM» Wahlen zeigen, der Antisemitismus immer mehr und mehr sein Unwesen, und zwar sowohl der national schillernde als auch jener christlich-social gefärbte, besten Bekämpfung durch ein Machtwort des Vattcans der Fürsterzbtschof von Prag nicht zu erwirken vermochte. Gebe der Allgütige, daß im neuen bürgerltchen Jabre von dieser traurigen Bewegung unser schönes Oestereich befreit werden möge. Zeit»ug-»achrichte« rrrrd Eorrespondeuze«. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Prag. 6. Jan. Vielleicht in keinem Lande wird bet Besetzung eines Rabbiner-, Lehrer- oder Cantorpostevs mit solcher Leichtfertigkeit vorgegangen, als in Böhmen. Protektion, Gleichgiltigkeit und Lauigkeit, die sich in dieser Beziehung geltend machen, find Nägel zum Sarge für die erhabene Idee unserer Religion. Wenn man nur bedenken möchte, welchen Schaden schon die Unwissenheit hervorgebracht, welches Unkraut bereits im Garten des Hei rn durch unwürdige Gärtner und Pflanzer emporgeschossen, wie die zartesten Keime des Judenthums, die edelsten Triebe unserer Religion durch sie vernichtet, bei Alt und Jung zertreten werden und wie die Religion herabgewürdigt wird, indem man nur die Lücken auszufüllen sucht, auf Wissen, Würde Charakter und Herzensnetgung für's Fach keine Rücksicht nimmt. — So wird aus glaubwürdiger Quelle mitgetheilt, daß ein Cultusbeamter Böhmens im Gasthaus gemüthlich seinen Schinken genießt und am Samstag seine Pfeife raucht. Ja er soll auch am Sabbat ein jüdisches Leichenbegängniß veranstaltet haben. Das soll Samstag am 2. November 1895, in einer Gemeinde des Chrudimer Bezirkes geschehen sein. — Solche Verächter und Zertreter des Judenthums erziehen die Gemeinden selbst, indem sie jeden Jngoranten ins Amt einsetzen. Er kann vor kurzem noch was immer für einen Lebenswandel geführt haben und er braucht auch kein hebräisches Wort correct lesen zu können, so wird er ausgenommen, wenn er nur um geringen Gehalt die Lücke in der Gemeinde ausfüllt und ein billiges Werkzeug für Alles und für Jeden abgibt. Hier bewähren sich deS Propheten Worte: „Deine Leiter führen dich irre, deine Zerstörer und deine Vernichter werden aus dir selbst hervorgehen." Badapest, 7. Jan. (Zur neuesten Blutlüge.) In der Angelegenheit der Garam-Kis- Saloer Blutbeschuldigung hat bekanntlich der Kaufmann Jgnanz Adler gegen das antisemitische Blatt „Magyar Allam", welches dieser Beschuldigung Raum gegeben hatte, einen Preßproceß wegen Verleumdung und Ehrenbeleidtgung angestrengt. Der Redacteur des „Magyar Allam", Emil Szennez, der vom Untersuchungsrichter in Preßsachen vernommen wurde, bezeichnte als Autor deS incrimtnirten Artikels den Zseltzer römisch-katholischen Pfarrer Johann Fuß, der dann im Wege des Levaer k. Gerichtshofes einvernommen wurde und sich zum Verfasser des Artikels bekannte. Hiermit wurde die Untersuchung abgeschlossen und privat» klägerischer Vertreter Dr. S. Gutht überreichte seine Anklageschrift. Die Hauptverhandlung — welche sehr interessant zu werden verspricht — dürfte gegen Ende d. MtS. stattfinden. > vermischtes. A. B. Berlin, 5. Jan. Für den jüngst verstorbenen Dozenten Dr. Joel Müller veranstaltet der „Akademische Verein sür jüdische Geschichte und Literatur", dessen Ehrenmitglied der Verstorbene war, am Dienstag, den 7. Januar eine Gedächtnitzfeier. Herr Dr. Schreiner, Dozent an der Lehranstalt für die Wiffenschaft der JudenthumS, wird d'e Gedächtnitzrede halten. Wir werden s. ZI über die Feier unseren Lesern Bericht erstatten. Emden. Dem 7. Rechenschaftsbericht des Vereins zur Unterstützung und Erziehung armer, verwaister Kinder, ESrath Jesomim im Landrabbinaisbezirk Emden, (Begründet durch Landrabbtner Dr. Buchholtz s. A.) entnehmen wir: Dank dem Wohlwollen allen derer, die so sehr bemüht sind, unsere große Aufgabe thatkraftig und hülfreich zu fördern, ist es uns nicht allein möglich gewesen, unserm Ziele dadurch um ein großes Stück näher zu kommen, daß wir zwei Waisenknaben untergebracht haben, sondern auch einen bedeutenden finanziellen Forschritt in unserem VereinSvermögen zu erzielen. Trotz der bedeutenden Mehrausgaben, die wir gegen das Vorjahr halten, ist unser Vereinsvermögen um rund 1400 Mark gewachsen, so daß dasselbe am 31. Aug. d. I. die Summe von 10763,43 Mark gegen 9353,83 Mark im Vorjahre aufwies. Welch segensreiche Wirksamkeit unserem Vereine Vorbehalten ist, erw es sich uns bei der Unterbringung zweier Knaben; denn mehr oder minder wurden beide der förmlichen Verwahrlosung entrifien. Der Eine ist einem christlichen Armenhause entnommen und, weil noch nicht schulpflichtig, in einer hiesigen Familie untergebracht worden, während der andere im „Deutsch-JSrael. Kinderheim" zu Diez a. d. Lahn Aufnahme fand. Briefkaste« der Nedaetio«. I. R. in S.: Der Zusendung einiger Räthsel sehen gerne entgegen. L. C. in R.: Die muß nochmals geschrieben werden, doch dürfen auch andere DHy unterschreiben. Der Mann unterschreibt seinen Namen in diesem Falle ohne innn. Ein Wißbegieriger in Hamburg: Den ganzen Bart darf man nicht abrasiren, selbst untenamHalse ist eS streng verboten. Letzrer H. in FlarrrnrerSheirn: Sie dürfen auch Petroleum verwenden. K. in D.: Ihr Sohn bxinqt bie Sidra Hips Samstag den 14. März zur Verlesung. Der Geburtstag Ihres Sohnes nach dem jüdischen Kalender ist am 23. Adar, am Sonntag den 8. März vorher. An diesem Tage wird der Knabe religiös volljährig.