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Der Israelit · 1896-01-09 · Heft 3 (9.1.1896) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 3 (9.1.1896)
Date
1896-01-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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46 gewiesen. Da er ein sehr anständiger junger Mann ist, waren seine Bekannten ganz bestürzt und beschloffen, die Sache genauer zu untersuchen. Es wurde nun auch herausgebracht, daß gewisse Kreise Sinsere's Aufnahme opponirten, weil er ein Jude ist. Präsident Harser wurde von Seiten der Zornig MenS' Christian Association ersucht, schleunigst Remedur zu schaffen, widrigenfalls die Angelegenheit vor die Fakultät getragen würde. Personalien. Niedenstein. (Wegen Raummangel verspätet.) Von einem herben Mißgeschick ist eine der hervorragendsten Familien unserer Stadt betroffen worden. Unser erster Vorstand — ein im edelsten Sinne des Wortes nttoi iP’N — der im 54. Lebensjahre stehende Gastwirth M. Adler II. ist plötzlich und unerwartet an einem Lungenschlage am 8. v. M. in der Klinik zu Marburg a. d. Lahn verschieden. Seine m>, die sich zu einem wahren QL?n LS'HD gestaltete, legte Zeugniß von seiner großen Beliebtheit ab. Der Verstorbene machte die Feldzüge von 186k und 1870 mit und war ein eifriges Mitglied des hiesigen Kriegervereins, in deffen Vorstand er lange Jahre mit regem Eifer thätig war. Der hiesige .Kriegerverein" und der von Wichdorf (woselbst gar keine DHUT wohnen) waren zur Leichenparade ihres Kameraden vollzählig und mit florverhüllten Fahnen erschienen. Ihnen schloffen sich viele Kameraden aus den Nachbarorten mit Orden und Ehrenzeichen geschmückt an, sowie fast alle Bürger der Stadt ohne Unterschied der Konfession, des Ranges und Standes. Unzählige Freunde des Verblichenen — oft aus weiter Ferne — sah man in dem imposanten Leichenzuge. Auf dem Friedhofe hielt Herr Lehrer Heiser hier — selbst ein Kriegstheilnehmer des Feldzuges 1870/71 — eine ergreifende Ansprache an die Trauerversammlung über Pf. 68, 6, in welcher er die vielen Vorzüge des Verklärten rühmend hervorhob und der trauernden Familie den Trost der Religion spendete. Hierauf sandten die ehemaligen Krieger ihrem verklärten Kameraden durch die üblichen 3 Ehrensalven den Abschiedsgrub nach. DaS offene ehrliche Wesen!deS Verstorbenen, sein tadelloser Ruf und guter Name erwarben ihm großes Zutrauen und viele Ehrenämter waren seiner kundi .en Hand anvertraut. So hat er — wie bereits Eingangs erwähnt — 13 Jahre hindurch mit der größten Gewiffenhaftigkeit das Amt eines ersten Vorstehers der Gemeinde O'Olv geführt und 20 Jahre lang war er erster Präses der Dmna man. Bei keiner öffentlichen und geheimen Sammlung, die der Wohlthätigkeit galt, fehlte sein Name und viele solcher Sammlungen hat er aus eigenem Antrieb angeregt und ging selbst von Thür zu Thür um Gaben für edle Zwecke zu fordern. Besondere Fürsorge wandte er dem „Reichswaisenhause" und dem „Kinderheim* zu Dietz und Limburg a. d. Lahn zu. Adler ist umer den hiesigen 5 jüdischen Kriegstheilnehmern der erste, der7inS^Grab sinkt. rraäJn. —r. Vermischtes. Jever. Hier geht das Gerücht, daß Herr Landrabbiner Dr. Mannheimer beabsichtige, beim StaatSmmisterium die Verlegung feines Wohnsitzes von Oldenburg nach Jever zu beantragen Hoffentlich wird Herr Dr. Mannheimer sich nicht beirren laffen und diese Absicht ausführen, da in unserer Gemeinde die religiösen Verhältniffe vorzüglich sind, die Schule ca. 60 Kinder zählt und der Landrabbincr hier sich-r große Befriedigung in seiner Thätigkeit finden würde. Eine von allen Gemeindemitgliedern unterschriebene Petition an den Landrubbiner, er möge einmal Jom Kippur in Jever zubringen, wurde von ihm s. Zt. - abzelehnt, da mehrere Oldenburger Kaufleute dem Landrabbiner die Pistole auf die Brust setzten und mit a"' pip'N drohten, falls er Jom Kippur nicht in Oldenburg sei. Damals hatte die Drohung ihren Zweck erreicht. Hoffentlich bleibt Herr Dr. Mannheimer d esmal standhaft bei seinem Willen. Hier öffnen sich ihm alle Pforien und alle Herzen freudig, und hier ist das Feld gut zu bebauen, denn der Boden ist empfänglich und fruchtbar. H L. Rtxheim. — Der durch seine schöne Reben und guten Weine bestbekannte Herr Leoy-Zivi ist auf dem diesjährigen 0oueur8 national viticole in Bordeaux mit dem höhsten Preis ausgezeichnet worden, nämlich mit dem Grand prix mit Goldkreuz. Er hatte eine Collcktion von 68 der schönsten Rebsorlen ausgestellt, die er dem botanischen Dienst der Stadt Bordeaux schenkweise offerirte. Wie«, im Dez. (Nächstenliebe!) In den letzten Tagen erzählte Abg. Noske folgenden Fall im Parlament. Eine arme Frau in der Provinz nimmr sich aus Wien ein Findelkind, welches das Unglück hat, ein jüdisches zu sein, und setzt den Pfarrer des Ortes davon in Keantmß. Mit einem Ausdrucke von Bildungsmangel wird die arme Frau behandelt, weil sie sich erlaubt hat, ein jüdisches Kind zu bringen, und der Fanatismus steigert sich noch, als dieses Kind stirbt. Der Pfarrer sagt: Dieses Judenkind laffe ich nicht aufdem Friedhofe begraben, verscharrt es auf dem Hutin» ger, und so geschah es auch. (Hört! Hört! links.) In Folge Beschwerde des Rabbinats wird dieses Kind später exhumirt und auf dem Friedhofe beerdigt. (Hört! Hört!) Und so was nennt sich katholischer Priester! So etwas darf geschehen, ohne daß es die Erbitterung aller anständigen Leute herausforderte. Wann wird endlich der K'rchenfurst aufstehen, der sagen wird: Ist das katholische Religion? (lebhafter Beifall links); wann wird er erstehen und wird die Religion der Nächstenliebe predigen und sagen: Ich darf nicht die Jntereffen der streitenden Kirche über die Jntereffen der christlichen Religion stellen (lebhafter Beifall links); ich darf nicht zugeben, daß, weil eine Bewegung mir Handlangerdienste lebtet, sie die katholische Religion und Alles, was dem Katholiken heil g ist, in das Gegentheil verkehrt, ihm durch ein solches Vorgehen sein katholisches Bewußtsein raubt, weil er daran zweifeln muß, ob das jene Religion noch ist, die der Stifter unser Religion seinerzeit gelehrt hat. (Lebhafter Beifall links.) In HegyaljaMad wurde vorige Woche Frau T h. F r e u n d, eine wegen ihrer Herzensgüte allgemein geachtete Greisin unter überaus großer Betheiligung der Bevölkerung ohne Unterschied der Konfession zu Grabe getragen. Wie verlautet, soll Frau Freund eines großen Theil ihres ca. 200.000 fl. betragenden Vermögens zu wohlthätigen Zwecken gewidmet haben. Si g m S ch w a r tz. Feuilleton. Aer Letzte seines Stammes Erzählung von Alphonce de la Haye. 2) „Warten? Aufschieben? — Ja wenn ich Zeit dazu hätte! Zwar soll der Mensch seine Hoffnung auf Gottes Beistand nie sinken laffen, aber ebenso ist es Gebot, sich nicht auf ein Neß*) zu verlassen! Glaubst Du nun, ich kenne meinen Zustand nicht? Oder meinst Du wirklich, daß das Mutterherz Ruhe 1) Ein Wunder.

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