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Der Israelit · 1896-01-09 · Heft 3 (9.1.1896) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 3 (9.1.1896)
Date
1896-01-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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45 Mitgliedein des Vorstandes der israelitischen Cultusgemetnde, sowie von zahlreichen jüdischen Einwohnern, mit einer längeren Ansprache begrüßte, in welcher er die Ankunft des Bischofs als eine Gewähr für den Frieden und die Eintracht zwischen Juden und Christen bezeichnete. Bischof Nowod worSki, welcher, als er der Juden-Deputation ansichtig wurde, aus dem Wagen stieg und die Begrüßungsrede des Rabbiners mit Aufmerksamkeit anhörte, erwiederie hierauf Folgendes: Ich danke den Herren herzlich für den freundlichen Empfang, und zwar danke ich hiefür aus dem Grunde, weil düse Begrüßung eine Artigkeit ist, die ich zu schätzen weiß, dann detzwegen, weil Ihr Vorgehen vernünftig ist. Sie bekunden dadurch angesichts der weitverbreiteten Strömung des antisemitischen Rassenhasses, daß Sie sich dessen bewußt sind, wie sehr die katholische Kirche die Juden immer gegen die von Zeit zu Zeit Wider sie sich kehrenden Ausbrüche des Hasses seitens der von der heiligen Lehre der evangelischen Nächstenliebe nicht genug durchdrungenen Menge zu schützen Pflegte. Aber Ihre Begrüßung gefällt mir insbesondere auch deßhalb, weil sie schön ist al« Ausdruck religiöser Hoffnung. Ist doch euer Gott, der Gott Abraham's, Jsaak's und Jacobs unser Gott; ist ja eure heilige Schrift auch unsere heilige Schrift. Mit euren Psalmen verrichten wir in unseren Kirchen unsere Gebete. Eurem Volke entstammt der menschliche Körper unseres Erlösers, aus eurem Volke gingen unsere ersten Apostel hervor. Wir haben mit euch viel Gemeinsames, wie viele grade bei dem, den eure Väter nicht anerkennen wollten! Die Scheidung zwischen uns erfolgte, und euer trauriges Geschick begann. Das traurige LooS, das euch zu Theil wurde, und die Leiden, die ihr durch viele Jahrhunderte zu erdulden hattet, sind hinlänglich bekannt. Dieses Schickial wurde euch von Ostas vorhergesagt. Es gibt jedoch Prophezeiungen, die euch eine heitere Zukunft ankündigen, in der ihr euch mit Allen und Alle mit euch versöhnen werdet. Diese Versöhnung kann nicht anders als durch und in Liebe vor sich gehen. Allein diese Liebe soll nicht bloS im Munde geführt werden, sondern sie mutz im Herzen der Menschen austeden. hier erblicke ich ein Anzeichen dieser künftigen Annäherung, und deßwegen erflehe ich für Sie Gottes Segen. Die Juden nahmen diese Rede mit Hochrufen auf den katholischen Kirchenfürsten auf, welche, wie die polnischen Blätter, namentlich das Warschauer Diöcesenblatt Przeglond Katolickl, betonen, die Hetzreden von Lueger und Genossen im rechte Lichte erscheinen lasse. Kleine iüü. MW-ten aus Den Urreiaisten Staaten. New 4)ork Emanuel Meyer, der Begründer der „Clinton Street Schul", der ältesten jüdischen Synagoge an der Eastside, feierte jüngst seinen hundertundvierten Geburtstag in seiner Wohnung, 2026 First Ave. Herr Em. Meyer wurde im Jahre 1791 in Bayern geboren und kam als 44jähriger Mann nach Amerika und sein Fleischerladen in Attorney Street bestand durch 50 Jahre. Das Hinterstübchen des Ladens war durch Jahrzehnte ein beliebtes Rendezvous seiner Freunde, er verstand es, sich eine große Zahl zu erwerben, und oft konnte man daselbst Richter, Senatoren, Assemblymen und Aldermen beim Glase Bier und einer Partie Pinocle beisammen sitzen sehen. Herr Meyer spielt noch heute sein Partiechen mit seiner Frau, raucht eine Pfeife, ißt und trinkt mit gutem Appetit und macht alle Tage ohne Stütze einen Spaziergang. — Dem Briefe George Washingtons an die Juden von Newport, den Herr Frederick Ph llips dem Komite der Hebrew Fair im Madison Square Garden zur Verfügung gestellt, entnehmen wir die folgenden markanten Stellen. „Die Tage der Schwierigkeiten und Gefahren liegen nunmehr hinter uns, und das erfüllt das freudige Bewußtsein, daß Tage ungewohnter Prosperität und Sicherheit ihnen folgen. Besitzen wir nun die erforderliche Siaalsklughril, die uns begünstigenden Vortheile zu benützen, so werden wir nicht verfehlen zu einem großen und glücklichen Volke zu werden... Es ist nicht mehr am Platze, von Toleranz so zu sprechen als ob eine Klasse der die Bevölkerung ihre natürlichen, ererbten Rechte blos dank der großmüthigen Duldung einer anderen auSüben könnte. Glücklicherweise fordert die Regierung der Vereinig en Staaten, die der Scheinheiligkeit keine Sanktion, dem Verfolgungswahn keinen Beistand gibt, blos. daß Jene die unter ihrem Schutze leben, sich als gute Bürger erweisen.Mögen die Kinder vom Hause Abraham die Neigung ibrer Mitbürger dauernd veroienen und erfahren, und ein Jeder in Frieden unter seinem Feigenbäume und in seiner Weinlaube sitzen, und keiner sei da, der ihnen Angst einjagt. Möge der Vater aller Gnaden Licht und nicht Dunkelheit auf unsere Pfade breiten und uns Alle in unseren verschiedenen LebenSberufen erfolgreich und später, in seiner Zeit und nach seinem Ermessen, immerwährend selig machen. G. Washington." So sprach der erste Präsident, der Vater seines Landes zu sei en jüdischen Mitbürgern — Aus einer Rede des Bischofs Joseph S. Key in Houston Texas, entnehmen wir Folgendes: „Statistische Daten beweisen, daß d e Juden der Erziehung ihrer Kinder mehr Aufmersamkeit zuwenden, als irgend ein anderes Volk. Unter 10,000 katholischen jungen Leuten sind 35, von 10,000 Protestanten 35, von 10,000 Juden 351 Unioersttätshörer. Durch seine Erziehung, seine Bildung, seinen Reichthum hat sich der Jude verdient gemacht, eine Rolle in der Welt zu spielen und einen mächtigen Einfluß auszuüben. Ich bin e’tTi%UT£mt>^vt dü.fe Freundschaft." Chicago, (Jll). Frau Em. Mandel, eine bekannte Philantropin, hat dem Präside'lcn der United Hebrew Charities einen Check für 20,000 D übersandt, der zur Hälfte dem Tilgungsfond der Uebungsschule, zur anderen Hälfte der Errichtung eines neuen Armen-Hospitals gewidmet ist. Die g^oßmüthige Spenderin, die Vizepräsidentin des Standrad Klubs ist, hat in ihrem Schreiben ihrer Ansicht Ausdruck verliehen, daß die gegenwärtigen Lokalitäten des Hosspitais Ecke Judd Street, zu beschränkt seien. — Drei betrunkene Polen lockten Abraham Mar, einen Hansirer, in einen Thorweg und begannen ihn zu necken und zu quälen. Einer derselben legte dem armen Juden ein Seil um den Hals und drohte ihn, falls er nicht ein Kreuz mache und ein Gebet, das er ihm vorsage, nachspräche, aufzuhängen. Der Jude weigerte sich und die best alischen Kerle zogen ihn dreimal empor, so daß er das Bewußtsein verlor und von seinen Peinigern fast todt liegen gelassen wurde. Nachbarn, die nach einigen Minuten dazukamen, belebten Mar. Die Uebelthäter wurden verhaftet. — Suell Hause ist eine Art Studenten-Klub der hiesigen Universität. Ein jeder S udent hat das Recht, im Klub drei Monate „auf Probe" zu wohnen, nach welcher Zeit er vom HauSkomite entweder als ordentliches Mitglied angenommen, oder zurückgewiesen wird. Suell House hat jetzt ein Skandälchen- Herr Sinsere wurde vom Komite zurück'

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