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Der Israelit · 1896-01-09 · Heft 3 (9.1.1896) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 3 (9.1.1896)
Date
1896-01-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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42 Rabbiners," enthält, mit welchem er sich bei seinen Lesern einsührt. Johann Heinrich Pestalozzi wurde am 12. Januar 1746 in Zürich geboren. Ueber die sociale und politische Stellung unserer Glaubensgenossen zu damaliger Z-it. besitzen wir eine „Sammlung jüdisch er Geschichten in der Schweiz von Johann Caspar Ulrichs, Pfarrers zum Frauen-Münster in Zürich" aus dem Jahre 1768, also einer Zeit, in welcher Pestalozzi 22 Jahre zählte. Es ist von allgemeinem und speziell für unseren vorliegenden Gegenstand von besonderem Jntereffe, aus einigen Sätzen dieses Werkes ein Unheil über die damalige soz-ale Stellung der Schweizer Juden zu gewinnen. „Wer hat uns doch die Juden aus dem gelobten Lande über die Alpen herüber gebracht? Wie sind sie in die Schweitz gekommen? Wie sind dieie Leute in der Schweitz gehalten worden? Die Nachrichten, die der geneigte Leser in diesem Buche antreffen wird, werden ihnen sagen, daß diese unglückseligen und von Gott wie der Spreu zerstreuten Leute zwar auch in diesem kleinen Pünktlein und Eckletn der Erde ein Asylum gesucht, aber wahrhaftig nichts Wenigers als dieses gefunden haben. Sie lebten frrylich eine Weile in der Schweitz ruhig und vermehrten sich trefflich. Sie wurden groß, reich und ansehnlich; aber eben dieses ihr vermeintliches Glück ward ihnen zum Strick und zum Fall. Sie mußten auch in der Schweitz eben wie in anderen Ländern, unendlichen Schimpf, die grausamsten Verfolgungen und Marter leiden. Sie wurden bey Zehen, bei zwanzige, ja bet hunderten verbrennt, und diejenigen, die noch gnädig durchkamen, bettelarm von Haus und Hof verjagt." „Aus dieser Ursache habe ich nicht nur zu berichten, was die Jaden gegenwärtiger Zeit in der Schweitz sind, sondern eigentlich, was sie gewesen sind; dann was sind diejenigen, die noch sind, gegen diejenigen, die ehemals waren? Ehemals waren sie fest in allen Städten unseres Landes; dermalen aber werden nur einigen Wenigen, in zweyen geringen, O-then oder Dorfschaften der Grafschaft Baden, Aufenthalt, Schutz und Schirm gestattet." -„Ich habe aber auch noch ein Wörtlein mit euch zu reden; bmtn utin Liebe Israeliten, die ihr schon bey undenklichen Jahren in Lengnau und Endingen gewöhnet, oder besser zu sagen, daselbst im n^a, im Extlio, in der Verdatung aus euerem schönen und allerliebsten Vaterland, gelebt habet. Ein innigliches und wahrhaftes Mitleiden rühret mein Herz, wenn ich eueren betrübten und beweinenswürdigen Zustand ansehe. Der n"2p!i, ewtg-gebenedette Gott, der gesagt hat: Ich will die Missethaten der Väter heimsuchen an den Kindern D’jn-i byi by bis in das dritte und vierte Geschlecht, an denen die mich hassen, hat euch nicht nur bis in das dritte und vierte Geschlecht, sondern bereits über das dreh und dreysigste Geschlecht, (ich rechne wie ihr rechnet, nämlich alle zwanzig Jahre ein in Geschlecht, oder welches gleichviel ist, fünf Geschlechter zu hundert Jahren) in Lengnau und Endingen verbannet. Von dem ganzen, großen Golus oder Vertreibung aus euerem alten lieben Vaterland und elenden Zerstreuung unter alle Völker der Erden, will ich nun nicht reden. Eure Väter und Voreltern sind, wenn sie in diesen Drangsalen lang genug armseliglich gelebt haben, endlich auch da gestorben, und vermutlich wird es auch und eueren Kindern auch so ergehen." u. s. w. So traurig auch die Zustände innerhalb der schweizerischen Judenheit waren, die Lage der Armen und Enterbten außerhalb des jüdischen Kreises war eine ungemein trostlosere. Das Auge des ntchtjüdsschen Forschers gewahrt nur die durch Gewalt und Wahn verkümmerte Außenseite des jüdischen Lebens wie es für Jedermann in die Erscheinung tritt. Es steht den Juden mit dem Quersack auf den Schultern draußen durch die rohe Menge ziehen, ihrem Spott und ihrer Willkür preisgegeben. Aber es kennt nicht den Juden in seinem Familienseinem Gemeinde- und seinem Vereinsleben. Es kennt nicht die Ruhe und den Frieden, den der gehetzte Jude aus der Heilighaltung feiner Sabbat- und Feiertage schöpft. Vor allem aber hat sein Blick kein Verständniß für die sittigende Kraft, für die Hoffnung und den Trost, für die Lebensweisheit und Lcbensheiterkeit. die er, wenn er nach Hause gekommen und den Quersack abgelegt hat, aus den heiligen Büchern seines unvergleichlichen Schriftthums mit gleichgesinnten Genossen schöpft. Es ist dies die sittliche Hebung und Veredlung, die durch Unterricht, Erziehung und Belehrung Pestalozzi den Armen bringen wollte, deren sich aber der jüdische Kreis seit vielen Jahrhunderten in einer Weise erfreute, die sonst bis auf den heutigen Tag ein unerreichtes Ideal ist. Daher mochte es kommen, daß trotz ihrer gedrückten Lage bei der Judenheit zur Zeit Peftalozzi's für dessen reformatorifches Erztehungswerk kein Bedürfntß und daher auch kein Verständniß vorhanden war. Um so nachhaltiger war aber der Einfluß Pestalozzis auf die ihm zunächst stehenden Kreise, welchen der edle Menschenfreund seine liebende Hingebung in erster Reihe zuwandte. In jener Zeit lag das Volk aller Länder in geistiger Verwahrlosung tief danieder. Dem Armen war von der Geburt an der Bettelstab als einzige Stütze durch das Leben gegeben, bis er ihn, durch

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