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Der Israelit · 1896-01-09 · Heft 3 (9.1.1896) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 3 (9.1.1896)
Date
1896-01-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXVII. Jahrgang. Der Israelit Ein Genlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenlhum. pkgrünbrl ms Dr. Lehman« in Mainz. Donnerstag, den 9. Januar 5656 (1R96). Leitender Artikel. Westakozzi. Von BezirkSrabbtner Dr. Ehrmau« in B a d e n (Schweiz.) I. Die Lehrer und Erzieher in aller Herren Länder rüsten sich zur Feier des Tages, an welchem vor IbO Jahren, Johann Heinrich Pestalozzi geboren wurde. Wer war Pestalozzi? Was hat er gewollt, was hat er erreicht, welche Veranlassung haben speziell wir Juden, das Gedächtniß dieses Mannes zu feiern? Diese letzte Frage wird nur derjenige stellen, dem Pestalozzis -Leben und Wirken unbekannt ge. blieben ist. Wer es kennt, wer es weiß: pnx -ot ranab, daß das bloße Gcdächtniß des Gerechten zum Segen wird, der wird keine Gelegenheit versäumen, um dieses Gedächtniß neu zu beleben. Wer von der Wahrheit durchdrungen ist ip' « wn dh rrnn daß wer Edles aus Unedlem zu gewinnen versteht, dem Gottesmunde selber gleicht, der ahnt die Quelle, aus der die göttliche S-gen8fülle fließt, welche das Andenken an Vater Pestalozzis Leben und Wirken für alle Zeiten bedeutet. Nach dem Vorbilde des himmlischen Vaters, hat Vater Pestalozzi auf den Mund von Kindern und Säuglingen seine Macht gegründet, und hat getreu der alten, jüdischen Mahnung, auf die Kinder gerade der Armen zu achten, die Gedrückten, Verlassenen und Hilflosen, aufgesucht, um sie durch Erziehung, Unterricht und Bildung aus der Verkümmerung zu reißen, der sie sonst verfallen wären. Ein solches d'dp ovb, ausschließlich um Gottes Willen entfaltetes Leben und Wirken, hört auf einem bestimmten Lande, einer Religion oder Confesfion anzugehören. Es ist der Menschheit geweiht, als deren Priester und Herold Pestalozzi die reinste, htngebenste Menschenliebe gelehrt und geübt hat; und wir könnten fragen, was er uns Juden bedeutet? In unlerer numerischen Winzigkeit und Schwäche und der dm aus folgenden Abhängigkeit von dem Gerechtigkeitssinn und der Liebe unserer Mitmenschen sind wir, zerstreut unter alle Staaten, auf deren fortschreitende Gesittung und Bildung angewiesen. Wer den Sinn für Gerechtigkeit weckt, die L ebe zu den Menschen lehrt, wer die Menschenbtldung und Gesittung fördert, der hat daber unserer Sache den denkbar größten Dienst erwiesen, den Menschen ihr überhaupt erweisen können. War dies zu allen Zeiten wahr, wie ist es erst eine Wahrheit in unserer Zeit, die gifliffeltiich alles hervorsucht, was die M «sch n so «dert und scheidet, und sie nach Raffen und Klaffen sich baffen lehrt, statt auf die vielen, hohen, allen gemeinsamen, menschlichen und göttlichen Anliegen Hinzuwe sen, die uns brüderlich als Kinder eines Gottes binden. In einer solchen Zeit sollten wir Juden, mehr wie alle anderen, das Gedächtniß des Mannes neu beleben. der sein bedeutendes Werk, mit den Worten in die Welt sandte: „Ich habe keinen Theil an allem Streit der Menschen über ihre Meinungen; aber das, was sie fromm und brav und treu und bieder machen, was Liebe Gottes und Liebe des Nächsten in ihr Herz, und was Glück und Segen in ihr Haus bringen kann, das, meine ich, sei außer allem Streit, uns Allen und für uns Alle in unser Herz gelegt." (Vorrede zu „Lienhard und Gertrud.") Um Pestalozzis Bedeutung richtig zu würdigen, ist ein orientirender Bltck auf sein Leben und Wirken erforderlich, sowie auf die Zeit, in welcher er seine Wirksamkeit entfaltete. Wenn sein edles Herz am lautesten für die Armen und Verstoßenen pochte, für wen hätte eS wärmer schlagen können, als für die Aermsten unter den Armen, als für die Juden in der Schweiz? Ob ihn seine grenzenlose Menschen« liebe auch den Juden näher geführt hat, ist uns nicht bekannt. Sein Interesse für das Juden« thum hat er, jedenfalls hinlänglich damit bekundet, daß ein großer Theil der Vorrede seines erwähnten berühmtesten Werkes, „Betrachtungen eines jüdischen

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