Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 2 (6.1.1896)
- Date
- 1896-01-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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26 der Lchrergesangveretn nach dem v'vn usn ein ergreifendes Lied, welchem die Rede des Stadtrabb. Dr. Steckelmacher folgte, welch letzterer ein sehr wahrheitsgetreues Bild von dem Leben des Verstorbenen entwarf; und im Anschluß an seinen Namen und an die kommenden ithd mit Recht ausrief: *p’N ppya *]T Tnx -pn* nn« mm*. K. habe bewiesen, daß man ein guter Jude und nicht trotzdem sondern eben deßhalb doch ein tüchtiger Lehrer und braver Mensch sein kann. Nach einigen sehr warm anerkennenden Worten aus dem Munde eines alten College«, ein abermaligls Lied und der Hügel wölbte sich über dem Grabe eines Mannes, auf den die Worte Boden st edts so recht paffen: „Kein Mensch ist unersetzbar, Wie hoch man ihn auch hebt, Doch jeder uns unschätzbar, Der so für unS gelebt, Daß, wird er uns entrissen, Wir schmerzlich ihn vermissen." S. Rothschild, Worms. Amerika. Baltimore, 28. Dez. Amerikanische Blätter berichten: Während der Vorstellung der hebräischen Oper im Frontftrect-Theater entstand in Folge falschen Feuerlärme eine Panik; alles stürzte zu den Ausgängen. 24 Personen wurden im Gedränge getödtet, 40 schwer verletzt. (Wahrscheinlich ist unter „hebräische Oper" die Aufführung eines der von der russischen „Goldfadentruppe" auf die Bühne gebrachten Jargonstücke gemeint. D. Red.) -£• vermischtes. < Neumarkt, 30- Dez. Das hiesige Wochenblatt berichtet: An einem der letzten Tagen wurde Herr Dr. Weinberg, neugewählter Rabbiner der Distriktsgemeinde Sulzbürg- Neumarkt, im hiesigen kgl. Bezirksamte vereidigt und hielt derselbe in der Synagoge dahier seine Antrittspredigt. Anläßlich dieser Feier hatten sich die Mitglieder der Kultusgemeinbe Neumarkt sowie die Schuljugend vollzählig in dem mit Blumen und exotischen Gewächsen reich geschmückten und im strahlenden Kerzenglanze erscheinenden Gotteshause eingefunden. Herr Kantor Kahn leitete zu Ehren des ehrwürdigen Herrn Distrikts-Rabbiners den Gottesdienst besonders weihevoll und erhebend. Großen Eindruck auf die Zuhörer machte die Festpredigt des Herrn Distrikts-Rabbiners, welche sich in erschöp'ender Weise über den an diesem Tage zur Verlesung gelangten Thora-Abschnitt verbreitete, und gaben seine geistvolle Ausführungen den freudigen Beweis, daß die Distriktsgemeinde Sulzbürg-Neumarkt mit einem, von den Pflichten seines hohen Amtes tiesdurchdrungenen und mit reichem Wissen ausgestatteten Seelenhirten beglückt wurde. Seine Aufforderung an die Gemeinde, ihn zur Erreichung seiner idealen Bestrebungen zu unterstützen, hat gewiß im Herzen aller Andächtigen lebhaften Widerhall, gefunden. Den Schluß der Festpredigt bildete ein Gebet für das Wohl des Herrscherhauses, des Vaterlandes und der Gemeinde." St. Petersburg, 30. Dez. (Zur Judenfrage.) Auf einigen Strecken der sibirischen Eisenbahn ist die Ausführung von Tischler- und Zimmerarbeiten jüdischen Handwerkern übertragen worden, welche eigens zu diesem Zweck | aus den inneren Gouvernements des Reiches herbetgerufe« wurden. Da nach dem Gesetz über das Paßwegen vom! Jahre 1890 und den wiederholten Erläuterungen des dirigirenden Senats den jüdischen Handwerkern das Betreten Sibiriens und der Aufenthalt daselbst nicht gestattet ist, so hat der Minister des Innern an den Kommunikationsminister das Ansuchen gestellt, er möge verordnen, daß in Zukunft Juden der erwähnten Kategorie von den Eisenbahnunternehmern nicht mehr zu irgendwelchen Arbeiten in Sibirien herangezogen würden.(Münch. N. Nachr.) gfeniUeton. Per Letzte seines Stammes Erzählung von Alphonce de la Haye. I. Theil. 1. Capitel. (Alle Rechte Vorbehalten.) Vergebens sucht der Mensch des Glückes Quelle Weit außer sich in wilder Lust. In sich trägt er den Himmel und die Hölle Und seinen Richter in der Brust. Göthe. Wer ist glücklich? Der mit seinem Loose zufried-m ist l (Sprüche der Väter IV. 1.) Mutter und Kind. Bei einer Biegung des schattigen Hohlweges, der von M.. . nach L.... führt, haftet der Blick des Wanderers wie festgebannt an dem lieblichen Schlößchen Saint-AndrS. Auf einem sanft ansteigenden Hügel erhebt sich aus dem dunkeln Hintergrund eines sich in der Ferne verlierenden Birkenwäldchens das stolze Gebäude mit seinen Thürmen, Giebeln und Erkern von einem schönen, wohlgepflegten Park umschlossen. Diesem Hügel zu Füßen breitet sich in zierlichem Bogen die Kreisstadt R. . . . mon aus. die mit ihren rothen Ziegeldächern, dem gezackten Ktrchthurm und der alle übrigen Häuser überragenden Synagoge, die Lieblichkeit und archttcctonische Schönheit des Schlosses noch vervollständigt. Beide, Stadt und Schloß, machen auf den Beschauer einen überaus harmonischen Eindruck, und auf den ersten Blick wird man sich inne, daß die Aufführung in dieser Form im ursprünglichen Plane des Architecten gelegen haben muß. Die Mittagszeit war vorüber. Endlich zerriß die Sonne den dunklen Schleier der Wolkenschaaren, die den ganzen Morgen den Horizont überzogen hatten, und in schwärzlichen Zügen flohen die Wolken hinter den Hügel Saint-Anditz. Aber eine drückende Schwüle lag auf der ganzen Landschaft; unter der Sonnengluth zitterte die erhitzte Luft. Die Landstraße schien völlig verlassen zu sein, denn weit und breit war kein lebendiges Wisen zu sehen; selbst Schloß und Park lagen einsam und still da. Doch nein! — an der Brüstung der steinernen Terraffe, die vom Schloß in den Park führt, lehnte sich die schlanke Gestalt eines Mannes, der die Hand vor