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Der Israelit · 1896-01-06 · Heft 2 (6.1.1896) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 2 (6.1.1896)
Date
1896-01-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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25 hielt er an der Hand eines iso vor den Mitgliedern der n-2 man in seiner Wohnung freie deutsche Vorträge, die durch ihre Wärme und religiöse Begeisterung die Zuhörer feffelten. Ferner war er ein gern gehörter pn an den dwu d»o»; auch der Ungelehrte konnte merken, mit wie vielem Verständnisse er vortrug. Er liebte auch sonst von der Schönheit des einen oder des andern vrs zu sprechen. Acht und fünfzig Jahre lang hatte der Verblichene bi die Funktion eines Mohel im Weimarischen Lande und darüber hinaus rein rosso dk6 mit großer Freude ausgeübt. Wie als Hin» und nt* erwarb er sich allgemeine Achtung als edler Mensch. Er entfaltete einereiche Wohlihätigkeit, ganz besonders in hiesiger Stadt. Er war in Handel und Wandel so streng rechtlich, daß er ein unerschütterliches Vertrauen genoß, das sich nicht selten von Vater aus Sohn sorterbte. Das Vertrauen seiner Mitbürger zu ihm wird dadurch am besten bezeugt, daß sie ihn immer wieder in den städtischen Gemeinderath wählten, dessen Mitglied er vierzig Jahre lang gewesen. Von dem Ansehen, das er genossen, zeugte auch die überaus starke Betheiligung an seinem Leichenbegängniß seitens der jüd. Gemeinde und auswärtiger Juden, wie seitens der christl. Bevölkerung, darunter die Spitzen der Stadtbehörde. Herr Kirchenrath Dr. Kroner in Stuttgart bezeichnet es als merkwürdig, daß er in derselben Nacht, am p"o '«mo, als die reine Seele des p'in zu Gott emporstieg, im Jünglingsverein zu Stuttgart zu Ehren des Chanukahsesies an seinem Beispiele zeigte, wie man geehrt, geachtet und glücklich skia kann und dabei fern bleibt von na» W?n, oarn und nW>t oor sich mit der mm beschäftigt. Der Verstorbene hatte viel gekämpft gegen die mit Gesetzekraft ausgestatteten Reformen des Land- Rabbmers Dr. Hetz, bis zu ihrer im Jahre 1850 erfolgten Beseitigung. Er erzählte oft, wie die „Alten" einmal auf freiem Felde unter Schluchzen und Weinen über den Gewissensdruck pp nsa dv hielten, da in der Synagoge nur deutsch gebetet werden durfte und bet hoher Strafe es verboten war, in einem Privathause öffentlichen Gottesdienst abzuhalten. Die hiesige Gemeinde hat in Sandel Rosenblatt b"'> viel verloren und nach den heutigen Verhältnissen, wo p« -j-n vy mm, weltlicher Beruf mit Thorakenntniß, so selten gepaart ist, einen geradezu unersetzlichen Verlust erlitten. lpmnVv vi^ki ^ari Mannheim, 1. Januar. Trüb war das Wetter, ebenso trüb sah's in meinem Innern aus, als mich am 22. d. M. anschickte, der Beerdigung des Freundes und Collegen. Hauptlehrer Ltp.pmann Kern anzuwohnen. Wenn die Zahl der Leidtragenden den Maßstab für das Wirken eines Menschen abgiebt, dann muß der Verblichene in der That Großes geleistet haben, denn einen größeren Leichenkonduct hatten wir schon lange nicht gesehen. Der selig Entschlafene hatte wirklich Großes geleistet. Von einem Dorfe Badens wurde Kern im Jahre 1857 nach Mannheim an die jüdische Volksschule berufen und als in den 60er Jahren im Großherzogthum die Simultanschulen gegründet wurden, ging selbstverständlich Mannheim mit gutem Beispiele voran. Auch in diesem neuen Organismus war Kern ein wichtiges Glied. Er war so außerordentlich bescheiden, daß er kaum ahnte, zu welchen Ehrenämtern er noch berufen werden sollte. Die Worte Samuels (Kap. 15, 17), nna pp dn nn« »Mp oni i’rya: „Wenn Du Dich noch klein dünkst, wirst Du doch das Haupt der Stämme Israels," charakterisiren auch ganz sein Wirken. Mehrmals wählte ihn die Lehrerschaft Mannheims als ihren Vertreter in die Schulkommission, wo er stets das Interesse der Lehrer und Schule mit der ihm eigenen Ruhe und deshalb mit großer Sicherheit vertrat. Dort haben die übrigen Mitglieder der Commission, Oberbürgermeister, die Geistlichen der verschiedenen Confessionen jedenfalls den tüchtigen, besonnenen und braven Lehrer kennen gelernt. Und als mehrmals eine Rek^orals-Vakauz eintrat, wurde K. immer als stellvertretender Rektor gewählt, eine Auszeichnung, deren sich kaum noch ein jüdischer Lehrer rühmen kann. Es ist keine kleine Aufgabe einen Lehrkörper wie den der Mannheimer Volksschule mit seinen 180—200 Lehrern zu regieren, aber dies alles brachte der selig Entschlafene mit seinem konsilianten Wesen zu Stande. Nachdem er einmal den Rektor so lange vertreten und sich als tüchtiger Organisator bewiesen hatte, ließ man ihn zur Maffe nicht mehr zurücktreten, sondern ernannte ihn zum Sekretär des Rektorats. Da die Pensionsverhältniffe in Baden sehr lange ungünstig waren, sehen wir K. bei der Gründung der Pensionsfonds- und der Wittwenkaffe überaus thättg; ebenso widmete er seine Kraft den Interessen des Raphtali Epstein- Vereins. Bei einem solchen vielseitigen Wirken, das einem ovn rnp gleichkommt, darf es uns nicht wundern, wenn Behörde und Private bei jeder Gelegenheit wetteiferten, einem solchen Manne sowohl im Leben als auch bei seinem Tode aufmerksam zu sein. Ueber elftere — Dekoration durch den Großherzog — Ehrengeschenke — habe ich Ihnen seiner Zeit berichtet. Run galt die Aufmerksamkeit leider dem Todten. Eine große Menschenmenge, darunter der Oberbürgermeister rc., begleitete die „Leiche bis zum Friedhofe. Dort sang

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