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Der Israelit · 1896-01-06 · Heft 2 (6.1.1896) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 2 (6.1.1896)
Date
1896-01-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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28 das sichert ihnen der Buchstabe des'Gemeindegesetzes zu. Aber das moralische? Wer bürgt dem Steuerzahler dafür, daß man sein Geld nicht auf eine Weise verwendet, gegen die sich sein Gewissen auflehnen muß, nachdem der Rabbiner, der sein Vertrauen besitzt, sich nicht „mucksen" darf? Wie soll andererseits der Rabbiner es wagen, auf Mtßstände in der Gemeinde hinzuweifen, wenn er nichts als der untergeordnete Beamte des Cultusrathes ist, der ihn disc pltnarisch entfernen kann; wohlgemerkt, disciplinarisch, d. h. einer auf Grund einer vom Cultusrath selber geführten Untersuchung. Alle Anordnungen eines hochwohllöbltchen Cultusrathes würde der Rabbiner stillschweigend hinnehmen, sich denselben unbedingt fügen müsien, wohl auch, wenn ihm etwas aufgetragen wird, es submiffest ausführen, denn das ist ja der Wille der ihm unmittelbar Vorgesetzte» Behörde, einer Behörde, die dazu inappellabel waltet, denn das Gesetz normirt keinen andern Ausweg. Wenn dann bet der nächsten Wahl gerade ein anderer Herr die Directton der Skadtkasse oder sonst irgend ein Machtmittel in Händen hat und sich und seine Gefolgschaft in die Gemeindestube bringt, dann kann wohl ein neuer Geist zu wehen beginnen, neue Strömungen werden aufkommen, denen sich der Rabbiner wiederum wird fügen müsien. Man kann sich leicht ausmalen, wie es um den Frieden in den Gemeinden, um eine gedeihliche Entwickelung derselben bestellt sein wird. Die entwürdigenden Bedingungen, welche einem gewissenhaften, von der Hoheit seines Berufes erfüllten Rabbiner eS fast unmöglich machen, denselben auszuüben, könnten zur Folge haben, daß die besten und tüchtigsten Kräfte sich scheuen würden, sich demselben zu widmen. Die höchste Würde im Judenthum käme also im Verlaufe der Jahre in immer schlimmere Hände, und würde von Leuten besetzt, die sich wohl als vortreffliche Werkzeuge in den Händen eines jeweiligen Cultusrathes bewähren, sich auch vorzüglich eignen würden, Leichenreden zu halten, Trauungen vorzunehmen, bet öffentlichen Empfängen zu paradiren, nie und nimmer aber das religiöse Gewissen im Judenthum zu personificiren! Es steht in den Händen der jüdischen Cultusräthe, die oben besprochenen, Bestimmungen aus ihren Statuten auszuschalten, denn sie sind nicht bindend. In Galizien hat nicht ein Rabbiner Protest gegen diese Paragraphen erhoben. Die meisten unserer Rabbinen sind sehr von ihrem *1 robn bv nio» in Anspruch genommen, um sich um Aeußerltchketten zu kümmern. Möchten doch w'ise Männer unter uns sich finden, die den rechten Pfad zur rechten Zeit finden! ZeitimgSrrachrichleir und Correfpoudeuze». D eutfchland. Berlin, 2. Jan. Dem Vorstande der hiesigen jüdischen Gemeinde ist (wie der „Bö s.-Courter" mittheilt) vom Kultusminister mitgelyefti worden, daß der bereits mehrere Male besprochene Erlaß des Provtnfial-Schulkollegiums, die Anstellung jüdischer Lehrerinnen betreffend, nicht als eine Ausschließung der Lehrerinnen von dem Gemeindefchuldienst zu verstehen sei. wie mißverständlich angenommen werde. Das Provinzial Schulkollegium habe nichts weiter angeordnet, als daß künftig bei der Vertretung von Lehrerinnen die Vertreterin derselben Konfession anzugehören habe, wie die zu Vertretende. A. B. Berlin, 31. Dez. Am Sonntag fand hier die feierliche Emweihung des neuen Israelitischen Heimathhauses, das eine Volksküche, ein Mädchenheim, eine Spielschule, ein Kinderhort und ein Altenhort und ein Altenheim in sich vereinigt, unter sehr zahlreicher Betheiltgung eines geladenen Publikums statt. Der große Kinder- Speisesaal war festlich geschmückt und konnte die Festtheilnehmer lange nicht alle aufnehmen, so daß noch angrenzende Räume während des Festaktes benutzt werden mußten. Emgeleitet wurde die Feier durch einen von den Chorsängern der neuen Synagoge vorgetragenen stimmungsvollen Gesang, an welchem sich ein Sologesang des Kantors Herrn Marxsohn anschloß. Hierauf betrat Rabbiner Dr. Ungerleider die laub- und lichtergeschmückte Kanzel, um mit eindrucksvollen, ergreifenden Worten die Weihe-Rede zu halten. Es fehlt uns leider der Raum den Wortlaut der Rede hier wiederzugebe». An das schöne Wort rua» non knüpfend, führte der Redner aus, daß das neue Haus, dessen Grundpfeiler Gottes Liebe und Gnade seien, allen denjenigen, gleichviel welcher Konfession sie seien, Schutz und Schirm gewähren werde, die darum bäten. Wen es hungert, der solle eintreten, der wird gespeist werden, ohne daß man ihn fragt, in welcher Form er zu Gott bete. Wenn dein Bruder verarmt ist, stütze ihn, ermuthige ihn, daß er nicht an sich selbst verzweifelt, der Fremde sei dir, wie der Einheimische gleich lieb und Werth. Ganz besonders gedachte er der Kleinen, Verwaisten, Heimathlosen, der erwachsenen Mädchen, welch letzrere in einer Weltstadt wie Berlin mannigfachen Gefahren und Versuchungen ausgesetzt seien. Das neue Haus würde ihnen seine Pforte öffnen und ihnen Schutz gewähren. Mit den Worten abv'Tv ynuonNa schloß die schöne zu Herzen gehende Rede. Dann hielt Herr Abraham, der gemein-

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