Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1896)
- Date
- 1896-01-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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i dern mußt Du gänzlich aufgeben!" rief ich, „ich vermag es leider nicht, Dich von Deinem bösen Wege abzuführen, aber Du mußt ja nicht gerade i h n zum Opfer wählen!" „Es ist von unserer Gesellschaft einstimmig beschlossen, daß Pardubitzer beraubt werden muß; und selbst beim besten Willen, wäre ich nicht mehr im Stande es zu verhindern. Ein Widerspruch meinerseits wäre nicht nur erfolglos, sondern könnte für mich gefährlich werden. Ich bin wohl der Hauptmann unserer Gesellschaft und alle Mitglieder derselben haben bisher meinen Befehlen, die sich stets zweckdienlich erwiesen, gehorcht; aber jetzt, in der Zeit der größten Noth, hat sich das Band der Disciplin gelockert. Glaub' mir's, mein Sohn, wenn Du Pardubitzer verläßt, erweist Du ihm eilten unschätzbaren Dienst!" Das was mein Vater sprach, klang vernünftig und mußte mir einleuchten, und ich war ja, wie mein Vater richtig erkannt hatte, nicht Pardubitzers Freund .... ich haßte ihn ja eigentlich, und ich war ja stets ein schlechter, selbstsüchtiger Mensch, das habe ich ja vor euch nicht geleugnet .... wenn Pardubitzer durch einen unglücklichen Zufall, durch Nebercifer eines Räubers, beim Ueberfall das Leben verlieren würde, so konnte mich, wenn ich nicht dabei anwesend war, vor Gott und Menschen keine Schuld treffen, und .... Lipet war dann frei. Wenn ich dann nach Prag zurückkehrte und die Unwahrheit, die ja Niemanden zum Schaden gereichte, und die ja auch Niemanden zu widerlegen vermöchte, spräche: ich wäre bei dem Ueberfalle gewesen, hätte ihn vergeblich vor der Ueberzahl vergeblich zu retten versucht, er wäre in meinen Armen gestorben, hätte es als seinen letzten Wunsch ausgesprochen, ich solle der Beschützer seiner Wittwe, der Vater seines Sohnes werden — konnte sich ja meine Zukunft noch schöner gestalten, als ich je gehofft hatte — ich konnte Lipets Gatte werden! Freilich, wenn Pardubitzer um den letzten Rest seines Vermögens beraubt wurde, war dann seine Wittwe eine arme Frau und ich liebte auch den Wohlstand, ohne den mir kein Wohlleben denkbar schien; aber Löbl Oppenheimer war ein reicher Mann und kannte seiner Tochter eine zweite Mitgift geben. Schon willigte ich ein, Pardubitzer in verrätherischer Weise zu verlassen, als ich mich plötzlich erinnerte, daß er mir versprochen, mir, bevor wir von einander gingen, aus dem Erlöse seines Juwelenlagers, das er voraussichtlich doch wenigstens theilweise in Worms absetzen würde, tausend Gulden auszuzahlen .... Was sollte ich, aller Mittel entblößt, in fremdem Lande beginnen? Mein Vater konnte mir, da er, wie er mir soeben gestanden, sich selbst in harter Bedrängniß befand, wenn wir jetzt von einander schieden, nichts geben. Ich hatte von meinem Vater, wie ich ihn kennen gelernt hatte, wegen eigennütziger Regungen keine Vorwürfe zu befürchten, und ich war daher niedrig genug, ihm dieses Bedenken mitzutheilen, ihm zu erklären, daß mir nicht zugemuthet werden könne, für meine Willfährigkeit noch einen, für mich so empfindlichen Verlust zu erleiden. Mein Vater erhob sich und schritt einigemal im Zimmer auf und ab, er sann offenbar darüber nach, in welcher Weise er mich für den zu erleidenden Verlust entschädigen könne. Plötzlich blieb er vor mir stehen und sprach: „Kannst Du mir ungefähr den Werth des Juwetenlagers, das Pardubitzer mit sich führt, angeben?" „Dasselbe wird," erwiederte ich, „nach der geringsten Schätzung auf fünfzigtausend Gulden bewerthet." Mein Vater nickte befriedigt „Du hast die Wahrheit gesprochen, das stimmt auch mit unseren Berichten überein, denn bei unseren Unternehmungen ist es nothwendig, daß wir an allen Punkten Verbindungen haben, die uns gegen hohe Provisionen Geschäfte anbieten; Du kannst Dir gar nicht vorstellen, in welchen Stellungen sich unsere Helfershelfer befinden .... Als ich in Prag war, bot mir ein hochadeliger Taugenichts an, gemeinschaftlich mit ihm, bei seinem Großohm, einem hohen geistlichen Würdenträger, der sein Wohlthäter war, nächtlicherweise einzubrechen! Ich wies seinen Antrag nur deßhalb zurück, weil ich keinen meiner Leute bei mir hatte, und mir der Anschlag in einer fremden Stadt zu gefährlich schien .... aber ich hatte damals auch in Prag Verbindungen angeknüpft, und einen dortigen Hehler, einen Juwelier auf der Kleinseite, der in seiner Vaterstadt ein angesehener Bürger ist und mit Pardubitzer in Geschäftsverbindung steht, verdanken wir die Nachricht, daß dieser mit seinem, ihm wohlbekannten Juwelenlager und mit einem großen Baarbetrage für die Mainzer Juden, von einem Hausgenossen begleitet, die Reise nach Worms antrat. Ich vernmthete, daß Du sein Reisebegleiter sein würdest und darauf baute ich meinen Plan. Wir haben auch hier in der Umgebung, die ihr auf euerer Reise zu passiven hattet, schon seit einigen Tagen mit Ungeduld erwartet . . . Wie Du siehst, habe ich die ganze Angelegenheit recht schlau eingeleitet .... "Nun wollen wir Beide uns aus gütlichem Wege auseinandersetzen .... Du bist ja mein Sohn und ich habe bisher in keinerlei Weise meiner Vaterpflicht Nachkommen können. Ich werde mit meinen Genossen sprechen, ich werde ihnen vorstellen, welcken großen Dienst Du^uns durch Dein Verschwinden aits Pardubitzers Nähe erweisest. Sie haben über Mein und Dein andere Begriffe als andere Menschen, aber sie huldigen dem Grundsätze: leben und leben lassen, ich werde ihnen sagen, daß Du als Preis für Dein Verschwinden und Deine Unthätigkeit das ganze Baargeld, das Pardubitzer